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Konzert-Bericht
 
Wahnsinn mit Methode

White Flag

Köln, Sonic Ballroom
04.03.2008
White Flag
Ob man sie nun die letzten wahren Anarchisten oder ganz einfach die liebenswerteste Chaotentruppe des Musikbusiness nennt - bei White Flags "Hardcore Punk Rock Satire Cabaret Show" hat der Wahnsinn Methode. Mehr als 25 Jahre gibt es die Band aus Sunnymead - zu der über die Jahre bereits Mitglieder von Bad Religion, Redd Kross, The Muffs, Rancid und sogar Hole gehörten - inzwischen, doch die Kalifornier sind kein bisschen weise. Zehn Einträge aus dem Tagebuch des Chaos.
White Flag
1. Als die Band am späten Nachmittag zu diesem Auftaktkonzert ihrer kurzen Europatournee am Sonic Ballroom in Köln eintrifft, fehlen folgende "Kleinigkeiten": Eine Backline (nur Bandgründer Pat Fear hat eine einzige Gitarre dabei), ein Bass (Kim Crimson spielt später ein bei Subterfuge geliehenes Instrument), ein Leadgitarrist (El Swe, der Mann für die sechs Saiten, sitzt noch im Flieger) und nicht zuletzt Spielpraxis - zuletzt hat die Band vor mehr als zwei Jahren zusammen gespielt, in dieser Quartettbesetzung sogar noch nie!

2. Die Probe für den zweistündigen Auftritt am Abend ist chaotisch und kurz. Zwanzig Minuten spielen sie zu dritt, zehn Minuten zu viert, nachdem El Swe endlich den Weg nach Ehrenfeld gefunden hat - übrigens per ÖPNV, denn für ein Taxi fehlte das Geld...

3. Nicht nur, weil die Band die frisch gepresste Neuauflage ihres Debüts "S Is For Space" von 1982 im Gepäck hat, stammt ein Großteil des Programms aus den legendären Frühwerken. "Mirror, Mirror", "Suzy Secret" und natürlich "White Flag" gibt es aus dem Erstling zu hören, dazu "Mountains Of Madness" und "Ticket To Moscow" aus dem großartigen "Third Strike"-Album von 1984, auf dem übrigens die damals noch völlig unbekannten Bangles die Backing Vocals beisteuerten.

4. "Many, many mistakes were made and it just didn't matter", schreibt Kim später treffend in sein Tourtagebuch. Stimmt, denn hier steht der Spaß, nicht die Perfektion im Vordergrund.

5. Gleich mehrfach muss Pat spontan am Mikro einspringen, weil der De-facto-Leadsänger Kim (im wahren Leben bei The Posies und The Disciplines beschäftigt) ob der langen Pause nicht ganz textsicher ist. El Swe (sonst bei Sator und als Produzent der letzten vier Hellacopters-Alben bekannt) weigert sich derweil völlig, "Loaded" zu singen, lässt sich aber immerhin erweichen, zumindest beim einfach großartigen The Saints-Cover "Demolition Girl" den Gesang zu übernehmen.

White Flag
6. Nicht nur die Bandmitglieder dürfen ans Mikro: Für den verlorenen WF-Klassiker "Forever Changes" holt Pat kurzerhand einen Fan zur gesanglichen Unterstützung auf die Bühne!

7. Noch wilder wird es bei den Zugaben. In Ermangelung geprobter Songs gibt's nämlich vornehmlich spontane Coverversionen zu hören: "Blitzkrieg Bop" von den im Sonic Ballroom bekanntlich allgegenwärtigen Ramones, "I'm Down" von den Beatles und sogar "Communication Breakdown" von Led Zeppelin!

8. Irgendwann hat Pat genug, donnert einfach seine Gitarre in die Ecke, brüllt anstatt eines "Danke" kurzerhand "I'm so sick of this" ins Mikro und verschwindet erst einmal...

9. Das absolute Inferno bricht mit der letzten Zugabe über das Publikum herein: 30 Minuten (!) "Tomorrow Never Knows" von den Beatles! Zum Schluss sind nur noch Kim und Drummer Trace Element, der den markanten Drumbeat mit stoischer Ruhe spielt, auf der Bühne, doch dann stolpert ein junger Herr, offensichtlich nicht ganz nüchtern, mit einer Kippe im Mundwinkel auf die Bühne, schnappt sich ungefragt Pats Gitarre, geht zum Gitarrenverstärker und beginnt, ein paar einfache Riffs zu klimpern. Was er nicht weiß: Kim hat die Kabel vertauscht. Aus dem Verstärker kommt das, was Kim auf dem Bass spielt... "I played approximations of what his fingers were doing, so the sound coming out of the amp he was listening to was similar to what he was playing, but not quite right", beschreibt Kim die Szene später in seinem Blog. "He frowned... adjusted the amp, tried again, and I did the same thing again... notes would continue for a few seconds after he stopped playing... he was scratching his head, and completely at a loss as to what was going on...GENIUS!!!"

10. White Flag spielen im Juni und Juli eine ausgiebige Tournee in Deutschland und den angrenzenden Ländern, u.a. mit NOFX und The Adolescents. Hingehen und den Wahnsinn hautnah miterleben!

Surfempfehlung:
www.myspace.com/whiteflagofficialmyspacesite
www.chaser.net/whiteflag
Text: -Simon Mahler-
Fotos: -Simon Mahler-


 
 

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