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Konzert-Bericht
 
Stundenlang kurzweilig

Yo La Tengo
Masha Qrella

Düsseldorf, Zakk
23.11.2006

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Yo la Tengo
"Ich bin fast geneigt zu sagen, dass das die beste Yo La Tengo-Show war, das ich je gesehen habe", meinte nach dem Konzert ein YLT-Konzert-Veteran, und auch wenn diese Äußerung im Überschwang der Gefühle getroffen wurde - ein bisschen was Wahres ist da schon dran. Die Grundidee der Konzerte des Trios aus New Jersey ist zwar seit Jahren unverändert, aber selten ging das Konzept der Band so gut auf wie an diesem Abend im mehr als nur gut gefüllten Düsseldorfer Zakk.
Zwar war auch dieses Mal der Ablauf der Show - im Mainset vor allem neue Songs, bei denen sich ausufernde Improvisationsnummern mit knackig-kurzen Garagenrock-Songs und ein, zwei Ausreißern ins Balladen- oder Disco-Fach abwechselten, und eine Freistil-Zugabe mit Publikumswünschen - auch dieses Mal schon vorher bekannt, die Kurzweiligkeit des weit über zweistündigen Auftritts überraschte dann aber selbst eingefleischte Fans. Als "Pass The Hatchet I Think I'm Goodkind" weit jenseits der Zehn-Minuten-Grenze zu Ende ging, hatte das Düsseldorfer Publikum zwar erst drei Nummern gehört, das Konzert war aber trotzdem schon fast eine halbe Stunde alt.

Überhaupt machte sich an diesem Abend positiv bemerkbar, dass die aktuelle Platte "I Am Not Afraid And I Will Beat Your Ass" zu den abwechslungsreichsten YLT-Veröffentlichungen der letzten Jahre gehört. Die Kontrapunkte zwischen den ellenlangen psychedelischen Anwandlungen, die einen Großteil des Programms füllten und Gitarrist Ira Kaplan - anders als noch vor einigen Jahren - jede Menge Spielraum boten, sich an seinem Instrument auszutoben (was er auch tat), waren jedenfalls mit dem Falsett-Soul-Song "Mr. Tough" oder Georgia Hubleys Piano-Ballade "I Feel Like Going Home" treffend gesetzt. Ebenso wie mit den lärmenden Sprints durch "I Should've Known Better" und James McNews Gesangseinlage "Watch Out For Me Ronnie", die auf das Endlos-Finale mit "The Story Of Yo La Tango" und dem einmal mehr als Schlussstück begeisternden Oldie "Blue Line Swingers" (aus dem 1995er Album "Electr-O-Pura") vorbereiteten.

Fast zwei Stunden hatte die Band bis dahin schon auf der Bühne gestanden, ohne dabei groß zu kommunizieren. Für das Publikum musste ein "Danke scheen" (Ira: "That means 'thank you'!") hier und da reichen, und die drei Protagonisten verstehen sich eh blind: Das Produkt ihrer so ungemein intensiven und engen Zusammenarbeit seit rund zwei Jahrzehnten. Ein völlig anderes Bild dagegen bei den Zugaben, als Ira plötzlich (wenngleich nicht unerwartet) ellenlange Geschichten erzählte, mit dem Publikum über die Songauswahl diskutierte und die Band auf der Bühne näher zusammenrückte, um eine ganze Reihe selten(er) gespielte Coverversionen zum Besten zu geben. Gleich die erste war eine echte Überraschung. Nachdem Ira kryptisch gefragt hatte, ob sich die Zuschauer denn auch schon auf den morgigen Feiertag (er meinte Thanksgiving) freuen würden, spielten die drei einen speziell für diesen Anlass ausgewählten Song: "Be Thankful For What You've Got" von Massive Attack (!) - und das noch dazu ziemlich perfekt. Nicht nur der Gitarrentechniker der Band, der bis zu diesem Zeitpunkt keine Miene verzogen hatte, konnte sich da ein Grinsen nicht verkneifen.

Das immer willkommene "Stockholm Syndrome" war eine der wenigen Eigenkompositionen, die es in die drei Zugabenblöcke geschafft hatte ("Autumn Sweater" fiel erstaunlicherweise aus), dafür gab's eine herrliche Semi-Unplugged-Version des Kinks-Klassikers "This Is Where I Belong", bei dem Iras Textpatzer für jede Menge Belustigung bei seinen Bandkollegen sorgte. "It's good to end on a high note", meinte Ira anschließend grinsend, und die Band entschwand in die hinteren Gemächer. Aber obwohl der Song ein wahrlich schöner Abschied gewesen wäre, kamen die drei noch ein weiteres Mal zurück und spielten "Take Care" von Big Star, das ob seiner Botschaft und mit der Textzeile "This sounds a bit like goodbye, in a way it is, I guess" einen perfekten Schlusspunkt setzte.

Dass Yo La Tengo an diesem Abend so großartig waren, lag vielleicht auch ein wenig am Supportact, der die Messlatte schon früh am Abend (Konzertbeginn Punkt 20.00 Uhr!) sehr hoch gelegt hatte. Masha Qrella hatte zusammen mit ihrer unglaublich guten Band (Rike Schuberty, Michael Mühlhaus und Andi Haberl) nämlich einmal mehr bewiesen, dass "Musik aus Strom" auch handgemacht ganz außerordentlich gut klingen kann, egal, ob sie auf Stücke ihrer beiden tollen Platten "Luck" und "Unsolved Remained" zurückgriff oder mit einem ebenso gut gewählten wie gut gemachten Cover von Bryan Ferrys "Don't Stop The Dance" das Publikum auf ihre Seite ziehen konnte. Der unerwartete Höhepunkt war dagegen ein ausgiebiges Schlagzeugsolo von Drummer Andi, der eindrucksvoll unterstrich, warum er ansonsten bei einer Band namens Jazzkatapult spielt. Will meinen? Es war ein vom ersten bis zum letzten Ton begeisternder Konzertabend!

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Surfempfehlung:
www.yolatengo.com
www.myspace.com/yolatengo
www.mmyspace.com/mashaqrella
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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