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Konzert-Bericht
 
Zu viele Musiker, zu wenig Magie

The Shins

Köln, Live Music Hall
03.04.2007
The Shins
Ein schönes Konzert war das auf jeden Fall, was dem Publikum in der ausverkauften Live Music Hall an diesem Dienstag vor Ostern geboten wurde, doch war es auch ein The Shins-Konzert? Nein, denn auch wenn die umjubelte Band aus Portland, Oregon, an diesem Abend auf der Bühne stand und sämtliche Hits ihrer drei ausgezeichneten Alben zum Besten gab - die Band, wie wir spätestens mit der zweiten LP "Chutes Too Narrow" vor vier Jahren kennen und lieben lernten, war das nicht mehr. Was an die "alten" Shins erinnerte, war die linkische Art, mit dem Publikum zu kommunizieren (abgesehen davon, dass sich die Bandmitglieder als Fans des Sonic Ballroom outeten, gab es allerdings nur Floskeln zu hören), und die bisweilen etwas übertrieben zur Schau gestellte Weigerung, auch nur ansatzweise so etwas wie eine Show zu bieten. Ein schwarzer Vorhang, eine dezente, aber effektive Lightshow, die Musiker und ihre Songs - das musste reichen. Und das hatte ja auf der "Chutes Too Narrow"-Tournee auch gereicht, als die Band in kleinem Rahmen ihre so wunderbar relaxten, intimen Songs zelebriert hatte und dabei ihr Publikum von einer Verzückung in die nächste hatte fallen lassen.
Davon war in Köln leider nur noch wenig zu spüren. Sicher, das lag mit an der Halle, in der nicht nur ob des gruseligen Sounds einfach keine Atmosphäre aufkommen konnte, aber es lag vor allem auch an der Band. Die hatte sich in den Kopf gesetzt, den Abend mit einer Reihe Titel vom aktuellen Album "Wincing The Night Away" zu eröffnen, und genau diese Songs verpufften in Köln wirkungslos. Erst "Kissing The Lipless" hatte nach gut 20 Minuten die Explosivität, die man sich ob der Größe der Halle (und Bühne) von Anfang an gewünscht hätte. Das bemerkte wohl auch die Musiker und begingen im Anschluss einen folgenschweren Fehler: Um den dringend nötigen Schwung ins Programm zu bringen, hatten sie ausgerechnet zwei ihrer entspanntesten (und gerade deshalb so wunderbaren) Songs umarrangiert: Durch "Girl Inform Me" jagten sie in einem Höllentempo, und "New Slang" gab's mit Stromgitarre, die sich als echter Stimmungskiller erwies. Wie konnte das sein, dass The Shins soeben zwei der schönsten Indiepop-Hymnen der letzten zehn Jahre gespielt hatten und nichts davon hängen blieb?

Doch das war nicht das Einzige, was unverständlich blieb an diesem Abend. Warum, bitte schön, wurden die in praktisch jedem Review so explizit erwähnten Harmonien, die auf der letzten Tournee noch von der Band ohne Fehl und Tadel beigesteuert wurden, dieses Mal ausgerechnet vom gemieteten Personal (sprich: dem zusätzlichen Tourgitarristen und der für einige Nummern zurück auf die Bühne gebetenen Sängerin des eher unspektakulären Supports, den White Stripes-Epigonen Viva Voce) übernommen? War es wirklich nötig, damit den Fokus noch mehr auf Frontman James Mercer - an anderer Stelle nicht ganz unzutreffend beschrieben als "Mischung aus Kevin Spacey und einem frustrierten 40-jährigen Bankangestellten" - zu richten, der offensichtlich nicht der Typ Musiker ist, der sich gerne im Rampenlicht sonnt?

Es dauerte lange, sehr lange, bis nach "Kissing The Lipless" das zweite unbestrittene Highlight auf dem Programm stand: Die erste Zugabe "Caring Is Creepy" war es, akustisch, mit Mundharmonika, und plötzlich war sie da, die alte Shins-Magie. Leider blieb sie nur rund drei Minuten. Gleich für die folgende Nummer wurden nämlich wieder die Stromgitarren angeschlossen, wobei der Song, der auf dem Programm stand, das durchaus vertrug: "Someone To Care About" von den Modern Lovers nämlich, dargeboten nah am Original, als wollten die Musiker auf der Bühne sagen: Hört her, das ist der Sound, den wir jetzt mögen, deshalb konnten wir unsere alten Sachen nicht mehr so spielen, wie ihr sie kennt und liebt. Das Ironische dabei ist natürlich, dass Jonathan Richman die Modern Lovers einst nicht zuletzt deshalb auflöste, weil sie zu laut waren, um seine intimen Songperlen richtig spielen zu können.

The Shins unplugged in einem kleinen Club könnten vermutlich auch 2007 eine Offenbarung sein, als lautes Quintett bzw. Sextett in der Live Music Hall waren sie lediglich eine zumeist solide, manchmal gute Band, die den Beweis schuldig blieb, warum sie überall als Ausnahmeerscheinung gepriesen wird. Schade, sehr schade sogar.

Surfempfehlung:
www.theshins.com
www.subpop.com/artists/the_shins
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Pressefreigabe-


 
 

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