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Kulturprogramm

Campusfest Uni Dortmund 2006

Dortmund, Universität
23.06.2006
Slut
Ein Campusfest der etwas anderen Art: Klein, aber fein - und damit ist nicht nur das musikalische Line-Up, sondern leider auch das Publikum beschrieben. Dabei waren doch die Voraussetzungen eigentlich ideal: Freitagabend, sommerliches Juniwetter, im Fernsehen lediglich zwei alles andere als hochkarätige WM-Vorrundenspiele und mit Bernd Begemann und Slut erstklassige Künstler auf der Bühne. Trotzdem mussten die Dortmunder Opener ModeExecuteReady fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit spielen.
Anscheinend hatten auch Bernd Begemann & Die Befreiung auf mehr Publikum gehofft, denn wirklich überwältigend (und das können die Herren wirklich sein) waren sie an diesem Abend nicht. Unrasiert und im hoffnungslos verknitterten Anzug kam Bernd auf die Bühne, und das schien symptomatisch für die ganze Performance zu sein. Der wiederholte Wunsch an seine Band, die Songs nicht so "bumsig" zu spielen, war durchaus berechtigt: Es waren einfach nicht genug Zuschauer da, um alles in Grund und Boden zu rocken. Natürlich gab es dennoch Highlights: Gleich zu Beginn fragte Bernd, ob denn der Reporter von der Lokalpresse da sein, denn wenn nicht, hätten sie sich die Nummer mit den Anzügen ruhig schenken können! Folglich legte er bald Jackett und Krawatte ab, und das schien ihn etwas zu befreien. Die Bandfassung von "Deutsche Hymne ohne Refrain" jedenfalls war grandios. Ansonsten waren erstaunlich viele "sozialkritische" Nummern im Set, von "Judith mach deinen Abschluss" bis "Ich identifiziere mich nicht mit der Firmenphilosophie", für Bernd Anlass, den Lokalreporter, falls er denn doch da sei, zu bitten, nicht von "kritischen Liedern ohne erhobenen Zeigefinger" zu schreiben, sondern von "völlig unpolitischen Texten MIT erhobenem Zeigefinger". Gegen Ende tauten die vier dann endlich ein wenig auf und beendeten ihr Programm (rund eine Viertelstunde, nachdem ihnen gesagt wurde, dass jetzt Schluss sein müsse) mit "Unsere Band ist am Ende" - inzwischen sogar so stilecht inszeniert, dass sich Bernd beim letzten Refrain ("Der Keyboarder kommt nicht mehr") wirklich am Piano wiederfand.
Als Slut auf die Bühne kamen, war der Martin Schmeißer-Platz dann doch recht ansehnlich gefüllt, doch leider konnte das Ingolstädter Quintett seinem studentischen Publikum nicht ganz das Kulturprogramm bieten, das es geplant hatte. Eigentlich sollte nämlich diese Woche Sluts Version der "Dreigroschenoper" in die Läden kommen, mit 13 der 19 Songs aus dem berühmten Brecht / Weill-Stück. Leider hatten die Verwalter des Erbes Kurt Weills etwas dagegen, und so dürfen Slut nur fünf Songs veröffentlichen und auch maximal diese fünf live aufführen. Inzwischen können Slut darüber - trotz ihrer verständlichen Enttäuschung ob der vergeblichen Arbeit - allerdings schon wieder Witze machen. So meinte Sänger Chris Neuburger, dass die Platte dann halt in zwei Etappen veröffentlicht würde: Fünf Songs jetzt, der Rest im Jahre 2020, dann laufen nämlich die Rechte der Erbengemeinschaft aus... Wie schade es ist, dass die Slut-Bearbeitung im Giftschrank verschwindet, zeigten die drei Ausschnitte in Dortmund: "Die Moritat von Mackie Messer", "Seeräuberjenny" und "Eifersuchtsduett" (bei dem Chris gleich beide Frauenparts übernahm, wie er lächelnd anmerkte) klangen unverkennbar nach Slut, ohne dabei mit dem Original respektlos umzugehen oder das Gewicht von den Texten zu nehmen. Die Chance, das berühmte Werk einem jüngeren Publikum auf im wahrsten Sinne des Wortes spielerische Art und Weise näher zu bringen, wurde hier von Bürokraten vertan.

Aufgrund der Auflagen kamen Slut also schneller als geplant zum zweiten Teil ihres als "3GO und Gassenhauer" angekündigten Programms. Über besagte Gassenhauer, wie gewohnt vor allem neueren Datums, brauchen wir natürlich nicht mehr viel zu sagen: Dass Songs wie "Time Is Not A Remedy", "Easy To Love" oder "No Time" über jeden Zweifel erhaben sind, haben wir an dieser Stelle bereits oft genug erwähnt. Anders war höchstens, dass die fünf die Songs etwas ruppiger als sonst spielten, was denen allerdings ausgezeichnet zu Gesicht stand. Anders ausgedrückt: Selbst die Songs von "Lookbook" und "Nothing Will Go Wrong" wurden dem "All You Need Is Silence"-Treatment unterzogen. Weil Bernd und die Seinen überzogen hatten, wurde es bei Slut leider gegen Ende etwas hektisch. Um die Nachbarn zu schonen, musste kurz nach 23 Uhr die Musik aus sein, und so sah es aus, als müsste nach dem heimlichen Highlight des Sets, "No Flowers", schon Schluss sein. Eine Zugabe durfte es dann allerdings doch noch werden, und so mussten Slut dann doch nicht mit der Tradition brechen und konnten noch "Cloudy Day" spielen. Ohne das wär's ja auch irgendwie kein richtiges Slut-Konzert gewesen. So war es dann doch eins, und das heißt, dass wir uns an diesem Abend einmal mehr davon überzeugen durften, wer die beste Band im Lande ist.

[Weitere Fotos folgen...]

Surfempfehlung:
www.slut-music.com
www.bernd-begemann.de
Text: -Simon Mahler-
Foto: -Simon Mahler-


 
 

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