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Der Samstag der Befreiung

Bernd Begemann und Die Befreiung

Tourtagebuch 2007 - Teil 1

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Bernd Begemann
Was für eine Idee! Zwölf Mal dieses Jahr Bernd Begemann im Kölner Blue Shell (und jeweils am Tag davor noch im Hamburger Kunst und tags darauf im Berliner Roten Salon) und trotzdem jedes Konzert ein Unikat! Jeden Monat wird der Hamburger Singer / Songwriter / Entertainer / Spaßvogel nämlich nicht nur seine ausgezeichnete Band Die Befreiung mitbringen, sondern auch noch je eines seiner vielen Alben spielen - komplett, von Anfang bis Ende! Gaesteliste.de wird von allen zwölf Veranstaltungen berichten.
13.01.2007 - "Rezession, Baby!"

Wer gedacht hatte, Begemann würde das Jahr vielleicht mit einer Platte beginnen, die seine Band eh schon fast komplett im Repertoire hat, oder vielleicht chronologisch mit dem ersten Album "Die Antwort" von 1987, sah sich getäuscht. Nein, es ging gleich los mit dem vielleicht besten, auf jeden Fall aber inhaltlich tiefgründigsten Album seines großen Oeuvres, "Rezession, Baby!". Eine Platte, vollgestopft mit Songtexten, die unglaublich treffend sind, auch wenn man das manchmal lieber nicht wahr haben würde. Und was war das für ein Abend! Wir haben an dieser Stelle schon über viele ausgezeichnete BB-Konzerte berichtet, aber das hier, das war die Mutter aller Begemann-Konzerte!

Gleich zu Beginn - wie das Album es vorsieht - "Hitler menschlich gesehen", mit Schlagzeuger Achim Erz an der zweiten Gitarre, gespielt praktisch im herrlichen Originalarrangement, leicht elektrisch verstärkt. Wow. "Mitleid mit den Dummen" - auch 13 Jahre später noch genauso treffend wie 1993 und mit Live-Schlagzeug statt Beatbox (Friede ihrer Asche) mit mehr HipHop-Flair als im Original! Die Klavierbegleitung von Kai Dohrenkamp bei "Deutsche Hymne ohne Refrain" - zum Weinen schön! Das zigmal bei Konzerten gewünschte und meistens abgelehnte "Eigentlich wollte ich nicht nach Hannover" war dann das heimliche Highlight: Mit einer sensationellen Pianofigur von Dohrenkamp und einem ungekannten Groove (Dank an die Rhythmusgruppe mit Achim Erz und Bassist Ben Schadow!) konnte man das Stück kaum wiedererkennen! Einzig der auch viel zu selten gespielte Wahnsinnssong "Meine Seele" gewann im neuen Bandarrangement im Vergleich mit der Soloversion von der Platte nicht wirklich. Bei "Christiane" tauchte dann am Ende des Songs der mitreißende Anfangsteil der Nummer wieder auf, aber kaum hatte man sich darüber zu Ende gefreut, gab's schon das bisher praktisch ungehörte "Buddy, nimm lieber den Bus (Ich bin auch nur ein Jonathan Richman Fan)", komplett mit dem in der Studioversion nur angedeuteten Medley aus Holly- und Richman-Songs am Ende. "Well... All Right"! "Roadrunner"! (Okay, und die Motown-Nummer "Money (That's What I Want)", warum auch immer!)

21 Songs ist das Album lang, aber Langeweile kam trotzdem in keiner Sekunde auf. Zumal sich nicht nur das Publikum 13 Jahre jünger fühlen durfte, sondern sich auch Begemann auf der Bühne gab wie anno 1993 - weniger klamaukig, stets auf den Punkt! In der Pause dann schnell noch diskutiert, ob nun "Ich wusste, dass es dich gibt" aus "Rezession, Baby!" oder "Wir werden tanzen" aus der "Rasenmäher"-LP das schönste Album-Schlussstück ist, Begemann kurz angehalten, um sich "My Generation" zu wünschen, und dann ging's auch schon weiter. Und zwar genauso gut, wie der erste Teil aufgehört hatte. Nach dem wuchtigen Beginn mit "Bist du bereit" (Wie freuen wir uns auf die Komplett-Aufführung des dazugehörigen Albums!) wurden massig Wünsche erfüllt (darunter Altbewährtes wie "Zweimal zweite Wahl" und "Oh, St. Pauli"), wobei auffiel, wie wenige der ganz albernen Songs an diesem Abend gespielt wurden - was natürlich zum Inhalt von "Rezession, Baby!" passte. Sogar "My Generation" wurde uns gegönnt, wenngleich "nur" von Begemann solo, lustigerweise ausgerechnet vor "Unsere Band ist am Ende". Mit "Wir werden tanzen" ging dann auch der zweite Teil mit einem letzten Höhepunkt zu Ende, aber nicht nur deshalb sind wir fast geneigt zu sagen: Besser geht's nimmer! Zumindest nicht bis zum Februar, wenn die zweite Runde ansteht!

10.02.2007 - "Endlich"

Es gibt Situationen, da mag man kaum mehr an Zufall glauben: Da unterhält man sich vor dem Konzert ausgerechnet mit dem Menschen, der vor fast 15 Jahren die Platten von Andreas Henning und dessen Band Die Time Twisters, Verdammt! auf seinem Label Viel Leicht in Kleinstauflage, nur auf Vinyl und mit handgemachten Covern, veröffentlichte (Begemann interpretierte Hennings "Porsche Girl" auf "Jetzt bist du in Talkshows"), kommt dabei fast zwangsläufig auf den vielleicht besten Song der Bielefelder Kultband, "Was weiß Yvonne?", und was macht Bernd kaum 90 Minuten später? Er steht auf der Bühne, kündigt die nächste Nummer als den "historisch letzten Song von Andreas Henning" an und spielt mit seiner Band doch tatsächlich eben jenes "Was weiß Yvonne?"! Wow!

Überhaupt war der Abend reich an Coverversionen. Bereits im ersten Teil, der eigentlich dem Album "Endlich" vorbehalten sein sollte, bat Bernd plötzlich eine Dame aus dem Publikum auf die Bühne, die dann gemeinsam mit der Band - und noch dazu überraschend perfekt! - "The Girl From Ipanema" zum Besten gab, "Oh, St. Pauli" mutierte zu Lulus "Shout", und am Ende des Abends intonierte Bernd noch "Ferry Cross The Mersey" und sogar ein paar Zeilen aus "Evelin" von der Nationalgalerie! Allerdings hatte es der Wunschteil der Show auch sonst in sich: Selten haben wir Bernd und die Befreiung einen besseren Start hinlegen sehen als mit "Eigentlich wollte ich nicht nach Hannover", an das sich - nahtlos übrigens! - eine ganz famose Version von "Unten am Hafen" anschloss. Und auch sonst ging es Schlag auf Schlag. Mit "Viel zu glücklich, um es lange zu bleiben", "Bist du dabei", "Fernsehen mit deiner Schwester" (ohne Klamauk, dafür mit einem ausgezeichneten Gitarrensolo!), "Christiane" und ganz zum Schluss "Bleib zuhause im Sommer" brannte Bernd ein wahres Hit-Feuerwerk ab, aber das heimliche Highlight blieb dennoch "Was weiß Yvonne?" (auch, oder gerade weil den dazugehörigen Tonträger vermutlich genau drei an diesem Abend im Blue Shell Anwesende besitzen, Bernd und den Labelmenschen bereits mitgerechnet).

Zuvor jedoch hatte Bernds 2003er Werk "Endlich" komplett auf dem Programm gestanden. Ein Album, bei dem die Form (es ist Bernds reinste Pop-LP seit dem Debüt "Die Antwort") bisweilen über dem Inhalt (echte Fan-Favoriten finden sich nur wenige auf der Platte) steht, aber genau dieser Umstand machte die Aufführung einigermaßen interessant. So gewann gleich der auf der Platte etwas klinisch klingende erste Song "Ich bin dann soweit" ungemein durch das Livearrangement der Band, die für diesen Abend übrigens um zwei Backingsänger erweitert worden war, und auch der Phil Spector-Beat von "Bis du den Richtigen triffst - nimm mich" kam live um einiges überzeugender herüber als in der Studioversion. Dass Bernd einmal mehr blendende Laune hatte, bewies er beim nächsten Stück, denn selbst als sich die Monitoranlage ausgerechnet mitten in "Ich kann dich nicht kriegen, Katrin" - dem Herzstück des Albums - in Rauch auflöste, ließ er sich nicht aus der Fassung bringen, sondern spielte den Song einfach noch einmal komplett. Ist doch auch etwas Schönes, die beste Nummer des Abends gleich anderthalb Mal zu hören zu bekommen! Klasse natürlich auch "Selten" (das ansonsten seinem Titel bei Begemann-Konzerten alle Ehre macht), schließlich ist das schon auf der LP die Nummer, die am ehesten mit Livecharakter zu begeistern weiß, bevor Bernd dann die letzte Nummer ("Wenn wir Glück haben") dem Paar widmete, auf dessen Hochzeit er die Nummer letztes Jahr auch gespielt hatte: "Ihr seid noch zusammen? Das ist ein gutes Zeichen!"

10.03.2007 - "Jetzt bist du in Talkshows"

Was waren das damals Hits! Rund vier Jahre lang tourte Bernd Begemann sein 1996er Mammutwerk mit zwei Dutzend Songs landauf, landab, trat mit der Single "Zweimal 2. Wahl" sogar bei Roger Willemsens damaliger Talkshow im ZDF auf, räumte mit seinem "Finsterwalde"-Monolog bei "Kein Glück im Osten" auf jedem seiner unzähligen Soloauftritte ab, ganz abgesehen davon, dass ihm das "Talkshows"-Album mit "Oh, St. Pauli", "Ute, vergiss das Jenseits" und "Ziegenbart" drei seiner lange Jahre meistgewünschten Lieder bescherte. Alles beste Voraussetzungen für einen rauschenden Abend im Blue Shell, doch leider wurde es die bisher langweiligste seiner insgesamt zwölf Shows dieses Jahr in Köln.

Schon vor dem Konzert hatte sich herumgesprochen, dass der Auftritt tags zuvor in Hamburg (auch) nur bedingt ein Glanzlicht gewesen war, und als die Band nach einem viel zu späten Soundcheck zum Essen wegschlich, sah keiner der Musiker wirklich entspannt oder gar zufrieden aus. Auch Bernd wirkte ungewohnt unkonzentriert bzw. musste sich wohl so sehr auf die Masse an selten gesungenen Texten konzentrieren (zumindest das gelang ihm mit Bravour!), dass für seine üblichen Entertainment-Einlagen kaum Raum blieb. Nun gut, das eigene Album - oder "das Werk, das wir heute auf uns wirken lassen", wie er es ausdrückte - im Hinblick auf die Seitenhiebe auf unsere ostdeutschen Mitbürger als "rassistisch" zu bezeichnen, das hatte schon was!

Los ging's recht flott mit einem 60s-Beat-Arrangement des Titelstücks, bei dem sich Ben Schadow zum ersten (aber nicht letzten Mal an diesem Abend) mit einem sehr sexy Basslauf als Könner empfahl. Dann "Bleib zuhause im Sommer" und "Oh St. Pauli" in gewohnter, bereits bei den ersten beiden Shows im Blue Shell bei den Zugaben gespielter Manier, mit "Ich frage mich, was es war" ein erstes Highlight: Klang die Rockversion auf der Platte immer etwas klinisch, ließ die Befreiung in Köln wirklich die Wände wackeln! Schön auch "Wenn der Sommer dich findet" mit seinen 60s-Mod-Pop-Avancen.

Das oft gewünschte (aber ebenso selten gespielte) "Ute" wurde schnellstmöglich (und gegen Ende trotz einiger feiner Drumfills von Achim Erz auch etwas wackelig) abgehakt, bevor dann mit "Bad Salzuflen weltweit" die größte Arrangement-technische Überraschung auf dem Programm stand: Die vier spielten die Nummer nämlich als waschechten Protest-Folksong mit Ben an der Mandoline! Eine feine Idee, die allerdings unter der etwas - je nach Sichtweise - über- bzw. unmotivierten Performance litt. "Kein Glück im Osten" mag textlich etwas überholt sein, dennoch ist die Nummer nicht kaputt zu kriegen.

Danach wurde das Warten auf das nächste Highlight etwas lang, immerhin stand irgendwann "Hans Meiser schickt mich" auf dem Programm, dargeboten ziemlich originalgetreu, nachdem die Band kurzfristig überlegt hatte, Meiser gegen "Jörg Pilawa" oder "Britt" auszutauschen. Richtig großartig dann die Bandversion von "Ziegenbart", wenngleich Band und Zuschauer zu diesem späten Zeitpunkt gleichermaßen die Pause herbeisehnten und der Song nicht so ausgewalzt wurde wie bei früheren Soloversionen üblich. Toll danach auch "An meinen Feind - zehn Jahre danach", bei dem in der Liveversion die 70s-The-Who-Anleihen des Originals noch viel stärker (und lauter!) herausgearbeitet wurden.

Klingt doch alles recht positiv, warum also das negative Statement zu Beginn? Nun ja, für jede gelungene Nummer gab es eine eher belanglose, und während die LP ohne die Bonustracks eine Laufzeit von rund einer Stunde hat, dauerte die Aufführung in Köln fast anderthalb Stunden. Das war selbst für einige eingefleischte Begemann-Fans etwas zu viel des Guten. Nach der obligatorischen Pause gab es sogar noch einen "Talkshows"-Nachschlag: Der erste Teil war nämlich mit "Ich bin der Typ, der immer zurückkehrt" zu Ende gegangen, also waren die vier noch die beiden Hiddentracks schuldig: "Die Nacht, die niemand haben wollte" stramm wie im Original, und danach das letzten Monat bereits angekündigte Andreas Henning-Cover "Porsche Girl", das durch seinen großartigen Text und ein fast schon parodistisches Schlagerarrangement im Gedächtnis blieb. Dann noch schnell ein paar Greatest Hits - das sich nicht nur ob Kai Dohrenkamps exzellenter Pianobegleitung inzwischen zu einem echten Dauerbrenner avancierte "Eigentlich wollte ich nicht nach Hannover", "Bis du den Richtigen triffst - nimm mich" oder "Unten am Hafen" - und der Abend hätte zu Ende sein können. Doch so müde und streckenweise fast lustlos, wie Bernd für weite Teile der Show auch gewirkt haben mag - irgendwann wollte er gar nicht mehr von der Bühne.

Zuerst bat er die Dame, die letzten Monat eine technische Panne schon mit ihrer Version von "The Girl From Ipanema" überbrückt hatte, Delphin nennt sie sich wohl, auf die Bühne, dieses Mal, um mit ihm eine Begemann-Nummer im Duett zu singen ("Irgendwie klappt es mit uns", von der aktuellen Platte "Ich werde sie finden"). Und selbst, als die Band der Nachbarn wegen nicht weiterspielen konnte, hängte Bernd noch eine Reihe Solonummern dran. Nach "Ego Shooter" und "Wenn wir Glück haben" war dann aber gegen 1.00 Uhr morgens Schluss. Leider litt aber auch die Zugabe etwas unter der Ziellosigkeit und der Konfusion, die schon im ersten Teil für einige Längen gesorgt hatten.

Die nächsten Alben, die auf dem Spielplan stehen, sind kürzer, und die Shows besser. Wetten?

14.04.2007 - "Unsere Liebe ist ein Aufstand"

Nach dem eher durchwachsenen Auftritt im März hatte Bernd eine Woche nach Ostern etwas gutzumachen - und das gelang ihm auch. Kunststück, stand doch mit "Unsere Liebe ist ein Aufstand" genau die LP auf dem Programm, die er mit seiner derzeitigen Begleitband eingespielt hatte - beste Voraussetzung also, um bei Biergartenwetter doch einige der Fans zu besänftigen, die letztes Mal ein wenig mit Bernd und den Seinen gelitten hatten. Und wie konnte das besser funktionieren als mit dem vielleicht besten Eröffnungstrio aller Begemann-Platten? Mit "Ich habe nichts erreicht außer dir", dem Titelstück der Platte und "Lebendig begraben" jedenfalls begann die Band explosiv wie sonst selten, und Bernd selbst schien auch von Beginn an seinen Spaß zu haben, obwohl er etwas mit dem Sound haderte. Dafür machte er den Damen hinter der Theke Komplimente (die diese übrigens völlig kalt ließen), erzählte von prägenden Leinwanderlebnissen mit Randolph Scott ("Es wird noch ein sehr schöner Tag werden") oder nahm vor "Seifenoper Situation" die Kölner Soap-Opera-Industrie auf die Schippe. Dabei konnte man fast vergessen, dass einige der Songs, die der großartigen Eröffnung folgten, musikalisch zwar recht interessant, textlich aber bisweilen ungewohnt flach waren. Immerhin gab's mit dem auf 80s-Power-Rockballade getrimmten "Wir träumen von Liebe" etwas zu schmunzeln und im zweiten Drittel mit "Wirklich kein toller Abschied" einen echten Lichtblick, bevor das erwartet großartige Ende anstand: "Es ist so wie du sagst" und natürlich "Unsere Band ist am Ende" ("Ein Tipp für alle Kreativen in Köln: Lasst es sein!"), das endlos ausgewalzt wurde, aber nicht nur ob der augenzwinkernden Attacken auf den zusätzlich engagierten "serbischen Freischärler" Thomas Hannes am Bass (der etatmäßige Bassist Ben Schadow durfte sich derweil wie auf dem Album an der Rickenbacker-Gitarre versuchen) und des Cocktailbar-Jazz-Outros ein Riesenspaß war. Überhaupt haben wir Bernd schon lange nicht mehr so oft ehrlich lachen hören. Das war nicht das zynische Grinsen an gezielten Stellen, das er sonst draufhat, das war spontan und von Herzen.

In der Pause verließ dann wirklich das gesamte Publikum das brütend heiße Blue Shell, um sich auf der Straße oder gegenüber im Stereo Wonderland etwas abzukühlen, bevor es dann drinnen nicht nur temperaturmäßig sommerlich weiterging. Auch musikalisch begrüßte Bernd offiziell die heiße Jahreszeit, mit - Überraschung! - "Wenn der Sommer dich findet", "Miss Juni" und der Zurschaustellung seiner Bikinifigur bei "Gut im Bett (leider nirgendwo sonst)". Danach wurde es kurz richtig erwachsen, das Lied von der "Firmenphilosophie" gab's nämlich im Doppelpack mit "Schluss mit dem Quatsch, jetzt wird Geld verdient", bevor als letzte Nummer vor den Zugaben noch eine ebenfalls sommerlich reggaefizierte Version von "Fernsehen mit deiner Schwester" anstand. Da war er also wieder, der alte Begemann, und die Vorstellung vom März, die war spätestens jetzt vergessen!

12.05.2007 - "1987"

Wenn zwei Typen Mitte 30, die - zumindest hinter vorgehaltener Hand - vermutlich von sich behaupten würden, Livemusik-technisch schon alles gesehen zu haben, eine halbe Stunde vor Konzertbeginn alleine (!) die erste Reihe bevölkern und ihnen allein der Blick auf die auf dem Bühnenboden vor ihnen liegende Setlist ein Lächeln aufs Gesicht zaubert, dann kann das nur eines heißen: Wir befinden uns im Blue Shell, es ist der 12. Mai 2007 und Bernd Begemann und die Befreiung sind gekommen, um das Album zu spielen, was einst schlicht "Die Antwort", später in der CD-Version dann "1987" und in Bälde in Reissue-Form "Unten am Hafen" heißen wird: Begemanns erste und für manche auch seine beste Platte. Und es wurde ein Konzert, bei dem man dabei gewesen sein muss. Zumindest fiel es uns bisher nie schwerer, die richtigen Worte für den "monatlichen Bernd" zu finden.

Im April war das Quartett noch zu fünft angerückt, um dem auf dem Spielplan stehenden Album auch live gerecht zu werden, dieses Mal kamen sie - gestärkt durch eine Überdosis "Born To Run" von Bruce Springsteen im Tourbus - nur zu dritt. Schließlich war Die Antwort vor zwanzig Jahren in Power-Trio-Besetzung unterwegs, und deshalb durfte Tastenmann Kai Dohrenkamp an diesem Abend pausieren. Das freute offensichtlich vor allem Drummer Achim Erz, der dieses Mal ungleich mehr Platz auf der Bühne hatte (den Aufbau im kommenden Monat müssten die Musiker unter sich ausmachen, bemerkte Bernd, die Band hieße nicht umsonst BERND BEGEMANN und Die Befreiung!) und sich auch bei den Ansagen mehr Freiheiten als sonst nahm.

Gespielt wurde das Album übrigens mit dem Tracklisting von "1987", also ging's gleich mit einem damals eigentlich nur als B-Seite veröffentlichten Knüller los: "Warum kommst du nicht zu mir rüber", das gleich alle Hoffnungen erfüllte: Die doch arg auf Pop getrimmte Produktion des Originals fiel völlig dem 60s-Beat der Befreiung zum Opfer - genau so, wie wir uns das gewünscht hatten. Das machte selbst aus Nummern, die man nun wirklich nicht als Highlights auf dem Schirm haben konnte, kleine Glanzlichter. Das fulminante Ende von "Lass mich nicht so einfach gehen" zum Beispiel war wahrlich beeindruckend. Zu groß dann wohl die Erwartungen bei "Katrins Gesicht". Zwar ist die Nummer ganz ohne Frage eine der zehn besten, die Bernd je fabriziert hat, und in den leider zuletzt selten gewordenen Soloversionen immer ein Showstopper, doch diese Bandversion konnte leider nicht mithalten. Vielleicht waren es die Backing Vocals (beim Rest des Abends ansonsten ganz vorzüglich!), vielleicht die kleinen zusätzlichen Gimmicks - jedenfalls fehlte dem Song genau der Drive, der aus einem Lied mit einem feinen Text eigentlich einen perfekten Popsong macht.

Apropos perfekter Popsong: "Unten am Hafen", heute kaum noch wegzudenken aus dem Begemann'schen Live-Repertoire, floppte damals als Single. Bernds Kommentar heute: "Da dachte ich mir, ich spiele die Nummer einfach 5 000 Mal, und irgendwann wird dann ein Volkslied daraus. Hat ja auch geklappt!" Wie wahr, wie wahr! "Pläne mit dir" hätte danach eigentlich Ben Schadow singen müssen - den Gesang beim Original übernahm damals Bassist Thomas Kosinar -, doch Bernd machte es lieber selbst, und das so bravourös, dass wir uns das Lied ganz sicher in einem der Zugabenblocks bei den weiteren Konzerten noch einmal wünschen würden.

Wie gemacht für die Befreiung auch "Gibt es einen guten Grund" - mehr kann man dazu eigentlich nicht sagen. Für "Der brennende Junge" galt im Anschluss ähnliches wie für "Katrins Gesicht": Vielleicht waren unsere Erwartungen einfach zu hoch, vielleicht wollte die Band auch zu viel, vielleicht gibt es aber einfach auch einen guten Grund (!), warum Bernd auch diese Nummer sonst nicht mehr spielt. Jedenfalls klang auch der zweitbeste Song des Originalalbums nur wenig überzeugend. Danach ließ sich Bernd leider dazu hinreißen, einen Song auszulassen. "Bist du mein Freund" wurde nicht nur übergangen, Bernd verband die Erklärung auch mit ungewohnt scharfen Kommentaren zum früheren Die Antwort-Drummer Matthias Strzoda, der das Original gesungen hatte. "Ich habe die Nummer immer gehasst", meinte Bernd - dabei hat er zumindest den Text mitverfasst.

Um das Publikum zu entschädigen (und weil Grand Prix-Nacht war), gab's als Ersatz allerdings eine witzige Spontancoverversion von "17 Jahr, blondes Haar" und einige haarsträubende Anekdoten zu Udo Jürgens und Achims Erdkundelehrer. Dem Album entsprechend war das letzte Drittel nicht ganz so überragend wie vieles zuvor, interessant aber, dass Bernd "Wer hätte das gedacht" dazu nutzte, abermals über Matthias Strzoda herzuziehen. Die Nummer sei nun viel besser, weil "sein Lieblingsschlagzeuger Achim Erz" sie spielen würde und nicht der Drummer, der bei ihm Sodbrennen auslöse...

Dass die Platte gegen Ende etwas dahinplätschert, mag auch Bernd aufgefallen sein, jedenfalls hängte die Band flugs noch die CD-Bonustracks dran, zuerst eine der wenigen Begemann Band-Nummern, die praktisch ohne Gitarre auskommen, "Das hässliche Gesicht der Liebe", dann das zu einem heimlichen Lieblingslied vieler Begemann-Freunde avancierte "Simon de Beauvoir's Geliebter" (vielleicht die Nummer, die live dem Pop-Sound der Platte am nächsten von allen 16 Songs kam) und zum Schluss noch einmal "Unten am Hafen". Schließlich ist die Nummer in der "Live-Party-Version" auf der CD das Schlussstück. Wobei "Live Party" im Gegensatz zur ersten Version 45 Minuten vorher vor allem bedeutete, dass sich Bernd das Singen größtenteils schenkte und Ben und Achim den Song mit einer wilden (aber gelungenen) Bass-Schlagzeug-Jam ausklingen ließen.

Wie gesagt, der Abend war nicht einfach in Worte zu fassen. Sicherlich war nicht alles Gold, was glänzte, aber die besten Momente des ersten Teils waren ganz klar die absoluten Highlights der bisher fünf Konzerte. Und es gab ja noch die Zugabe, die Bernd und Co. natürlich auch zu dritt bestreiten mussten!

Doch nach der Pause zeigte sich schnell, dass Bernd, Achim und Ben auch bei den Liedern neueren Datums durchaus in der Lage waren, die Abwesenheit ihres Tastenmannes locker zu kompensieren. "Unsere Liebe ist ein Aufstand" hat kaum je besser und mitreißender geklungen, und auch "Viel zu glücklich, um es lange zu bleiben" gewann durch den zusätzlichen Schuss R.O.C.K. nur dazu. Auch im zweiten Teil erstrahlten gleich mehrere Die Antwort-Nummern in neuem Glanz. Wie schon im Vormonat stand wieder "Was macht Miss Juni im Dezember" auf dem Programm, und ohne all den fehlgeleiteten Pop-Ballast der Albumversion, dafür schön krachig-rockig mit Power-Trio-Energie war der Song eines der (vielen) Highlights des Abends.

Völlig unerwartet dagegen "Runter in den Keller (und reiß dich zusammen)" aus dem Album "Hier", das Bernd seinen Musikern nach Zuruf aus dem Publikum schnell auf der Bühne beibrachte. Sein lakonischer Kommentar dazu: "Das müssen wir eh bald lernen, dann können wir es auch jetzt tun!" Und weil das 15 Jahre alte Lied eh schon immer stark wie "Wild Thing" von den Troggs klang, gab es eben jene klassische Coverversion gleich hinterher - übrigens mit mehr Feedbackgeheul, als man Bernd zugetraut hätte. Auch die Ansagen machten im zweiten Teil genauso viel Spaß wie im ersten. "Ich habe zwei signifikante Fragen: Seid ihr bereit für eine Rock N Roll-Party und, nicht weniger signifikant: 'Bist du dabei?'" Die für diese Triobesetzung wohl bestmögliche Nummer aus dem "Rasenmäher"-Album gab's also auch noch zu hören, und selbst echte Raritäten wie "Wir werden uns umsehen" (aus "Sag Hallo zur Hölle") wurden ausgegraben. Irgendwann fügte Bernd seinem Mantra-mäßigen "Macht Lärm" noch spitz ein "Für Düsseldorf hätte das gereicht, macht mal richtig Lärm" hinzu. Wir waren begeistert!

09.06.2007 - "#1"

"Wir spielen heute folgendes Werk, das ihr nicht kennt, da es vergriffen ist", sagte Bernd zu Beginn des Konzerts und hielt das Cover des "#1"-Albums hoch, das vermutlich nicht wenige Zuschauer im Saal in diesem Moment zum allerersten Mal sahen. Doch genau das machte den besonderen Reiz des Abends aus. Zum ersten Mal stand nämlich mit dem zweiten Album von Die Antwort eine Platte auf dem Programm, aus der man bis auf einen einzigen Song sonst nie etwas bei den "normalen" Begemann-Konzerten zu hören bekommt.

Doch auch wenn die LP aus dem Jahre 1991 sicherlich kein Klassiker ist, war das, was die Befreiung an diesem Samstag in Köln daraus machte, einigermaßen beachtlich. So wurde aus einem Abend, der ziemlich langweilig hätte sein können, ein unerwartet kurzweiliges Vergnügen. Gleich der Opener "Morgen tut es dir leid" war nach drei Takten schon besser als das ganze Album in seiner Studiofassung, und vor allem gegen Ende des Songs war das stumpfe Rocksong-Feeling des Originals, für das vermutlich Produzent und Gitarrist Karl Allaut verantwortlich zeichnete, vollkommen gegen den typischen Befreiungs-Beat ausgetauscht. "Zeit an Gott zu denken" dagegen erinnerte uns auch in der Liveversion daran, dass es sich beim Original um eine so genannte Muckerplatte handelt: Den abgedröhnten Psychedelik-Einschlag und das Bass-Solo gab's nämlich gratis dazu. Treffenderweise durfte danach Kai seine Matte in den ob der tropischen Temperaturen bereitgestellten Ventilator halten - Tina Turner und Def Leppard ließen grüßen. Mit "So bin ich" präsentierte sich das Highlight des Albums auch in Köln als echter Höhepunkt, angefangen vom Seitenhieb auf Clara Drechsler, die damals das Album negativ rezensierte ("Sie muss jetzt diese Scheiß-Popsachen übersetzen"), über das Orgel-Solo bis hin zum Singalong gegen Ende. Interessant allerdings, wie Begemann-untypisch die Nummer trotz des runderneuerten Arrangements immer noch klang.

"Das ist Liebe" gefiel mit einem netten Grummelbass und willkommenem Beatband-Feeling. Wie der Song zu den darauf folgenden Reminiszenzen an die alte Heimat passte, wurde nicht ganz klar, aber mit typisch ostwestfälischen Sprüchen wie "Er ist Musiker, aber sie trinkt auch" oder "Bad Oeynhausen? Da ist das Herzzentrum, da kommst du hin, wenn die Kur in Bad Salzuflen nicht gegriffen hat" verbreitete Bernd viel Heiterkeit im Publikum. "Sie haben alles verkauft" kündigte er dann als waschechten Protestsong an, der ziemlich jazzy und etwas zu verkopft daherkam. Es kam wohl nicht von ungefähr, dass sich Bernd für diesen Song erst einmal bei seinen Musikern nach der Tonart erkundigen musste. "Was ist zu tun" wartete mit Handclaps, Mundharmonika und 1A-Chören auf und hatte trotz der ungewöhnlichen Instrumentierung dennoch am ehesten musikalische Tuchfühlung mit Begemanns späteren Werken. "Durch die Adern meiner Haut" war im Anschluss urtypischer Deutschrock Marke Udo Lindenberg - dass Karl Allaut damals nicht nur mit Die Antwort, sondern auch für eben jenen Schlapphutträger aktiv war, dürfte kein Zufall gewesen sein. Die sehr straighte Rockgitarre und das feine Honky-Tonk-Piano machten den Song live aber einigermaßen erträglich.

Der "Hit" der LP, der damals sogar vom WDR gespielt wurde, fiel live vergleichsweise flach aus: "Meine Jahre mit Elisabeth Taylor" jedenfalls blieb nicht besonders in Erinnerung. Aus der kann man guten Gewissens auch "Wie kann man sie lieben?" streichen, das eher unangenehm als gewöhnlicher Muckerrocksong auffiel. "Eine einfache Lösung" dagegen kam sympathisch bluesy mit einem schönen E-Piano daher, witzig auch der komplett versägte Abgang. "Wir wollen nicht, dass es je aufhört", erklärte Bernd den verpatzten Schluss, bei dem die vier Musiker offenbar Probleme hatten, sich auf ein Ende zu einigen. Mit "Ungetröstet" folgte ein weiterer der rar gesäten Lichtblicke auf der Platte, in Köln wurde der Song langsamer als auf dem Album gespielt, der hier und da leicht an The Cure erinnernde Sound das Stücks blieb dennoch erhalten. Darauf folgte eine echte Rarität: Das einzige Instrumentalstück, die einzige Coverversion, der einzige Song mit vertauschten Rollen: Ben durfte für den Beatles-Song "Cry For A Shadow" (ein lange vergessenes Lennon-Harrison-Machwerk aus Hamburger Anfangstagen) die Leadgitarre spielen, Bernd wechselte dafür an den Bass. Das Ergebnis klang ziemlich authentisch und verdiente sich deshalb das Prädikat "Highlight!" "Mitleid mit den Dummen" fiel danach dem heißen Wetter zum Opfer - immerhin hatten wir die Neubearbeitung ja bereits im Rahmen des "Rezession, Baby"-Albums im Januar gehört. Zum Schluss dann noch der einzige Song, der es in die Begemann'sche Neuzeit geschafft hat: "Judith mach deinen Abschluss", bei dem Bernd aufs Gitarrespielen völlig verzichtete und uns dafür lieber etwas vortanzte.

Wie gesagt: Kurzweilig war der erste Teil, vermutlich gerade deshalb, weil es so viel Neues zu entdecken gab. Aber auch die zweite Hälfte nach der Pause hielt eine ganze Reihe Überraschungen bereit: Gleich zu Beginn gab's nämlich eine brandneue Nummer namens "Die neuen Mädchen sind da", die geschickt alle Stärken der Befreiung in den Vordergrund stellte und zudem noch einen sehr typischen Begemann-Text hatte. Danach spielten Bernd und Co. zwar auch eine ganze Reihe Standards, aber alleine dadurch, dass "Hannover" nicht den zweiten Teil eröffnete oder "Tanzen" nicht am Ende des Programms stand, durfte man jederzeit das Gefühl haben, dass dies ein besonderer Abend war. Auch das von uns an dieser Stelle einen Monat zuvor noch gescholtene "Der brennende Junge" klang zu viert um Klassen besser, und kurz vor dem Ende wollte Bernd seinem Publikum noch beweisen, dass seine ausgezeichnete Band wirklich jeden x-beliebigen Song spielen kann, und stimmte spontan das grandiose "Walk Away Renee" an. Leider sah sich seine Band - etwas zur Verwunderung ihres Chefs - nicht in der Lage einzusteigen, aber auch die Soloversion war genau der richtige krönende Abschluss für ein Konzert, das praktisch permanent überraschen konnte - und das stets im positiven Sinne.

Im Juli steht übrigens das ebenfalls lange vergessene Album "Hier" von Die Antwort aus dem Jahre 1992 auf dem Programm. Es wird also ein Abend mit ähnlichen Vorzeichen werden!

14.07.2007 - "Hier"

"Herzlich willkommen bei 'Schwitzen 2007'", begrüßte Bernd das zahlenmäßig ob der sommerlichen Temperaturen recht überschaubare Publikum in Köln an diesem Abend. Dass sich nicht so viele Fans wie sonst im Blue Shell eingefunden hatten, war dagegen nicht weiter schlimm, denn diesen Monat stand "Hier", die dritte LP von Die Antwort, auf dem Programm. Ein Album, das besser eine EP geworden wäre. Nachdem mit "Romantischer Narr", "Ich komme, um zu kündigen" und dem in den letzten Monaten zu Recht zum Dauerbrenner avancierten "Was macht Miss Juni im Dezember" die drei besten Songs bereits nach weniger als zehn Minuten aus dem Weg geräumt waren und Bernd sich nach nur drei Songs bereits seines Sakkos entledigt hatte, konnte man der Band beim Spielen der weiteren Stücke eine gewisse Lustlosigkeit deutlich anmerken.

Bei "Zweimal" konnten immerhin die kompetenten Chöre gefallen, aber ansonsten wurden (zu) viele Songs (zu) nah am Originalarrangement gespielt, um das Karl-Allaut'sche Muckertum wegzublasen, das die Platte zum vielleicht einzigen Totalausfall im wahrlich großen Begemann-Oeuvre macht. Lediglich "Ich kenne dich jetzt" konnte mit ein paar feinen "Uhhhus" und einem geschickt auf Riff und Beat orientierten Arrangement ein wenig frischen Wind in den Abend bringen. Danach hatten Bernd und die Seinen dann ein Einsehen (auch wenn sie dafür das Konzept der Veranstaltung mit Füßen traten) und ließen gleich zwei Nummern einfach weg. "Es sei besser so", ließ Bernd uns wissen. Wir glaubten ihm das gerne.

Dafür zeigte sich Bernd, der übrigens dieses Jahr noch nicht besser ausgesehen hatte, zwischen den Songs von seiner charmantesten Seite: Er stellte nicht nur fest, dass die Musiker von Die Anwtort damals nicht so "süß" gewesen seien wie seine derzeitigen Mitstreiter, er wagte sich sogar mitten ins Publikum, um mit einer Dame vor der Bühne die veränderte Reihenfolge des "Hier"-Albums auf dem Mitt-90er-Reissue "Eine einfache Lösung" zu diskutieren ("Das haben wir nur gemacht, um die zu verwirren", war sein Kommentar), oder machte einen kleinen Abstecher zu Tina Turners "Private Dancer" - ob des einmal mehr auf vollen Touren laufenden Ventilators auf der Bühne...

Wie schon im Vormonat durfte Bassist Ben auch dieses Mal wieder beim Instrumental des Abends die Leadgitarre übernehmen, während sich Bernd mit dem Bass am Bühnenrand versteckte. "Bäng Bäng" hieß die von Karl Allaut alleine verfasste Nummer, die durch eine eingebaute Coverversion des 50er-Jahre-Songs "Sleepwalking" (damals eine Antwort-B-Seite) wenigstens ein kleines bisschen aufgewertet wurde. Nach dem durch ...But Alive zu Coverehren gekommenen "Setz dich hin, lass dich gehen" sagte Bernd: "Das nächste Lied hätte ich damals besser auch nicht aufnehmen sollen, aber wir haben ja schon zwei weggelassen". Also blieb "Detlef spricht sich aus" im Programm, bzw. das, was davon übrig war, denn nach einem Fehlstart, weil Bernd die erste Strophe nicht einfallen wollte, war auch der Rest ein ziemliches (wenngleich amüsantes) Text-Gemetzel. Immerhin zeigte das Publikum beim Mitmachpart einigermaßen Enthusiasmus und wusste sogar, was zu tun war, als Bernd erbat, es müsse "Jimmy Somerville-esker" klingen...

Versöhnlich dann zum Schluss das vor einigen Monaten bereits einmal spontan ausprobierte "Runter in den Keller", bei dem sich Drummer Achim so richtig gehen lassen konnte und Bernd plötzlich gar nicht mehr aufhören wollte. Deshalb gab's dann ganz zum Schluss auch noch eine kleine Hommage an die hörbar größte Inspiration für diese Nummer, "Wild Thing" von den Troggs! Sehr laut, aber auch ziemlich cool.

Dass die Band nach diesem Pflichtprogramm im ersten Teil nach der Pause einiges aufzuholen hatte, war zum Glück auch den vier Herren auf der Bühne bewusst, und obwohl die Kür dieses Mal mit rund 45 Minuten recht knapp ausfiel, stimmte das strikt auf Best Of-getrimmte zweite Set doch versöhnlich. Los ging's mit "Selten", dem heimlichen Highlight von "Endlich", gleich darauf folgte das herrliche "Wer hätte das gedacht" und, weil wir gerade im Jahre 1987 weilten, als dritte Nummer des Sets bereits "Unten am Hafen"! Mit "Hübscher als sonst" gab es einen kleinen Vorgeschmack auf den September, wenn Begemanns Meisterwerk "Solange die Rasenmäher singen" komplett gespielt werden wird, und auch der Publikumswunsch "Lebendig begraben" (Bernd: "Das bringt alle gut drauf"!) wurde selbstverständlich erfüllt, und sogar "Ich werde sie finden" wurde, wie Bernd ausdrücklich unterstrich, "auf einfachen Wunsch" dargeboten. Eine feine Mischung aus Greatest Hits und unterbewerteten Raritäten also, die mit dem immer wieder gerne gehörten "Fernsehen mit deiner Schwester" ihren Höhepunkt fand. So war es letzten Endes doch noch ein recht kurzweiliger Abend, auch wenn das "Hier"-Material nicht besonders viel dazu beigetragen hatte.


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www.bernd-begemann.de
www.myspace.com/berndbegemann
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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