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Konzert-Bericht
 
Weihnachten auf norwegisch

Jim Protector
Ken Stringfellow

Oslo, Cafe Mono
21.12.2006

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Jim Protector
Dafür, dass diese Show erst zwei Wochen vorher angesetzt worden war, wurde es erstaunlich voll im kleinen Cafe Mono. Was vermutlich daran liegt, dass Jim Protector aus Trondheim bei uns noch ein gut gehütetes Geheimnis sind, in ihrem Heimatland aber bereits seit rund fünf Jahren für Aufsehen sorgen, zuletzt vor allem mit "Jim Protector's Guide To Self-Pity", der in den norwegischen Medien lobend mit den frühen Grandaddy und Yo La Tengo verglichen wurde. Die letzten Monate arbeitete das Quartett intensiv an seinem neuen Album, das in Seattle abgemischt wurde von Ken Stringfellow, der zuvor auch schon als Gastmusiker bei den Sessions in Norwegen dabei gewesen war. Erste Hörproben gab es nun im Cafe Mono.
Zum Beispiel "Headaches", das gleich als zweiter Song ein erstes echtes Highlight war. Musikalisch sind JP eine typische Indierock-Band, die durchaus auch in den frühen 90ern schon hätte existieren können, würden sie nicht bei vielen Stücken ihre klassische "Zwei Gitarren, Bass, Drums"-Basis verlassen, auf Casio-Keyboard oder vereinzelt sogar auf eine Trompete zurückgreifen und dabei in Noise-, Disco- oder Emo-Gefilde abdriften. Ambitioniert war das allemal, wenngleich dem ob der Anreise etwas müden Rezensenten an diesem Abend doch die schnörkellosen Indiepop-Nummern alter Schule wie "Guide To Self-Pity" am besten gefallen haben. Für die Zugabe baten Jim Protector dann ihren Special Guest, den eingangs bereits erwähnten Ken Stringfellow, auf die Bühne, der für die letzten zwei Nummern am Casio aushalf und auch noch ein wenig Gesang beisteuerte. Dass Jim Protector ihre helle Freude am Zusammenspiel mit ihrem amerikanischen Helden hatten, zeigte sich nicht nur an ihren strahlenden Gesichtern, sondern vor allem daran, dass beide Songs in ellenlangen Improvisationen ausarteten, die, wie Stringfellow treffend meinte, des Öfteren kurz vor dem Kollaps standen, ohne vollends vom Wege abzukommen.
Stringfellow hatte den Abend bereits mit einem kurzen Soloset eröffnet und ein gutes Gespür bei der Songauswahl bewiesen. Mangels Keyboard dieses Mal nur an der Stromgitarre (und, einmal abgesehen vom ersten Song, auch ohne Mikrofon) mischte er gekonnt altbekannte Standards seiner letzten beiden Alben wie "Find Yourself Alone" und "You Drew" (das mit jeder Aufführung besser zu werden scheint) mit unerwarteten Raritäten wie dem länger nicht gespielten - und mit einem eigenwilligen Einblick in seine Ansichten zum Thema Religion eingeleiteten - "Sparrow" und wagte auch schon einen Ausblick auf seine in wenigen Wochen erscheinende Cover-Platte auf dem norwegischen Label Sellout Records, mit "It'll Be A Breeze" von den Long Winters und dem ebenso obskuren wie wundervollen 70s-Folksong "Crayon Angels" von der "sehr, sehr toten, ziemlich talentierten und irgendwie mysteriösen" Judee Sill. So kurz vor dem Jahresende ließ er aber natürlich auch die Chance nicht verstreichen, zwei seiner thematisch am besten passenden Songs zu spielen, zunächst Florence Dores grandioses Anti-Weihnachtslied "Christmas" (ohne Frage das Highlight des gesamten Abends) und ganz zum Schluss sein eigenes "Here's To The Future" - schließlich war es seine letzte Soloshow in diesen Jahr. Auf seine Deutschland-Konzerte im Februar 2007 darf man sich freuen!

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Surfempfehlung:
www.jimprotector.net
www.myspace.com/jimprotector
www.kenstringfellow.com
www.myspace.com/kenstringfellow
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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