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Old School

Buffalo Tom
Tiny Vipers

Köln, Prime Club/ Köln, Normal Records (In-Store)
29.11.2007/ 29.11.2007

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Buffalo Tom
Lange haben wir auf die Rückkehr von Buffalo Tom warten müssen. Mehr als neun Jahre ist es her, dass die Bostoner Indierock-Legende eine Kölner Bühne betreten hat, doch an diesem regnerischen Donnerstag beehren uns Bill Janovitz, Chris Colbourn und Tom Maginnis gleich zweimal: Zuerst mit einem kurzen Akustikkonzert bei Normal Records, später am Abend dann mit einem fulminanten 100 Minuten-Auftritt im gut gefüllten Prime Club.
"Mir ist aufgefallen, dass es hier im Laden kein Buffalo Tom-Fach gibt. Wir waren wohl einfach zu lange weg!", begrüßt Janovitz, die Anwesenden bei Normal, bevor er augenzwinkernd hinzufügt: "Es sei denn, unsere Platten sind bei den Oldies einsortiert..." Passend zu dieser Ansage gibt es dann auch vor allem alte Songs zu hören, die meisten davon auf Zuruf aus dem Publikum. Dabei beweist gerade "You'll Never Catch Him", die einzige Nummer vom aktuellen Album "Three Easy Pieces", in der abgespeckten Version mit zwei Akustikgitarren - Drummer Maginnis mischt sich unter das Publikum, ohne zum Instrument zu greifen - den meisten Charme. Die alten Songs leiden nämlich bisweilen doch etwas darunter, dass Janovitz und Colbourn beide etwas verschnupft sind und ihre Stimmen für die abendliche Rockshow schonen wollen. Deshalb spielen sie "Porchlight" oder "Butterscotch" merklich verhalten, aber was macht das schon, wenn man die Chance hat, Buffalo Tom eine Armlänge entfernt vor nicht einmal zwei Dutzend Menschen zu sehen? Eröffnet wurde den Abstecher in den Plattenladen übrigens von Jesy Fortino alias Tiny Vipers, die mit ihren sperrigen Folksongs und ihrer schüchternen, ja geradezu scheuen Performance ein wenig an Chan Marshall in ihren Anfangstagen erinnert.
Zusammen mit ihrem Partner Ben Cissner am dreisaitigen Bass ist Fortino wenige Stunden später auch beim Konzert im Prime Club der Supportact, doch außer Chris Colbourn, der gebannt in der ersten Reihe lauscht (und "Hands Across The Void", das aktuelle Sub Pop-Album des Duos aus Seattle, Washington, als seine Lieblingsplatte des Jahres bezeichnet), interessiert sich kaum jemand wirklich für die spartanischen Songs der zierlichen Singer / Songwriterin, die wie angewurzelt auf ihrem Hocker sitzt, praktisch nicht mit dem Publikum redet und auch kaum versucht, Blickkontakt mit den Menschen jenseits der etwas deplatzierten Barriere vor der Bühne aufzunehmen. Im richtigen Rahmen mögen die Songs von Tiny Vipers ihre wahre Wirkung entfalten können, als Support von Buffalo Tom wirken sie leider etwas fehl am Platze.

Der Hauptact aus Medfield, Massachusetts, hat dagegen keinerlei Probleme, das Publikum auf seine Seite zu ziehen. Zwar schubsen sich die Zuschauer in den ersten Reihen nicht so durch die Gegend wie bei früheren BT-Auftritten an gleicher Stelle, aber schließlich sind nicht nur die drei Herren auf der Bühne älter geworden, auch im Publikum dürften die wenigsten Probleme haben, in die Ü30-Disco zu kommen. Verhaltener sind allerdings nicht nur die Zuschauer, auch die Band hat ein wenig von der einst so unbändigen Wucht eingebüßt, für die sie in den 90ern so berühmt war. Dass man trotzdem am Ende des Konzerts das Gefühl haben darf, eines der besten Konzerte des Jahres gesehen zu haben, liegt vor allem an den Songs, denn die sind unverwüstlich. "Staples" gleich zu Beginn, vom neuen Album die Nummern im typischen BT-Gewand wie "Bad Phone Call" oder der potentielle Klassiker "CC And Callas" und vor allem: alle alten Hits! "Mineral", "I'm Allowed", "Summer", "Birdbrain" - großartig wie immer! Und erst "Treehouse"! Das Stück klingt so frisch, dass man kaum glauben kann, dass es rund 13 Jahre alt und zudem fast jeden Abend im Programm ist!

Zwischendurch unterhält sich Janovitz gut gelaunt mit dem Publikum, erzählt von der ersten BT-Europatournee gemeinsam mit Henry Rollins vor fast 20 Jahren, von der Gastspielreise mit Teenage Fanclub (die Colbourn beim Akustikkonzert als die beste Tour seines Lebens bezeichnet hatte), erinnert seinen Kollegen am Bass an den letzten Abstecher nach Köln mit einem damals noch gänzlich unbekannten Supportact ("Hey Sportfreund, do you rememeber our show here with Sportfreunde Stiller?") oder hilft Colbourn bei der Verlosung eines Schoko-Weihnachtsmanns. Kurz gesagt: Auch zwischen den Songs geben sich Buffalo Tom wie eine Band, die ihre gemeinsame Geschichte zusammenschweißt, die seit Anfang an in der gleichen Besetzung spielt und alle Höhen und Tiefen der Karriere gemeinsam gemeistert hat. Kein neuer Drummer, kein Aushilfsbassist, nur Buffalo Tom. Lediglich einmal ist Janovitz sprachlos. Auf die launige Frage "Sagt mal, was habt ihr eigentlich die ganze Zeit gemacht, in der wir nicht da waren?" hat er wohl nicht mit der Antwort "Wir haben darauf gewartet, dass ihr endlich zurückkommt!" gerechnet...

Anschließend geht es weiter mit den Hits: Bei "Kitchen Door" und "Late At Night" übernimmt Colbourn das Mikro, "Taillights Fade", für das sich Janovitz extra seine braune SG bringen lässt, wird als einige der wenigen Songs etwas anders gespielt als auf Platte und verliert dadurch vielleicht etwas an Drive, doch die "Wiedergutmachung" folgt auf dem Fuße. Weil uns die drei nicht mit einem solchen (textlichen) Runterbringer entlassen wollen, gibt's zum Schluss noch ein ruppiges "Tangerine", bei dem das Kölner Publikum seine Textsicherheit bei der albernen letzten Zeile "Just a little haiku / To say how much I like you" beweisen darf.

Danach muss natürlich eine Zugabe her, die mit dem schleichenden "Enemy" beginnt, Janovitz bei "Larry" die Chance gibt, seine ganze Coolness unter Beweis zu stellen, indem er mitten im Song seine total verstimmte Gitarre wechselt und das Ganze dennoch so klingen lässt, als gehöre es zum Song, und mit "Frozen Lake" auch noch die vielleicht beste Performance des gesamten Abends zu bieten hat. Als krönenden Abschluss sieht die Setlist danach den alten Heuler "Crutch" vor, doch die drei Herren auf der Bühne möchten den Abend kurzentschlossen lieber anders beschließen. Anstatt einer weiteren Reminiszenz an die gute alte Zeit gibt's eine balladeske neue Nummer aus dem aktuellen Album, "Lost Downtown", den Blick nach vorne gerichtet und nicht zurück. Kein letztes Aufbäumen, sondern eher der zweite Frühling. Freuen wir uns drauf!

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Surfempfehlung:
buffalotom.com
www.myspace.com/buffalotom2007
www.subpop.com/artists/tiny_vipers
www.myspace.com/tinyvipersss
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -UIllrich Maurer-


 
 

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