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Konzert-Bericht
 
Reduktion in Perfektion

Contriva
Electric President

Köln, Gebäude 9
26.11.2006

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Contriva
Um es gleich vorwegzunehmen: Ein paar mehr Zuschauer hätte dieser Morr Music-Label-Abend ohne Zweifel verdient gehabt. Schließlich handelt es sich bei dem Berliner Label um genau die Plattenfirma, die uns in den letzten Jahren Großtaten wie Masha Qrellas "Unsolved Remained" oder das letzte Werk von Tarwater bescherte und zudem durch Veröffentlichungen von Bands à la Lali Puna, American Analog Set, Ben Gibbard, Múm oder Ms. John Soda positiv aufgefallen ist. Dass mit Electric President und Contriva im Gebäude 9 zwei der besten Pferde im Stall aufgeboten wurden, half leider auch nur wenig. Doch der Reihe nach.
Den Anfang machen Electric President aus Florida, auf der Bühne vom Duo zum Trio plus zwei Laptops erweitert. Womit schon das Hauptproblem genannt ist: Die Amerikaner präsentieren sich weder als knöpfchendrehende Schlafzimmer-Produzenten noch als richtige Liveband. Optisch durchaus ansprechend (der monstermäßige Bassist Alex Kane tritt doch tatsächlich mit einer Drachenkapuze auf!) spielen sie sich durch die Nummern ihres zu Recht vielerorts nicht nur von The Postal Service-Freunden gelobten, selbstbetitelten Debütalbums und können damit zumindest anfangs durchaus gefallen. Leider haben sie nicht wirklich genug Charisma, um als erster Act des Abends rund eine Stunde auf der Bühne zu stehen.

Ganz anders Contriva: Dem Berliner Quartett - drei Jahre nach seiner hervorragenden LP "If You Had Stayed" endlich wieder aus der Versenkung aufgetaucht - im Gebäude 9 auf der Bühne zuzusehen und zuzuhören heißt, einer Lehrstunde in Sachen Effektivität und Können beizuwohnen. Ohne Schnörkel, ohne Show, aber deshalb keinesfalls auch ohne Emotionen zelebrieren Contriva ihre Musik und unterstreichen dabei einmal mehr, wie wunderschön und leichtfüßig instrumentale Popmusik doch sein kann - wenn sie denn gut gemacht ist. Im Waschzettel zu ihrem aktuellen dritten Album "Separate Chambers" steht geschrieben, dass man sich nach einem Contriva-Auftritt auch an das Austauschen der Blicke auf der Bühne erinnert. In Köln scheint es bisweilen fast so, als hätten die vier das inzwischen überhaupt nicht mehr nötig - sie verstehen sich praktisch blind. Das ist umso erstaunlicher, als Drummer Hannes Lehmann fehlt und kurzfristig (aber perfekt) von Jazzkatapultist Andi Haberl vertreten wird.

Contriva beginnen zwar geradezu verhalten mit - eine kleine Anspielung auf Electric President? - "Florida" aus ihrem ausgezeichneten neuen Album, einander zugewandt auf der Bühne stehend, scheinbar in sich versunken, doch schon bald zieht das Tempo an und zutage tritt das, was an anderer Stelle bereits treffend als die schlichte Herzlichkeit des Miteinanders bezeichnet wurde: Die vier Menschen betrachten ihre Band ganz offensichtlich nicht in erster Linie als potentielle Karriere, nein, sie stehen auf der Bühne, weil sie schlicht und ergreifend gerne gemeinsam Musik machen.

Das wussten wir natürlich schon vorher, überraschend dagegen ist die Erkenntnis, dass ausgerechnet eines der seltenen Gesangsstücke (dass die vier sich trotzdem fast während der gesamten Show hinter ihren Mikrofonständern verkriechen, dürfte nicht nur für Fotografen ein kleines Ärgernis gewesen sein) das Highlight der gesamten Veranstaltung ist: "Before" hat einfach alles: Eine sympathische Stimme, einen ultracoolen Peter Hook-Bass und clevere Stereolab'sche Poppigkeit. Der beste Beweis, dass Contriva nach zehn gemeinsamen Jahren immer noch besser werden! Masha Qrella, Rike Schuberty und Max Punktezahl vergessen aber auch die "I liked the old stuff better"-Fraktion nicht und springen gekonnt zwischen neuen und alten Songs hin und her. Allen gemein ist das Wissen, dass weniger oft mehr ist. Selbst in den epischsten Momenten, bei "Centipede" zum Beispiel, ist kein Ton verschwendet.

Am Ende sind dann auch alle im Saal glücklich, und das kleine, aber feine Publikum erklatscht sich gleich mehrere Zugaben. Die gibt es übrigens auch für alle Daheimgebliebenen: Im März gibt's einen Tourneenachschlag. Hingehen! Unbedingt!

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Surfempfehlung:
www.lok-musik.de/contriva/
www.myspace.com/contriva
www.radicalface.com
www.myspace.com/morrelectric
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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