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Konzert-Bericht
 
Szenen des Alltags

Oile Lachpansen
Einmannjan

Köln, Stereo Wonderland
02.12.2006
Oile Lachpansen
"Koss nix", ließ uns das Schild an der Tür wissen. Gut so. Schließlich zog uns an diesem Abend ausnahmsweise einmal nicht ein Konzert, sondern die Suche nach einem Kölsch und einer Cola ins Stereo Wonderland (Dass wir dort ein Kölsch MIT Cola bekamen, ist eine völlig andere Geschichte...). Kaum standen allerdings die Getränke auf der Theke, fing auch schon die Gratis-Livemusik an, und schnell wurde klar: Wegen der Flüssignahrung waren wir gekommen, wegen der Musik würden wir bleiben.
Einmannjan
Den Anfang machte der Münsteraner Einmannjan, dessen Name (ein junger Herr namens Jan) sich ebenso selbst erklärte wie seine Alltagslyrik, mit der er sich (und das meinen wir ausdrücklich als Kompliment) teilweise fast schon auf Liedermacher-Terrain bewegte: Gleich beim ersten Song sang er uns zum Beispiel schüchtern von seiner Wohnung vor. Das hatte - sowohl was den Gesangsstil als auch die minimale, aber dennoch gekonnte Schrammelbegleitung auf der Akustikklampfe anging - etwas von den berüchtigten Homerecordings Arne Zanks aus der tocotronischen Frühphase und war trotzdem besser gemacht, als man vielleicht auf den ersten Blick (bzw. Höreindruck) vermuten könnte. Vor allem, weil der Mann auf der Bühne nach einiger Zeit etwas auftaute, nicht mehr nur auf sein Schuhwerk starrte, sondern ausführlich von seinen Abenteuern mit seinem Kumpel Oile in Münster erzählte und uns ganz nebenbei auch gleich noch die Sehenswürdigkeiten seiner Heimatstadt (Lambertikirche) erklärte. Auch nett: Der Hinweis am Ende, dass man seine Platten nicht kaufen müsse, da die Songs eh online umsonst zu bekommen wären...
Oile Lachpansen
Was Oile danach auf der kleinen Bühne des Stereo Wonderland veranstaltete, war großes Entertainment. Mit mehr Punk-Attitüde als Einmannjan (sein Vortragsstil erinnerte mehr als einmal an den großen Bob Mould), aber einem ähnlichen Gespür dafür, die Szenen den Alltags in Songs einzufangen, legte der Kölner gleich mit seinem 1A-Themesong "Oilerboy" los und sorgte zunächst für Heiterkeit, dann für Staunen. Auf die Idee, seinen an sich drögen Alltag so ungefiltert und unverfälscht in Songs zu packen, ohne dabei nur Mitleid zu erregen oder ins Depri-Fahrwasser abzudriften, muss man erst einmal kommen. Ein bisschen erinnerte das bisweilen an Muff Potters Nagel, nur noch viel direkter. Dass er in einer Nummer zudem Charles Bukowski erwähnte, war sicherlich auch kein Zufall. Oile sang von durchzechten Nächten, Onanie im Morgengrauen, seinem leeren Bankkonto und Selbstmördern auf der Deutzer Brücke und konnte dabei nicht nur als Sänger und Gitarrist überzeugen, sondern bewies vor allem auch unglaublich trockenen Humor zwischen den Songs: So bat er - passend zum Song "Zahltag" - das Publikum um Geldspenden in den bereitgestellten Gitarrenkoffer, um den entgangenen Eintritt zu kompensieren, und erklärte die Notwendigkeit der Aktion damit, dass Einmannjan die Kohle für die Rückfahrt nach Münster benötige, denn "bei mir kann er länger als bis morgen auf gar keinen Fall bleiben".

Zwar hatte er mit den beiden erwähnten Songs - mit Ausnahme des absolut wahnsinnigen "Magnet" von seiner Band Se Sichelzecken - seine besten Werke gleich an den Anfang der Show gesetzt, trotzdem schaffte er es selbst mit ruhigeren und weniger klamaukigen Songs wie "Opa und die Lieder", die Leute im inzwischen recht ansehnlich gefüllten Stereo Wonderland zum Hinhören zu zwingen - obwohl praktisch niemand gekommen war, um Livemusik im Allgemeinen und Oile im Speziellen zu hören. Nur ganz am Schluss wurde jemand etwas unruhig. Oile hatte sich gerade verabschiedet und das letzte Lied angekündigt, da verlangte jemand vorne an der Bar nach etwas Positiverem zum Schluss. Und was sagte Oile? "Ich hab doch gerade schon gesagt, dass jetzt das letzte Lied kommt. Ist das nicht positiv genug?"

Aus der eingangs erwähnten Cola und dem Kölsch wurden dann letzten Endes noch ein paar mehr, doch das war nicht der Grund, warum es ein wirklich gelungener Abend war. Der Grund dafür waren nämlich ganz ohne Zweifel Einmannjan und Oile Lachpansen!

Surfempfehlung:
www.myspace.com/oilelachpansen
www.myspace.com/einmannjan
Text: -Simon Mahler-
Fotos: -Simon Mahler-


 
 

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