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Konzert-Bericht
 
Ein Amerikaner in Paris

Ken Stringfellow

Tourtagebuch Sommer 2006

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Ken Stringfellow
Schon wieder eine kleine Ken Stringfellow-Tournee in Europa, aber eine unter anderen Vorzeichen als noch die Daten zum Jahreswechsel vor rund sechs Monaten. Schließlich hat der amerikanische Singer / Songwriter in der Zwischenzeit sein Haus in Seattle verkauft und ist vollends nach Frankreich zu Frau und Kind übergesiedelt. Was lag für den "Amerikaner in Paris" also näher, als den Anlass mit einer kleinen Frankreich-Rundfahrt mit Abstecher nach Österreich zu feiern? Gene Kelly-Tanzeinlagen und George Gershwin-Songs gab's zwar nicht, dafür aber die gesamte Bandbreite des Stringfellow'schen Oeuvres.
Paris, Glazart, 15.06.2006

Zum Tourstart stand - ganz entspannt - ein Konzert in der Pariser Vorstadt auf dem Programm. Zum Konzert mit der Metro zu fahren - eine neue Erfahrung, die Ken sehr genossen hat, wie er uns vor dem Konzert berichtete. Neue (eigene) Songs hatte er bei den Konzerten zwar nicht im Gepäck, aber dafür knüpfte er eine Menge neue Kontakte mit Musikern in seiner neuen Heimat, was sich durchaus als Startschuss für sein viertes Album entpuppen könnte. Die Frankreich-Daten spielte er zusammen mit Luis Francesco Arena, und weil die beiden Acts im September eine 7" mit Coverversionen eines Songs des jeweils anderen veröffentlichen, gab's in Paris praktisch einen fliegenden Tourstart: Beim letzten Stück des LFA-Sets kam Ken auf die Bühne, um die letzten beiden Strophen des komplett umgekrempelten und von LFA auf der Akustikgitarre gespielten Stringfellow-Songs "Lover's Hymn" zu singen. Dass er dabei im direkten Vergleich mit seinem jungen französischen Kollegen klarer Punktsieger blieb, versteht sich fast von selbst.

Sein eigenes Konzert begann Ken wie viele Konzerte der letzten zwei Jahre mit "Any Love", trotzdem war es kein reines 08/15-Konzert, das er abspulte. Zum einen - und da machte sich das Fehlen ausgiebiger Proben durchaus positiv bemerkbar - hatte er offensichtlich einen Heidenspaß daran, mit seinen eigenen Songs zu spielen und sie in Nuancen hier und da etwas abzuwandeln und bei "Fireflies" auch LFA zur musikalischen Unterstützung zurück auf die Bühne zu bitten, zum anderen beflügelte ihn ohne Frage auch die Anwesenheit seiner Familie. Da der Rahmen für das Konzert recht familiär war, erlaubte Ken es sich nicht nur, ausführlich darauf einzugehen, wie ihn die Geburt seiner Tochter Aden zu der Nummer "Cyclone Graves" inspiriert habe, er war auch sichtlich begeistert, als die inzwischen Zweijährige auf die Bühne kam und - zugegebenermaßen nicht ganz passend zum Song - auf dem von LFA auf der Bühne zurückgelassenen Xylophon zu spielen, oder sollten wir besser sagen, zu jammen begann? Sicherlich kein musikalischer Höhepunkt, aber ein putziges Schauspiel allemal, zumal Klein-Aden stilecht mit einem Mohawk angetreten war, auf den Joe Strummer auf der "Pearl Harbour"-Tour auch stolz gewesen wäre. Um es mit Kens Worten zu sagen: "Mohawk midget in mallet music mayhem".

Weil das Publikum überschaubar und der Saal eigentlich etwas zu groß war, machte sich Ken samt Zuhörerschaft vor der Zugabe kurzerhand in den mit Kinosesseln und einem Konzertflügel ausgestatteten Nachbarsaal (!) auf, um dort ohne Mikro und erstmals am Piano überhaupt den Posies-Klassiker "Solar Sister" zum Besten zu geben und den Abend "klischeehaft" (seine Worte) mit "Here's To The Future" zu beenden. Für Ken war's vielleicht nur eine kleine Fingerübung zum Aufwärmen, für das Publikum ein wirklich tolles Konzert, das zudem unterstrich, wie gut Ken mittlerweile in seinem Programm drin ist. Selbst lange Pausen zwischen seinen Soloauftritten führen nun keinesfalls mehr zu Anlaufproblemen.

Clermont-Ferrand, Cooperative de Mai, 16.06.2006

Einen Tag später und vier Autostunden weiter südlich fand in Clermont-Ferrand eine "Soiree Folk" statt, fünf Singer / Songwriter, mit Ken als Sahnehäubchen zum Schluss. Netterweise war einer der Supportacts mit einem Drummer angetreten, den Ken sich dann auch umgehend auslieh. So begann der Auftritt mit einer wirklich großartigen Version des Long Winters-Krachers "Shapes", mit einem gewissen Bastien am Schlagzeug und einem Ken, der sich bisweilen ein Lachen ob dieser mehr oder weniger ungeprobten Aktion nicht verkneifen konnte. Und weil's gerade so schön lief, erklärte er dem Mann am Schlagzeug auch gleich noch den Beat für "One Morning" und spielte auch diese Nummer in "Bandversion". Die dritte Nummer war dann die zweite Long Winters-Coverversion "It'll Be A Breeze", von Ken grinsend mit den Worten angekündigt: "Ich hab auch eigene Songs, und ich werde sie gleich spielen!" Für seine Verhältnisse war der Auftritt zwar recht kurz, aber es wurde trotzdem ein richtiges Happening daraus. Zusammen mit LFA verwandelte er die Pianonummer "Death Of A City" in ein Gitarrenstück und präsentierte dem Publikum auch noch erstmals eine unlängst neu einstudierte Coverversion: "Little Ole Winedrinker, Me" von Dean Martin! Vorgetragen im Knien, nachdem er zuvor schon ca. 25 Menschen aus dem Publikum auf die Bühne gebeten und um sich geschart hatte!

Wien, Flex, 18.06.2006

Vom Konzert in Angloume am 17. Juni ist vor allem die Aufführung einiger Posies-Songs mit LFA und eine Aftershow-Party, die sich bis acht Uhr am nächsten Morgen hinzog, überliefert, aber nicht nur deshalb hatte Ken in Wien einiges zu erzählen, als er bei der Geburtstagsparty von FM4-DJane Eva Umbauer um 1.00 Uhr morgens (also faktisch am 19. Juni) auf die nicht existente Bühne des Flex Cafes kam. Geschlagene 25 Minuten dauerte sein Monolog noch vor dem ersten Song (nachzulesen in Kens Tourblog auf kenstringfellow.com), an dessen Ende er praktisch nass geschwitzt war. Es herrschten nämlich gefühlte 45 Grad im Flex. Was machte Ken also? Er öffnete kurzerhand die schweren Metalltüren des Notausgangs rechts der Bühne und spielte (von einigen Pianonummern abgesehen) das gesamte zweistündige Konzert unter freiem Himmel am Ufer des Donaukanals - und das auch noch größtenteils ohne Mikro! Die besonderen Umstände verlangten natürlich auch nach besonderen Songs, und so gab es einmal mehr Ken, die menschgewordene Karaokemaschine, zu bewundern, die problemlos "I Don't Want To Spoil The Party" von den Beatles, "Nighttime" von Big Star, "New Test Leper" von R.E.M. und gar eine Kurzfassung von Billy Idols "White Wedding" draufhat. Und weil er gerade so schön in Fahrt war, gab's sogar noch das ultraselten gespielte Stringfellow-Original "For Your Sake" (mit von einem Zuschauer gehaltenen Textbuch), sein höchst unterbewertetes Solostück "Prequel" und noch einmal "Shapes" von den Long Winters zu hören. Weil er Letzteres zwei Tage zuvor auf der Gitarre gespielt hätte, gab er die Nummer dieses Mal am Piano zum Besten - eine seiner leichteren Übungen. Noch schnell Elliott Smiths "Needle In The Hay" in ein Geburtstagsständchen für Frau Umbauer umgewandelt und dann als krönenden Abschluss - und mit entzückender Publikumsbeteiligung um zehn vor drei am Montagmorgen (!) - "God Only Knows" von den Beach Boys zelebriert. Besser geht's nicht!

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Surfempfehlung:
www.kenstringfellow.com
www.myspace.com/kenstringfellow
www.theposies.com
www.myspace.com/theposies
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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