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Konzert-Bericht
 
"Thank you, you good people of Cologne!"

Idlewild

Köln, Prime Club
23.04.2007
Idlewild
Viel ist in letzter Zeit über die Veränderungen bei Idlewild gesprochen worden: Die Abkehr von der langjährigen Plattenfirma, die Soloprojekte der beiden Galionsfiguren Woomble und Jones, der abermals neue Bassist, die Rückkehr zum direkteren Sound der "100 Broken Windows"-Phase auf dem aktuellen Album "Make Another World". Gespannt warteten wir deshalb auf den Auftakt der diesjährigen Deutschlandtournee des schottischen Quintetts, nur, um nach dem Konzert im Prime Club festzustellen: Irgendwie ist doch alles beim Alten geblieben.
Wie immer wurde die Tournee von Gaesteliste.de präsentiert, wie immer war das Zuschaueraufkommen minimal, wie immer präsentierten sich Idlewild als eine der sympathischsten Bands überhaupt, wie immer spielten sie ein wunderbares Konzert. Noch dazu ein ziemlich überraschendes, denn wie uns Sänger Roddy Woomble nach der Show verriet, sind die Schotten derzeit bemüht, ihre Setlist allabendlich möglicht stark zu variieren. Für den Auftritt in Köln bedeutete das, dass sie mit einem betont rockigen Greatest Hits-Feuerwerk, das zunächst fast ausschließlich aus Singleauskopplungen bestand, loslegten und sich eine ganze Reihe eher unbekannter Songs für die zweite Hälfte des Konzerts aufgehoben hatten.

Schon vor der Show hatte uns das Bandpersonal darauf hingewiesen, dass es keinesfalls möglich sei, unsere Fototaschen auf dem kleinen Podest zwischen Absperrgitter und Bühnenrand abzustellen - Gitarrist Rod Jones brauche seinen Auslauf. Und richtig: Kaum waren die ersten Akkorde des Openers "Roseability" auf der Bühne explodiert, kam Rod uns bereits entgegengeflogen, erklomm das Podest, die Monitorbox, später auch den Drumriser und konnte auch sonst nur dann still stehen, wenn er gesanglich Frontman Roddy unterstützte. Der wiederum klammerte sich in gewohnter Manier am Mikroständer fest, ganz konzentriert auf seine außergewöhnlichen Texte, die so viel mehr sagen, als eine theatralische 08/15-Rockshow es je könnte. Auch zwischen den Songs präsentierte sich Roddy erneut als Gegenentwurf zum typischen Frontman einer Rockband, wenn er schüchtern, manchmal fast verschüchtert, mit dem Publikum kommunizierte, vorsichtig Werbung für das aktuelle Album machte ("It's out in the shops. Or maybe not.") oder leicht verlegen Komplimente wie den Zwischenruf "We love Scottish musicians" zu parieren versuchte, sich und seiner Band selbst applaudierte und es ihm niemand übel nahm. Und als auch noch in einer Song-Pause eine Flasche geräuschvoll zu Boden fiel, schien er einem Herzkasper sehr nahe.

Idlewild
Doch sobald die Musik einsetzte, war Roddy voll in seinem Element. Nachdem energiegeladene Highlights wie "If It Takes You Home", "Love Steals Us From Loneliness", "Little Discourage" und "American English" bereits aus dem Weg geräumt waren, als das Konzert kaum 20 Minuten alt war, wurde es Zeit, die andere, die sanftere Seite Idlewilds ins rechte (leider fast ausschließlich rote) Licht zu rücken. "Live In A Hiding Place" stand ursprünglich auf der Setlist, doch kurzfristig war stattdessen der vielleicht schönste aller Idlewild-Songs ins Programm gerutscht: "El Capitan" nämlich, jener oft überhörte Songdiamant aus dem "Warnings / Promises"-Album, der so perfekt die Brücke schlägt zwischen der melancholischen, introvertierten und der lebensfrohen, auffordernden Seite dieser außergewöhnlichen Band. Und Idlewild – mit Rod am Piano - zelebrierten die Nummer in Köln in Perfektion.

Konnte es jetzt überhaupt noch besser werden? Ja, es konnte, denn gleich danach gab es die ohne Frage beste Nummer des neuen Albums zu hören. "Once In Your Life" beginnt zurückhaltend wie eine R.E.M.-Hommage, ist im Mittelteil ein klassischer Idlewild-Song und endet in einem Neil Young-würdigen Gitarreninferno. Wow! Nach diesem Showstopper durften es sich Idlewild durchaus leisten, mit "Future Works", "Blame It On Obvious Ways" und "Ghost In The Arcade" eine ganze Reihe eher unbekannter Nummern en bloc zu präsentieren, zumal mit "In Remote Part / Scottish Fiction" einer der gewaltigsten Songs der Band das reguläre Programm beendete. Der Song klang aus mit den vom Band eingespielten Worten des Dichters Edwin Morgan - eine fast bruchlose Überleitung zur ersten Zugabe, dem ebenfalls gemeinsam mit Morgan geschriebenen "The Weight Of Years" aus dem von Idlewild abgestoßenenen Poetry-meets-Indierock-Projekt "Ballads Of The Book".

Vor dem Song nutzte Roddy dann auch die Chance, für das dazugehörige Album, auf dem 18 schottische Indie-Heroen mit namhaften schottischen Dichtern und Schriftstellern kollaborieren, die Werbetrommel zu rühren, auch wenn er uns später am Merchtisch gestand, dass er nicht das Gefühl hatte, "dass irgendjemand einen Schimmer hatte, wovon zur Hölle ich da erzählt habe"... Für die live nicht ganz so traditionalistisch-folkig wie auf Platte klingende Nummer gab Drummer Colin Newton - stilecht gewandet in ein Rheingold-T-Shirt - übrigens sein Debüt als Akkordeon-Spieler. "A man of many talents", kommentierte Roddy das grinsend. Danach wurde Colin schleunigst wieder ans Schlagzeug beordert, damit die Band den Abend mit "(I Am) What I Am Not" und einer herrlich ausgewalzten Version von "You Held The World In Your Arms" genauso explosiv beenden konnte, wie er begonnen hatte.

Wie gesagt, es war alles beim Alten. Per BBC-Umfrage mögen Idlewild offiziell die drittbeste Band Schottlands sein, an diesem Abend in Köln waren sie einmal viel mehr als das. "Thank you, you good people of Cologne!", ruft Roddy uns entgegen, aber nein, wir sind es, die zu danken haben!

Surfempfehlung:
www.ildewild.co.uk
Text: -Carsten Wohlfeld-
Fotos: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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