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Leader of the pack

The Pipettes

Köln, Prime Club
18.10.2006

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The Pipettes
Kann es ein Zufall sein, dass sich The Pipettes auf The Ronettes reimt? Wären da nicht die etwas rauere Produktion, die uns daran erinnert, dass Indiepop existiert, und die Texte einen Tick unschuldiger - man könnte die drei englischen Mädels für eine der vielen großartigen 60s-Girlgroups aus dem Stall von Phil Spector halten. Zeitlos schöne Popsongs mit wunderbaren Harmonien und einem gekonnt aufgeschichteten Wall Of Sound im Hintergrund (für den die großartigerweise The Cassettes benannte Backingband verantwortlich zeichnet) funktionieren nun einmal 2006 ebenso gut wie 1963.
Das bewies das britische Trio bereits im Sommer in Köln beim Monsters Of Spex und nun auch bei seiner Clubtour durch Deutschland. Im mit tanzenden jungen Mädchen und sabbernden alten Männern (von denen einige gar Geschenke und Blümchen für die Damen auf der Bühne mitgebracht hatten!) bestens gefüllten Prime Club brauchte es jedenfalls nur das Intro zu "Sex", bis der Laden auf Betriebstemperatur war - ob der in ihren lustig gepunkteten Kleidchen angetretenen Pipettes. Das fiel dann auch gleich Gwenno, Rose und Becki auf, die sich - nach einigen schlechten Erfahrungen in Hamburg tags zuvor - artig dafür bedankten, dass das Publikum auch ohne besondere Aufforderung voll bei der Sache war. Leider war es vor der Bühne etwas zu eng, um sich an Imitationen der Tanzschritte der drei britischen Ladies zu versuchen. Die redeten, wenn sie nicht gerade um die Wette kicherten, zwischen den Songs des Öfteren fröhlich durcheinander - zumindest die Ansprache ans Publikum wirkte hier und da weniger einstudiert als die niedliche Choreographie zu den Songs.

Wobei ausdrücklich erwähnt werden sollte, dass es keinesfalls schlimm war, dass der gerade einmal 45-minütige Auftritt wenig Raum für Spontaneität bot. Die Menschen vor der Bühne wollten die Pipettes singen hören und tanzen sehen und sich von simplen, aber effektiven Ohrwürmern wie "One Night Stand", "Judy" oder "Your Kisses Are Wasted On Me" verzaubern lassen, und genau das passierte auch. Von vereinzelten Ausnahmen wie dem einst als Weihnachtssingle veröffentlichten "In The Bleak Midwinter" abgesehen, spielten The Pipettes praktisch ihr gesamtes Repertoire, bestehend vor allem natürlich aus ihrem Debütalbum, fein garniert mit einigen B-Seiten und einem neuen Song namens "Baby Don't Leave Me". Schade nur, dass die Cassettes musikalisch zwar zu überzeugen wussten, sich ansonsten aber als Charisma-freie Zone entpuppten und zudem so weit hinten bzw. am Rand der Bühne positioniert waren, dass man das Gefühl hatte, die Pipettes wollten ihre Musiker richtiggehend verstecken.

Das reguläre Programm endete mit dem großartigen Double-Feature "Pull Shapes" und "We Are The Pipettes". Wenn man bei Letzterem nur mit einem Ohr hinhörte, konnte man statt "We are the Pipettes and we've got no regrets" auch "...we want to be The Ronettes" verstehen. Was vermutlich ja auch gar nicht so weit von der Wahrheit entfernt ist. Und für die Zugaben hatten sie sich die Damen zwei weitere echte Kracher, zwei "Oldies" aus dem letzten Jahr, "ABC" und "I Like A Boy In Uniform (School Uniform)", aufgehoben! Ob sie mit dieser innovationsfreien, aber trotzdem bisweilen erstaunlich authentisch anmutenden Retro-Nummer mehr als ein Album lang begeistern können, wird die Zukunft zeigen müssen, an diesem Abend im Prime Club jedenfalls fühlten sich alle ganz ausgezeichnet unterhalten.

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Surfempfehlung:
www.thepipettes.co.uk
www.myspace.com/thepipettes
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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