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Let's See Action!

The Who

Bonn, Museumsplatz
11.07.2006
The Who
Die zuletzt hitzig geführten Diskussionen über die Webcasts der Konzerte der The Who-Europatournee offenbarten es: Eine Band im eigentlichen Sinne sind die alten Helden anno 2006 nicht mehr. "Roger [Daltrey] is my partner in The Who. He is not my partner in anything else", schreibt Pete Townshend auf seiner Website. "We love each other but we are not regular social buddies like Bono and The Edge, we do not discuss or share ideas, and we have no unified joint vision of strategy for The Who or for creative projects in general." Davon merkt man beim ausgezeichneten Auftritt in Bonn allerdings nichts.
The Who
Townshend hat gute Laune, macht Scherze über das Alter der Band, die kleinen Anlaufschwierigkeiten zu Beginn der diesjährigen Europatournee ("Wenn wir nächstes Jahr wiederkommen, sind wir viel besser... aber auch ein Jahr älter und vermutlich schneller müde") und steht auch sonst mehr als einmal breit grinsend am Bühnenrand, als wollte er sagen: Wir sind gar nicht mal so schlecht für eine Band, die zuletzt mehr belächelt als bewundert wurde, oder? The Who stehen auf der Bühne, spielen nicht mehr und nicht weniger als rund ein Dutzend der besten Rocksongs aller Zeiten ("I Can't Explain", ihre berühmte Debütsingle explosiv gleich zu Beginn, "The Kids Are Alright", "Who Are You", das von Fred Durst zurückeroberte "Behind Blue Eyes", den für viele besten Rocksong ihrer Karriere "Baba O'Reily", ihren bisher letzten Hit "You Better You Bet" und, und, und), gönnen dem Bonner Publikum auch einige Raritäten à la "Relay" und - vielleicht das Highlight des Abends - ein von Townshend gesungenes "Let's See Action", das ungewohnt solo-akustisch beginnt und als tolle Fullband-Version endet, und schweifen nur kurz zu den Songs neueren Datums ab.

Dass das neue Material da nicht ganz mithalten kann, liegt nur bedingt daran, dass Townshend als Autor schwächelt, eher wohl am ikonenhaften Status seines Frühwerks. "Real Good Looking Boy" kommt trotzdem ausgezeichnet an, und die zweite neue Nummer gibt Townshend (der die wesentlich smarteren Ansagen im Vergleich zu Daltrey macht) die Chance, einen weiteren Scherz anzubringen. Der Song ist zwar nach dem bekannten US-Komponisten Mike Post benannt ("Mike Post Theme"), der für unzählige Filmen und Serien markante Titelthemen schrieb, "doch heutzutage sind diese Titelmelodien ja zumeist Who-Songs", scherzt Townshend in Anspielung auf die Verwendung seiner Songs in den diversen "CSI"-Formaten. Die neue EP "Wire & Glass" erwähnt Townshend zwar, aber anders als noch bei den Englandshows wenige Tage zuvor spielen The Who - unverständlicherweise! - nichts daraus. Mit einem fulminanten "My Generation" und dem obligatorischen "Won't Get Fooled Again" geht es dann dem Ende entgegen. Aus "Quadrophenia" gibt es dafür nichts zu hören, aber nachdem die Band bei ihrem letzten Deutschlandbesuch vor neun Jahren dieses Werk ausschließlich gespielt hat, geht das trotzdem in Ordnung.

The Who
Zu Beginn der Zugabe fühlt sich Townshend dann noch bemüßigt, über den Veranstaltungsort herzuziehen, und meint, dass das Bonner Publikum doch wirklich einen schönen Konzertsaal verdient habe, nicht nur ein Zelt zwischen zwei Museen. Sogar über das Restaurant auf dem Gelände kann er sich (ob des amerikanischen "Diner"-Neonzeichens) genüsslich aufregen, bevor er seinen Ausbruch irgendwann praktisch mitten im Satz beendet und schlicht und ergreifend sagt: "The next song is called... 'Substitute'!". Und sofort ist er nicht mehr der verbitterte alte Mann, dem man nichts recht machen kann, sondern der junge Rock-Gott, der mit besagtem Lied einen der besten Rocksongs aller Zeiten abgeliefert hat.

Doch das ist noch nicht alles, denn als "grande finale" gibt's noch eine wirklich sensationelle, auf 20 Minuten verdichtete Fassung des Großwerks "Tommy" - und die klingt so frisch und energiegeladen, dass es eine helle Freude ist. Roger Daltrey singt ausdrucksstärker denn je und wirbelt sein Mikro durch die Gegend, als sei es 1966, nicht 2006, Pino Palladino am Bass und Zak Starkey am Schlagzeug ersetzen die verstorbene Rhythmusfraktion John Entwistle und Keith Moon kongenial, und die zusätzlichen Kräfte Rabbit Bundrick an den Tasten und Townshends Bruder Simon an der Rhythmusgitarre füllen den Sound unauffällig, aber gekonnt aus. Und der Meister selbst? Townshend ist in jeder Sekunde Mittelpunkt des Geschehens, spielt erfreulicherweise inzwischen wieder Stromgitarre, springt über die Bühne, macht die Windmühle und hat ganz offensichtlich eine gute Zeit. Den rund 6000 Fans vor der Bühne geht es genauso!

Surfempfehlung:
www.thewhotour.com
www.thewholive.de
Text: -Carsten Wohlfeld-
Fotos: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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