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Konzert-Bericht
 
Von Hunden und Kopfnüssen

Thees Uhlmann

Dortmund, Bakuda
26.08.2006
Thees Uhlmann
Was war das jetzt eigentlich? Der Ping Pong-Club? Club van Cleef? Ein Tomte Thees-Soloauftritt plus DJs? Oder vielleicht doch ein bisschen von allem? Wie dem auch sei, die Dortmunder Jugend wollte dabei sein, denn so brechend voll haben wir das Bakuda vor der Geisterstunde schon lange nicht mehr erlebt. Die Hauptattraktion war ohne Frage Thees Uhlmann mit seiner Akustikklampfe, der einen Tag, nachdem Tomte als Headliner bei Essen Original abgeräumt hatten, offensichtlich bestens gelaunt war.
Hatte er sich beim Tomte-Konzert in Düsseldorf im Februar diesen Jahres noch gewundert, dass die Leute inzwischen für seine Songs den Eintritt zahlen und nicht nur, um zu hören, wie er sich um Kopf und Kragen quasselt, waren im Bakuda die Ansagen - endlich? - wieder wichtiger als die Musik. Das Konzert hatte noch gar nicht richtig angefangen, da hatte sich Gastgeber Dirk Ping schon die ersten Sprüche eingefangen, und auch so manche Ansage dauerte wesentlich länger als der Song selbst. Zumindest wissen wir jetzt, in welchen Hamburger Vorstadtsilos man am besten verwahrloste Hunde aufliest, dass Thees eine schwächere Blase hat als sein Vierbeiner (der bekanntlich inzwischen im Hundehimmel weilt) und dass die Hamburger Polizei Menschen, die mitten in der Nacht mit ihren Hunden vor die Tür gehen, offensichtlich suspekt findet. Außerdem haben wir gelernt, dass man in Dortmund Olli Schulz-Witze - zumindest, wenn sie von Thees nacherzählt werden - nur bedingt witzig findet. Dass es trotzdem eine Menge zu lachen gab, versteht sich von selbst. Eine kleine Auswahl gefällig?

Thees: "Nagel wird der Hohepriester unserer destruktiven Kultur, und wir werden durch Deutschland ziehen und die Innenstädte durchpflügen."

Thees: "Ey, erzähl mal was aus Essen, war ich gut?"

Thees: "Wer von euch lebt in Trennung?"
Publikum: "Ich!"
Thees: "Und, tut's noch weh?"
Publikum: "Ja!"
Thees: "Gut!"

Weil wir ja im Bakuda unter uns waren, dürfen wir hier leider nicht erwähnen, welche britische Band, die gut auf dem Tanzflur aussieht und sich und ihre BMX-Räder cool findet und welche B-Schauspielerin einer Sat.1-Telenovela, die Thees der Dummheit und des Texteablesens bezichtigt hat, sich von ihm Kopfnüsse abholen dürfen. Erwähnen dürfen wir dagegen, dass es ziemlich ulkig war, dass Thees gleich mehrmals den Anfang seiner Songs vergaß ("Ich hab sie auch erst 100 Mal gespielt dieses Jahr") und seinen DJ- und Labelkollegen Simon Rass um Hilfe bitten musste. Erinnert hat er sich letzten Endes vor allem an die Songs der aktuellen Platte "Buchstaben über der Stadt", und so gab's "Geigen bei Wonderful World", "New York" (bei dem aus "New York" plötzlich "Ruhrpott" wurde!) oder "Norden der Welt" zu hören. Sogar einen Abstecher zu "Whatever" gab's - der alten Oasis-Ultra-Zeiten wegen. Noch beeindruckender als seine Songs war allerdings Thees Wissen über Populärkultur (egal ob beim Themenkreis "Frühstücksfernsehen", "Computerspiele" oder "Paris Hilton") und geografische Besonderheiten des Ruhrgebiets (wir sagen nur: "D&W"). Ebenfalls goldig: Dass Thees wohl wirklich glaubte, einen Golf-spielenden Zuschauer ausfindig gemacht zu haben - dabei war der junge Mann, wie sich das gehört, zwar im Golfclub, allerdings brauchte er dafür weder Schläger noch Bälle, sondern eher Schraubenschlüssel und Rallyestreifen...

Nach einer kurzweiligen Stunde und einem feinen Singalong bei "Die Schönheit der Chance", an dem Thees sichtlich Spaß hatte, und einer der seltenen Aufführungen von "48 Stunden" war's dann vorbei mit der Livemusik. Die Jugend zappelte noch bis in die frühen Morgenstunden zum Sound des Zeitgeistes - aufgelegt mit vereinten Kräften von den Ping Pong- und Van Cleef-Clubberern. Die älteren Semester machten sich derweil Sorgen: Der Tag, an man in einer ganz normalen Indiedisco keinen einzigen Song mehr erkennt, ist wieder ein Stückchen näher gekommen!
Surfempfehlung:
www.tomte.de
Text: -Simon Mahler-
Foto: -Pressefreigabe-


 
 

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