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Konzert-Bericht
 
Fröhlicher Abend mit traurigen Liedern

Lisa Germano

Münster, Gleis 22
15.11.2006
Lisa Germano
Als Neil Finn Lisa Germano vor einigen Jahren fragte, ob sie neben Größen wie Eddie Vedder, Ed O'Brien von Radiohead oder Johnny Marr bei seinem "Seven Worlds Collide"-Projekt mitmachen wolle, fragte die Amerikanerin nur: "Warum?" Nicht aus Koketterie, sondern weil sich die manchmal etwas schüchterne, ja geradezu verlorene Singer / Songwriterin mit dem goldenen Händchen für Düster-Atmosphärisches wirklich nicht vorstellen konnte, wie sie in dieses All-Star-Aufgebot hineinpassen würde. Schließlich macht sie keine Musik für die Masse, sondern vertont schlicht und ergreifend nur ihr eigenes Leben.
Lisa Germano
Das Publikum im erstaunlich gut gefüllten Münsteraner Gleis 22 ist sich dessen bewusst. Andächtig, manchmal fast schon zu still lauscht es Lisa, wie sie am Roland-Keyboard sitzend ihr Leben in Songs vor uns ausbreitet. Und weil die inzwischen 48-jährige Musikerin weiß, dass sie auf ihrer von Gaesteliste.de präsentierten Deutschlandtournee zu Gast bei Freunden ist, versucht sie sich gleich zu Beginn an einem Song, den sie sonst nicht in dieser Form spielt, nur um am Ende entschuldigend festzustellen: "Das hat wohl nicht funktioniert". Immerhin spielt sie als "Entschädigung" gleich anschließend ihre vielleicht schönste Nummer "If I Think Of Love", die so wunderbar ist, dass sie sie gleich zweimal aufgenommen hat: Erst zusammen mit Giant Sand als OP8, dann später für ihr Album "Slide".

Im Mittelpunkt des Interesses steht im Gleis 22 natürlich das Material ihres schönen neuen Albums "In The Maybe World", das zwar in Deutschland von der Presse komplett ignoriert wurde, dem ausgezeichneten 2003er Werk "Lullaby For The Liquid Pig" allerdings in nichts nachsteht. Der Tod ist das zentrale Thema der Platte, und das spiegeln auch die Auszüge auf der Livebühne wider: Mit "Except For The Ghosts" zollt Lisa Jeff Buckley Tribut, und "Golden Cities" entstand, als ihre schon mehrfach in Songs verewigte Katze Miamo-Tutti starb. "My cat wrote this song through me as he was dying", erklärt sie die Nummer, und als brauchte man noch einen Beweis, dass sie das ernst meint, ist der Stubentiger auf der Platte auch tatsächlich als Songautor angegeben! Das absolute Highlight des Abends ist dagegen das desolate "It's Party Time", das Alkoholismus zum Thema hat ("I smell like wine / most of the time") und einmal mehr unterstreicht, wie sehr diese Songs der Soundtrack ihres eigenen Lebens sind. Nach knapp einer Stunde ist der offizielle Teil des Abends vorüber und Lisa fragt das Auditorium nach Wünschen. Erfüllen kann sie die leider nicht, denn die Puristen im Saal wollen vor allem obskure Sachen hören, auf die die Protagonistin nicht vorbereitet ist! Immerhin bietet ihr der Dialog mit dem Publikum die Chance, ihre Schlagfertigkeit unter Beweis zu stellen. Den hereingerufenen Songwunsch "You Make Me Want To Wear Dresses" kontert sie trocken mit "That's your problem!"...

Lisa Germano
Mit "Paper Doll" gibt sie, inzwischen vom Piano zur cremefarbenen Telecaster gewechselt, doch noch einen Wunsch ihrer Zuhörer zum Besten, bevor sie dann bei der Zugabe fast schon verzweifelt nach einem positiven Song sucht, um die düstere Stimmung etwas aufzuhellen. Sie findet ihn in dem nur auf dem augenzwinkernd "Rare, Unusual Or Just Bad Songs" betitelten Mailorderalbum veröffentlichten "Dreamland". "Musik ist ihr Leben und ihr Leben ist Musik" hat einmal jemand über Lisa geschrieben. In Münster unterstrich sie mit diesem ungemein gefühlsbetonten, bewegenden, unverfälschten Auftritt, wie treffend diese Aussage ist.
Surfempfehlung:
www.lisagermano.com
Text: -Carsten Wohlfeld-
Fotos: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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