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Für jeden etwas

Pfingst Open Air

Essen, Strandbad Werden
05.06.2006

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Pfingst Open Air
Das hätten sich die Organisatoren wohl 1980 auch nicht gedacht, dass aus der kleinen Sause im Werdener Strandbad nicht nur Essens meistgeliebtes Open Air werden würde, sondern auch ein Umsonst und Draußen-Festival, das aus dem alljährlichen Open Air-Kalender nicht nur des Ruhrpotts gar nicht mehr wegzudenken wäre. Dieses Jahr spielte sogar das Wetter einigermaßen mit, und die Zuschauer strömten in rauen Mengen an die Ruhr, um dem Happening zum 25-Jährigen einen würdigen Rahmen zu geben. Nachdem wie üblich zuerst die local heroes auf der Bühne standen, durften anschließend die Kalifornier Maxeen als erste internationales Flair verströmen, bevor es für die nächste Band nach Skandinavien ging.
Randy The Band waren angekündigt, und die lieferten eine solide Punkrock-Show mit allen Schikanen (bzw. Klischees) ab. Angefangen bei ihren Skelett-Anzügen über die 08/15-Ansagen (die trotzdem nicht zuletzt ob der Pogo-tanzenden Teenager vor der Bühne irgendwie äußerst treffend waren) bis hin zu ihrem Drei-Akkorde-Hauruck-Punkrock. Dabei tänzelten die vier ständig auf der Linie zwischen Ernsthaftigkeit und Parodie, sangen mit "Karl Marx And History" Songs über Kommunismus (das ist, wenn man auf dem gleichen Label wie The [International] Noise Conspiracy veröffentlicht, vermutlich obligatorisch) und "Die Kinder vom Bahnhof Zoo", ließen die versammelte Meute vor der Bühne die Mittelfinger gen Himmel recken und waren sich auch sonst für keinen Scherz zu schade. Die Kids vor der Bühne waren selig, und somit hatten Randy ihre Aufgabe bestens erfüllt.

Die richtige Vorbereitung auf die nächste Band war das natürlich trotzdem nicht. Dass Sick Of It All überhaupt in Werden auftauchten, war alleine schon beachtlich. Für gerade einmal ein halbes Dutzend Show sind die Amerikaner derzeit in Europa - da kommt man ja nicht unbedingt auf die Idee, dass dann ein Auftritt in Essen auf dem Programm steht. Die New Yorker Hardcore-Legende mag dieses Jahr gerade ihr 20-jähriges Dienstjubiläum feiern, doch trotz fortschreitenden Alters gilt für sie auch weiterhin: "Härter, schneller, lauter"! Mit minimalem Setup (ein Drumkit, eine Gitarre, ein Bass, eine Stimme) rockten die vier Herren einmal mehr alles in Grund und Boden. Noch dazu mit einem ausgezeichnet getimten Set aus "alten Songs, neuen Songs und allem dazwischen", wie sie uns gleich zu Beginn wissen ließen. Also gab's alte Kracher wie "My Life" vom Debütalbum, Nummern aus "Scratch The Surface" und natürlich auch Abstecher zur unlängst veröffentlichten LP "Death To Tyrants" wie "Uprising Nation". Und das Publikum liebte sie dafür! Crowdsurfing, Circle Pit, sogar einige am Wegesrand geparkte LKW wurden erklommen, um die Legende SOIA gebührend feiern zu können. Die vier Herren schienen ob des Andrangs vor der Bühne und der Begeisterung, die ihnen entgegenschlug, doch einigermaßen überrascht, entdeckten sogar einige australische (!) Fans im Publikum und bedankten sich artig für den ihnen bereiteten Empfang. Eigentlich war also alles wie immer, und das war gut so.

Danach wurde dann nicht nur das komplette Bühneninventar ausgetauscht, auch das Publikum vor der Bühne war plötzlich ein völlig anderes. Anstelle von Punks und solchen, die es mal werden wollen, bevölkerte plötzlich eine ganz andere Couleur von Menschen die ersten Reihen, um die norwegischen Headliner vom Kaizers Orchestra zu erleben: Passend zur Band gediegener, gesetzter, aber deswegen noch lange nicht weniger enthusiastisch. Wer nicht wusste, was ihn erwartete, dürfte allein über den Bühnenaufbau einigermaßen gestaunt haben: Leere Ölfässer standen dort am Bühnenrand, ein Kontrabass lag bereit, ein Akkordeon war zu sehen, und auf der Hammondorgel am Bühnenrand lagen zwei Dinge, die nun wirklich kein übliches Rock N Roll-Inventar sind: Ein Stahlhelm und ein Portrait von Martin Luther! Dass der Mann, der besagte Orgel bediente, dann auch gleich noch eine Gasmaske trug und während der Show bisweilen nicht nur die Ölfässer, sondern auch noch eine Autofelge malträtierte, wunderte da kaum noch jemand. Angetrieben vom bestgekleideten Mann des Festivals, Sänger Jovane Ottensen, zelebrierten die Nordlichter in Essen ihre einzigartige Show, die an diesem Abend vor allem auf Songs des aktuellen "Maestro"-Albums basierte: Los ging's zwar mit dem Titelsong des 2003er Werks "Ompa Til Du Dor", doch danach standen vor allem Songs wie "Delikatessen", "KGB" oder "Blitzregn Baby" im Mittelpunkt des Interesses. Will meinen: Bei aller Liebe zu schräg anmutenden Tönen gesellte sich an diesem Abend auch ein gutes Stück Pop-Appeal zur Indiepolka der Kaizers. Weiter vom Keine-Gefangenen-Sound Sick Of It Alls hätte man sich mit dem Headliner wohl kaum entfernen können, aber genau das macht so ein Open Air ja aus: Für jeden etwas, und am Ende sind und waren alle glücklich!

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Surfempfehlung:
www.openair-werden.de
Text: -Simon Mahler-
Foto: -Simon Mahler-


 
 

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