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Konzert-Bericht
 
Kaminfeuermusik

Keshav
Sænder

Köln, Stereo Wonderland
08.03.2007
Keshav
Dass wir es an diesem Abend im gut gefüllten Stereo Wonderland mit viel Understatement zu tun bekommen würden, ließ bereits die Art der Ankündigung der beiden Liveacts erahnen: "Keshav und Holger - Gemeinsames Konzert der Sänger von Timid Tiger und Pale". Nicht mehr, aber ganz sicher auch nicht weniger. Letzterer musste zwar leider kurzfristig absagen, dennoch war der Abend alles andere als eine halbe Sache. Im Gegenteil: Fast könnte man den Titel der letzten Pale-Single als Entschuldigung für Holgers Fernbleiben zweckentfremden: "I Am Sorry (You Are Not)"!
Sænder
Mit Sænder gab's zudem Ersatz auf der Supportposition. Er eröffnete sein Programm mit einer kleinen soundtechnischen Hommage an Niels Frevert, was zwar nur zwei Menschen im Stereo auffiel, aber trotzdem ein netter Einstieg in den Abend war. Leider zeigte sich schnell, dass das Publikum ausschließlich wegen Keshav gekommen war, und so tat sich Sænder etwas schwer, obwohl er mit der Single seiner alten Band Szenejunkies ("Wieder am Start") gleich eine seiner besten und eingängigsten Nummern an den Anfang gestellt hatte. Auf die Beats aus der Steckdose, die sonst für gewöhnlich viele seiner Nummern begleiten, verzichtete er an diesem Abend abgesehen von einer Ausnahme völlig. Mehr noch, er probierte sogar einige brandneue Nummern aus. Zur Hälfte der Show spielte er dann ein bisher unbetiteltes Semi-Instrumental-Stück, das angenehm dadurch auffiel, dass es gekonnt mit Power-Pop-Anleihen von fast Who'schem Ausmaß kokettierte, die so in der Studioversion gar nicht vorkommen.

Im Mittelpunkt standen dennoch die Singer / Songwriter-Pop-orientierten Songs, die man von jemandem erwarten darf, der sich alleine mit seiner Stromgitarre auf die Bühne stellt und als musikalische Vorbilder unter anderem Richard Ashcroft und den eingangs bereits erwähnten Niels Frevert nennt. Ganz zum Schluss bat er dann allerdings noch - via mitgebrachtem Walkman - seine "Band" für die Nummer "Glücklich" auf die Bühne, die sich in den letzten Monaten von einem kleinen Experiment zum geradezu ohrwurmverdächtigen Highlight seiner Auftritte gemausert hat. Plötzlich hatte er dann auch die Aufmerksamkeit des Publikums auf seiner Seite, wenn auch leider etwas zu spät.

Keshav
Nach einer kurzen Pause, in der uns die Musik Brittas daran erinnerte, dass später am Abend noch Jona auflegen würde, war es also Zeit für den kurzen Soloauftritt von Keshav, wobei solo nicht ganz richtig ist, denn der introvertierte Mann im Oldskool-Anzug hatte sich kompetente Verstärkung an Gitarre, Tasten und Fuß-Tamburin mitgebracht. Ein wenig erinnerte das - der Anzug mit Weste, der songschreibende, singende Rhythmusgitarrist, der mit seinen punktgenauen Soli manchmal fast die Show stehlende Multiinstrumentalist im Hintergrund - an Pelle Carlberg. Musikalisch allerdings setzte Keshav bei seinem Unplugged-Programm mehr auf Folk denn auf mitsingfreundlichen Pop. Gleich bei der ersten Nummer bediente er sich nicht nur musikalisch, sondern auch, was seinen Vortragsstil anging, bei Bob Dylan, kramte zur Überraschung vieler sogar einen lange vergessenen Song der Timid Tiger-Frühphase hervor ("Katie" hieß er wohl), der an diesem Abend akustisch in neuem Glanz erstrahlte.

Dankenswerterweise gab es aber nicht nur Singer / Songwriter-Umsetzungen von Timid Tiger-Nummern ("Kelly" als Zugabe war der einzige echte Tiefpunkt des Abends), sondern auch nette Einwürfe wie die The Shins-Coverversion von "New Slang". Natürlich ist das so unfassbar relaxte Original nicht zu übertreffen, aber das breite Grinsen auf Keshavs Gesicht, als er zu DEN Zeilen kam, als wollte er sagen: "Das muss man einfach mal gesungen haben", war ein echtes Highlight einer ansonsten charmant wackeligen Version. Ebenso charmant auch der Versuch, bei "Curious" dem Simon & Garfunkel'schen Harmoniegesang Konkurrenz zu machen. Hat nicht funktioniert, sorgte aber trotzdem für viel Heiterkeit vor und auf der Bühne. Danach lobte Keshav Freigetränke für diejenigen aus, die die folgende Coverversion zuerst erkennen würden, und sah sich kurz darauf genötigt, gleich eine Handvoll Drinks zu spendieren, weil seine Songwahl etwas zu offensichtlich ausgefallen war: "First Day Of My Life" von Bright Eyes nämlich, übrigens um einiges überzeugender dargeboten als "New Slang", und sei es nur, weil sich Keshav mit diesem Song wieder auf dem eingangs bereits erwähnten dylanesken Terrain befand - die Parallelen zwischen der BE-Nummer und "Don't Think Twice, It's All Right" sind bekanntlich unüberhörbar.

Am Ende gab's dann mit einem Ausflug nach Transsylvanien auch bei Keshav noch einmal richtig Bandfeeling, wenngleich dafür zwei Anläufe benötigt wurden, weil der Mann an den Tasten mit der Technik zu kämpfen hatte. Dennoch gelang der Spagat zwischen Keshavs akustischen Songwriter-Ambitionen und dem typisch zeitgeistigen Electronica-Sound Timid Tigers hier besser als bei praktisch sämtlichen Songs des ersten TT-Albums. Wenn das der Maßstab für die kommende Platte sein sollte, dürfte das Finden eines neuen Bassisten wirklich ein größeres Problem darstellen als die Suche nach tollen Songs. So war es denn ein Auftritt, der das "Pausenbild", das derzeit die offizielle TT-Heimseite ziert, perfekt vertonte: Das Kaminfeuer und den Schaukelstuhl gab's im Stereo zwar nicht, aber die passende Musik dazu.

Surfempfehlung:
www.timidtiger.com
www.myspace.com/timidtiger
www.myspace.com/senderpop
Text: -Simon Mahler-
Fotos: -Simon Mahler-


 
 

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