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Da weiß man, was man hat

Low

Münster, Gleis 22
04.05.2007
Low
Lange Jahre schien es so, als könne man die kleine, große Band aus Duluth, Minnesota, am besten mit dem Spruch beschreiben, mit dem einst eine deutsche Waschmittelfirma für sich warb: "Low - da weiß man, was man hat". Denn überall, wo Low draufstand, war wunderbar reduzierter Slowcore-Sound drin, getragen von den sich perfekt ergänzenden Stimmen der Protagonisten Mimi Paker und Alan Sparhawk. Vor zwei Jahren jedoch kehrten Low nicht nur der langjährigen Plattenfirma, sondern auch ihrer stringenten musikalischen Ausrichtung den Rücken. "The Great Destroyer" geriet geradezu grungy, das aktuelle Werk "Drums And Guns" (das Erste mit Neuzugang Matt Livingston am Bass) überraschte durch allgegenwärtiges elektronisches Geflicker.
Low
Letzteres könnte - abgesehen vom Biergartenwetter draußen - einige davon abgehalten haben, sich Low im Münsteraner Gleis 22 anzuschauen, denn ausverkauft war das Konzert erstaunlicherweise nicht. Low als knöpchendrehender Elektronikact? In der Tat ein seltsamer Gedanke. Das wusste allerdings auch die Band selbst, und deshalb bestand das Programm zwar zu großen Teilen aus den Songs des aktuellen Albums, dargeboten wurden sie allerdings im altbewährten Stil. Lediglich bei "Belarus" kam ein wenig simple Elektronik zum Einsatz, für den Rest der Lieder reichten Gitarre, Bass, Standschlagzeug und zwei, manchmal drei wunderschöne Stimmen. Dabei offenbarten die neuen Songs teilweise Qualitäten, die sie auf der Platte allenfalls in Ansätzen haben. Praktisch ohne Gitarre ist "Hatchet" dort trotz seines charmanten Textes ("Let's bury the hatchet like the Beatles and the Stones" / "You'll be my Marianne, and I'll be your Yoko") eher unauffällig, in Münster, mit der "durchgespielten" Gitarrenbegleitung von Alan, war es der vielleicht eingängigste Popsong, den Low je geschrieben haben, und das heimliche Highlight des gesamten Abends. Auch Alans Lieblingsnummer des Albums, "Breaker", wurde völlig umgekrempelt und so laut und krachig gespielt, als sei er nicht von "Drums And Guns", sondern vom Vorgänger "The Great Destroyer". (Diese Versionen gibt es übrigens auch auf Platte - von Alan und Matts Sideproject Retribution Gospel Choir.)
Low
Doch nicht bei allen Songs ging es um Neuinterpretation. Weil Low für eine Reihe Stücke eine leider nicht näher vorgestellte Violinistin auf die Bühne baten, gab es die selten gewordenen Rückgriffe auf das Frühwerk erstmals überhaupt in Deutschland mit den dazugehörigen Streicherparts zu hören: Ein gespenstisches "Embrace" zum Beispiel oder das einmal mehr grandiose "Sunflower"! Auch bei diesem Konzert - das von den Low-Zöglingen Rivulets und dem ATP-Act Death Vessel eröffnet wurde - zeigte sich übrigens wieder der besondere Gleis 22-Faktor. Nicht nur, dass die Band bereits die reguläre Setlist mit allen möglichen Pfeilen und Klammern vorsorglich um einige Songs ergänzt hatte und damit das Konzert rund 15 Minuten länger werden ließ als alle weiteren Auftritte der aktuellen Europatournee - bei der Zugabe gab es außerdem noch ein ganz ausgezeichnetes Wunschkonzert. Da spielten Low doch tatsächlich zum ersten Mal seit Ewigkeiten wieder eine zehn Jahre alte Nummer von "Low Division", nachdem ein junger Herr im Publikum höflich gefragt hatte: "Dear Alan, could you play 'Swingin'' for me?", und weil sie gerade einmal dabei waren, Sachen hervorzukramen, die viele Jahre älter sind als all die Songs, die das Trio derzeit für gewöhnlich im Programm hat, gab's gleich hinterher - auch erstmals seit längerer Zeit, wie Alan anmerkte - "Over The Ocean" zu hören! Doch damit nicht genug. Obwohl die Musik aus der Konserve schon lief, ließen sich Low noch zu einer zweiten Zugabe bewegen, auch wenn Alan meinte, es sei nun schwierig, einen Song zu finden, der den guten Eindruck des bisherigen Abends nicht zerstören würde. "(That's How You Sing) Amazing Grace" wurde nach längerer Beratung ausgewählt und damit ein perfekter Schlusspunkt gesetzt. Also doch: "Low - da weiß man, was man hat".
Surfempfehlung:
www.chairkickers.com
www.myspace.com/low
en.wikipedia.org/wiki/Low_(band)
Text: -Carsten Wohlfeld-
Fotos: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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