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Downpilot
Dorian

Bonn, Mausefalle
07.10.2007
Downpilot
Es gibt Konzerte, zu denen man nicht unbedingt hinfährt, weil man wirklich Lust dazu hat, sondern eher aus Angst, etwas verpassen zu können. Wenn dann die erhofften Glanzleistungen und / oder Überraschungen ausbleiben, denkt man vielleicht, man wäre besser daheim geblieben. Oder aber - wie im Falle des Downpilot-Konzerts in Bonn - man sitzt nachher freudestrahlend im Zug zurück, glücklich, dass man ein großartiges Konzert miterleben durfte. Selbst die Tatsache, dass der eigentlich vorgesehene Supportact K.C. McKanzie wegen eines Staus auf der Autobahn kurzfristig absagen musste, entpuppte sich als Glücksfall.
Dorian
Downpilot-Mastermind Paul Hiraga lud nämlich kurzentschlossen Barbara Hoefgen ein, das Aufwärmprogramm zu bestreiten. Dass die Frontfrau der an dieser Stelle auch schon des Öfteren erwähnten Band Dorian schon länger kein Konzert, schon gar nicht solo und akustisch, bestritten hatte und noch nicht einmal mehr Zeit hatte, ihr kurzes Programm zu Hause einmal durchzuspielen, gab ihrer Performance etwas angenehm Raues, das ausgezeichnet zu den Songs passte, die in der spartanischen Instrumentierung auch sehr fragil daherkamen. Sogar ein kammermusikalisches Highlight aus den Anfangstagen von Dorian gab es zu hören, und als Zugabe die fast obligatorische Velvet-Underground- / Nico-Hommage "Femme Fatale". Sehr schön!

Hatten Downpilot bei ihrem One-Off-Abstecher ins Kölner Stereo Wonderland vor zwölf Monaten noch recht rau geklungen, ohne dass das einem wahrlich guten Auftritt im Wege gestanden hätte, zeigten Paul Hiraga, Bassist Jeff Brown und Schlagzeuger Lars Plogschtieß nun, wie blindes Verständnis auf der Bühne aussieht. Beim letzten Konzert ihrer "deutschlandweiten Europatournee" ließen es die drei zwar auch nicht nur beim famosen Schlusssong "My Sunshine" richtig krachen, aber dieses Mal lag das nicht an fehlenden Möglichkeiten, vorher zu proben, sondern ganz offenkundig daran, dass die drei - laut MySpace-Seite "powered by Nutella" - gewillt waren, einen bisweilen Neil Young-würdigen Orkan in der winzigen Mausefalle zu entfachen. Neben den bekannten Highlights aus den beiden auf Tapete Records erschienenen Alben (und dem feinen "Sodium" aus dem nur in den USA erschienenen Frühwerk "Thrive In A Short Season") gab es dieses Mal aber - anders als zuletzt in Köln - eine ganze Menge Überraschungen.

Downpilot
Die waren nicht zuletzt der Tatsache geschuldet, dass Paul beim letzten Stopp der Tour irgendwann ob der nicht existenten Setlist ein wenig den Überblick verlor. Da stimmte er doch nach gut zwei Dritteln des Konzerts einen Song an, nur um von seinem Bassisten freundlich, aber bestimmt darauf hingewiesen zu werden, dass sie die Nummer bereits gespielt hätten. Auch das nächste Stück, an dem sich Paul versuchte, war bereits gelaufen - und zwar während der Show und nicht während des Soundchecks, wie er glaubte... Um ähnlichen Fauxpas für den Rest des Abends aus dem Weg zu gehen, bestand ein Großteil des weiteren Programms aus Coverversionen - und was für welchen! Begleitet von heftigem Rauch aus der Nebelmaschine, die der Mann am Mischpult mit großer Freude gleich mehrfach zum Einsatz brachte, gab's zunächst den verlorenen The Jam-Klassiker "Man In The Cornershop" zu hören, und nicht nur das, es war eine ausgezeichnete Version, die all das hatte, was The Jam früher ausgemacht hat. Wer nach dieser Version nicht glaubt, dass Paul Weller der Allergrößte ist, dem ist nicht mehr zu helfen! Gleich danach gab's dann ein ganz besonderes Bonbon: "Glückskeks", die Niels Frevert-Coverversion, die Hiraga für die unlängst erschienene Tapete-Coverplatte "Tapete 100" aufgenommen hat. Während er sich im Studio Zeile für Zeile durch den Text hangeln konnte, hatte er in Bonn noch nicht einmal ein Textblatt als Hilfestellung - und machte seine Sache dafür zwar nicht perfekt, aber für jemanden, der überhaupt kein Deutsch spricht, wirklich großartig. Das empfand auch Jeff so, der danach anerkennend sagte: "And for the rest of the evening all songs in Deutsch", nur um von Paul grinsend mit "...AUF Deutsch" verbessert zu werden!

Nach dem von Paul alleine vorgetragenen Titelsong seines aktuellen Albums "Like You Believe It" als erste Zugabe hätte dann eigentlich Schluss sein sollen, aber was wäre ein Tourneeabschlusskonzert ohne ein paar echte Skurrilitäten ganz am Ende? "We're gonna have some fun now, because we hadn't had any fun all week", meinte Jeff augenzwinkernd, bevor Paul seinen ungläubig dreinschauenden Bassisten dazu verdonnerte, für einen Song den Gesang zu übernehmen. Die fragliche Nummer war "Sway" von den Rolling Stones und die Version einfach umwerfend, nicht zuletzt, weil sich Paul am Ende noch als Gitarrengott outen durfte. Wer hätte das gedacht! Doch selbst dann war noch nicht Schluss, denn Paul beschloss kurzerhand, den Abend mit dem Guided By Voices-Cover "Fair Warning" zu beenden. Und als hätten die verdutzten Gesichter seiner Mitstreiter nicht bereits Bände gesprochen, sagte er noch ganz lässig vor der ersten Zeile: "We've never played this song before". Gehört hat man's aber nicht wirklich!

So ging dann ein furioses 90-Minuten-Konzert zu Ende, das im ersten Teil mit wunderbaren Songs und im zweiten Teil vor allem mit Spielfreude, Spontaneität und Power zu begeistern wusste. 2008 kommen Downpilot mit neuem Album im Gepäck, und wer dann nicht hingeht, ist selbst schuld!

Surfempfehlung:
www.downpilot.com
www.myspace.com/downpilot
www.dorian-pop.de
Text: -Simon Mahler-
Fotos: -Simon Mahler-


 
 

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