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Konzert-Bericht
 
Vorsicht Schreie

Foo Fighters
Sportfreunde Stiller

Oberhausen, Arena
28.10.2007
Foo Fighters
"Letzten Endes interessiert mich nur die Musik", gestand Dave Grohl vor zwei Jahren im Gaesteliste.de-Interview. Beim fast restlos ausverkauften Auftritt der Foo Fighters in der riesigen Arena in Oberhausen konnte man sich nun davon überzeugen, dass er diese Aussage anno 2007 ernster denn je nimmt. Zwar bot Grohl seinem Publikum eine großartige, manchmal fast schon ins Klischeehafte abdriftende Rockshow, doch verließ er sich dabei ganz auf seine Songs und sein Können als Showman. Es gab keine Videoleinwände, keine aufwendige Bühnendeko, noch nicht einmal eine besonders ausgefallene Lightshow. Ein schwarzer Vorhang und die Foo Fighters - das musste reichen.
Ein Supportact, wenn auch ein so hochkarätiger wie Sportfreunde Stiller, war da irgendwie fehl am Platze. Die drei Münchner gaben sich dann auch merkwürdig kleinlaut, sprachen gleich zu Beginn von der "außerordentlichen Ehre", einen Helden wie Grohl supporten zu dürfen, und stürmten ohne große weitere Erklärung durch die erste Hälfte ihres Programms. Das bestand zunächst vor allem aus "La Bum"-Songs, und auch wenn sich Peter Brugger höflich für die "offenen Ohren" des Publikums bedankte - so mancher FF-Fan scharrte nach 15 Minuten doch mit den Füßen. Abhilfe konnte danach allerdings "1. Wahl" schaffen, genauer gesagt der Medley-Teil in der Mitte, denn die Münchner bauten in ihren Mitgröhl-Klassiker nicht nur den WM-Hit "1954, 74, 90, 2010" ein, sondern auch "Seven Nation Army" von den White Stripes. Das konnte dann die Skeptiker unter den FF-Anhängern überzeugen, zumal der Rest des 30-minütigen Sets den alten Heulern vorbehalten war: "Wunderbaren Jahren" zum Beispiel, mit dem obligatorischen Sprung vom Verstärker, "Ein Kompliment" und dem abschließenden Medley "Marmor, Stein und Eisen bricht" / "Ich Roque". Der Countdown zu letzterer Nummer war übrigens das einzige Mal, dass Drummer Flo Weber zum Mikro respektive Telefonhörer griff. Wie gesagt, es war ein ungewohnt verhaltener, aber deshalb sehr konzentrierter Auftritt des Trios. Ein gut ausgeleuchteter noch dazu, denn die Sportfreunde durften - bei solchen Großveranstaltungen auch nicht immer üblich - auf einen Gutteil der Lightshow zurückgreifen, die Grohl und Co. für ihren Auftritt aufgefahren hatten.
Doch nicht nur die Lightshow der Foo Fighters war imposant: Gleich für den Opener "The Pretender" stand das komplette, erweiterte Ensemble auf der Bühne: Neben der vierköpfigen Kernbesetzung zusätzlich noch ein Gitarrist, eine Cellistin, ein Keyboarder und ein später von Grohl scherzhaft als "Triangelspieler" vorgestellter Percussionist! Und die legten gleich gewaltig los, denn zwischen den ersten Songs gab es weder Ansagen noch merkliche Pausen, sondern nur unbändige Energie. Live kamen selbst einige der auf dem aktuellen Album etwas uninspiriert klingenden Songs besser zur Geltung. Egal, ob ältere Songs à la "Times Like These" oder neue wie das hübsch mit der Licht und Schatten-Dynamik spielende "Cheer Up, Boys" auf dem Programm standen - an diesem Abend klang alles sehr, sehr beeindruckend. Nach rund einer halben Stunde gab es dann den ersten Rückgriff auf die Frühphase der Band. "I'll Stick Around", der vielleicht bis heute beste Solosong Grohls, litt allerdings etwas darunter, dass die Band ihn geradezu brutal herausprügelte und Grohl überhaupt nicht sang, sondern permanent schrie. Das tat er übrigens mit Vorliebe auch bei anderen Songs, was oft die Energie der Songs unterstrich, manchmal aber auch in sinnloses Gekreische ausartete. Als Grohl sich danach erstmals ans Publikum wendete, wollte er gar nicht mehr aufhören zu reden. Zwar erklärte er am Anfang, dass leider an diesem Abend nur zwei Stunden Zeit bleiben, die Songs zu präsentieren, deren Verfassen zehn Jahre in Anspruch genommen hätte, und dass er deshalb nicht viele Worte verlieren wolle, doch das klappte nur bedingt. Minutenlang brabbelte er vor sich hin, sehr unterhaltsam zwar, aber nicht unbedingt bedeutungsschwanger. Doch die Entschädigung folgte auf dem Fuße: Mit einer ausgiebigen Version von "Long Road To Ruin" gab's nicht nur den besten Song des neuen Albums zu hören, sondern auch eines der unbestrittenen Highlights des gesamten Abends. Dabei sollten natürlich noch viele hymnische FF-Songs folgen: "Breakout" mit einem beachtlichen Singalong zum Beispiel, "Learn To Fly" oder "The One" - übrigens hintereinander weg gespielt und ohne eine Sekunde Pause dazwischen - das dürfte sich Grohl bei Hüsker Dü abgeschaut haben.

"Stacked Actors" wurde danach als dreiteiliges 13-Minuten-Rock-Monster dargeboten mit ellenlangen Soli, nicht nur von Fanliebling Taylor Hawkins am Schlagzeug. Plötzlich war Grohl dann von der Bühne verschwunden, nur um kurz darauf doch tatsächlich mitten auf der Tribüne aufzutauchen und sich von dort aus ein Call- und Response-Gitarrenduell mit Chris Shiflett zu liefern! Ein Star zum Anfassen - wörtlich genommen!

Anschließend folgte gleich der nächste Monolog, denn es galt zu ergründen, ob das Publikum eher an "Rock shit" oder "Acoustic shit" interessiert wäre. Gespielt überrascht nahm Grohl zur Kenntnis, dass ein Unplugged-Set sehr wohl im Interesse der Meute vor der Bühne wäre. Also bat er den Rückkehrer Pat Smear an der Gitarre, Rami Jaffee von den Wallflowers am Piano, Percussionist Drew Hester und Cellistin Jessy Greene zurück auf die Bühne, um mit ihnen herrlich relaxte Versionen von "Skin And Bones" oder "My Hero" (das spätestens beim unausweichlichen Singalong mit 80s-Rock-Klischees spielte) zum Besten zu geben. Während des Akustiksets gab es auch die schier endlose Bandvorstellung, bei der jeder Musiker erneut ein Solo spielen durfte, bis auf Smear und den einzigen von der Originalbesetzung Verbliebenen, Bassist Nate Mendel, denn "Nate und Pat spielen keine Soli, sie stehen nur da und lächeln"!

Die nächste Nummer spielte Grohl dann allerdings ohne einen einzigen Begleiter: Für "Everlong" mussten eine Stromgitarre und seine Stimme reichen - zumindest so lange, bis ihm der Publikumschor das Singen kurzerhand abnahm! Ein Highlight! Danach war es dann Zeit, das abschließende Hitfeuerwerk anzuzünden: Auf "Monkey Wrench" folgte "All My Life", im Zugabenblock noch "In Your Honor" und "No Way Back", bevor sich Grohl noch eine abschließende Einlage leistete: So quatschte er doch wirklich den mitten im Publikum auftauchenden Bierverkäufer an ("Hey, are you the beer guy?"), kaufte ihm "für drei Mark" (!) einen Plastikbecher Gerstensaft ab, trank es in einem Zug aus und sorgte anschließend mit "Best Of You" für eine letzte Massenhysterie. Die ganze Halle hüpfte, das war Stadionrock par excellence.

Das ein oder andere Klischee hätte Grohl vielleicht vermeiden können, weniger Schreie und mehr Gesang wären auch nicht unbedingt von Nachteil gewesen, ungemein kurzweilige Unterhaltung boten die Foo Fighters in Oberhausen aber dennoch!

Surfempfehlung:
www.foofighters.com
www.myspace.com/foofighters
de.wikipedia.org/wiki/Foo_Fighters
www.sportfreunde-stiller.de
de.wikipedia.org/wiki/Sportfreunde_Stiller
Text: -Simon Mahler-
Foto: -Pressefreigabe-


 
 

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