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Konzert-Bericht
 
Gewaltig, unaufgeregt

The Notwist

Köln, 1LIVE Salon
22.05.2008

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The Notwist
Auch in Zeiten, in denen die Plattenfirmen das Recyceln des Produkts Musik mit Special-Editions, Bonus-DVDs, Re-Releases und vielem mehr auf die Spitze treiben: Sechs Jahre sind eine lange Zeit. Trotzdem brauchten The Notwist genau so lange, um "The Devil, You + Me", den Nachfolger zum 2002er Meisterwerk "Neon Golden", endlich dem Publikum zu präsentieren. Doch nicht nur in puncto Veröffentlichungen lassen die Weilheimer Tausendsassa ihre Anhänger gerne zappeln. So begann die Welttournee der Bajuwaren zwar pünktlich zum Erscheinen des Albums, Auftritte in Deutschland sind allerdings zumindest bis zum Herbst dennoch rar gesät.
Kein Wunder, dass die wenigen speziellen Auftritte hierzulande mit besonderer Spannung erwartet wurden. Einer davon fand für etwas mehr als 100 glückliche Verlosungsgewinner und Medienparasiten im etwas euphemistisch "Salon" genannten, allerdings doch recht funktional ausgestatteten Café des WDR-Jugendradios 1Live hoch über dem Kölner Mediapark statt. Dennoch waren die Voraussetzungen ideal für ein außergewöhnliches Konzert: Kein nerviger Supportact, keine künstlich nach hinten hinausgezögerte Auftrittszeit (schließlich wurde pünktlich ab 21.05 Uhr live im Radio übertragen), keine Bühne. Nur fünf unscheinbare Herren, eine Menge interessant aussehendes Equipment und - die Musik.

Markus Acher eröffnet den Abend nicht etwa mit einem Gitarrenakkord, sondern indem er zum neben ihm aufgebauten Plattenspieler geht, die Nadel auf die Platte setzt und mit "Where In This World" startet. Ein Signal für den Rest des Abends: Selbst auf der "Neon Golden"-Tournee haben sich The Notwist zeitweise noch sehr rockig gegeben (man erinnere sich an den famosen Auftritt beim Haldern Pop 2002), an diesem Abend in Köln aber präsentieren sie sich größtenteils von einer betont unaufgeregten Seite, ohne dabei je Langeweile aufkommen zu lassen oder Gefahr zu laufen, die Spannung zu verlieren. Gitarrist und Sänger Markus stehen wie gewohnt sein Bruder Micha an Bass, Keyboard und Glockenspiel und Martin Gretschmann zur Seite. Letzterer macht an diesem Abend seinem Pseudonym Console alle Ehre, schließlich bedient er teilweise die Elektronik vor ihm mit einer zweckentfremdeten Wii-Fernbedienung (und läuft besonders bei "This Room" zu Hochform an den virtuellen Reglern seines Touchscreens auf), dazu kommen zwei von Contriva bekannte Gesichter: Max Punktezahl an der zweiten Gitarre und Drummer Andreas Haberl, der den unlängst ausgestiegenen Martin Messerschmid ersetzt.

Gebannt lauscht das Publikum der sich langsam, aber stetig entfaltenden Dynamik der Musik - und auch die Band scheint streckenweise wie in Trance. Tief tauchen sie in die Songs ein, wirken vor allem bei den neuen Stücken sehr konzentriert und haben zwischen den vereinzelt durch die lauten Gitarrenwände - einst das Markenzeichen von The Notwist - aufgebrochenen Songs auch keine Muße, Ansagen zu machen - das ein oder andere "1000 Dank" einmal ausgenommen. Merklich lockerer werden die fünf Musiker erst, als sich einige ältere Stücke ins Programm schleichen: "Pilot" ist in einer gefühlten zehn Minuten langen, aber dennoch in jeder Sekunde fesselnden Version im wahrsten Sinne des Wortes unbeschreiblich gut, und auch "Pick Up The Phone" erweist sich in sanft überarbeiteter Fassung als Highlight.

Für die Hörer draußen an den Radiogeräten (man hätte das Ganze natürlich auch am Laptop verfolgen können, aber wer will schon ein Radiokonzert als Stream hören?) endet das Konzert damit, vor Ort kommen die fünf Herren nach kurzer Pause unter frenetischem Jubel allerdings noch einmal in den Saal zurück. Merklich aufgetaut (Markus witzelt, dass man nun endlich sturmfreie Bude habe...) machen sie nahtlos da weiter, wo sie mit den beiden Großtaten zum Ende des Mainsets aufgehört haben. Auf das wenige Tage zuvor beim Radiokonzert in Österreich noch gespielte "Day 7" verzichten sie zwar leider, dafür gibt's eine tolle Version von "Chemicals", und selbst nach dem beim zuvor erwähnten FM4-Konzert als Rausschmeißer kredenzten "Sleep" ist noch nicht Schluss. Das Ende ist ein Anfang. "Good Lies", der Opener von "The Devil, You + Me", beschließt nämlich dieses bemerkenswerte Konzert im kleinen Rahmen. Auch die eingangs erwähnte Welttournee der Band steht noch am Anfang, wir freuen uns aber schon jetzt, wenn sie gegen Ende auch mehr Konzerte in unseren Breiten spielt.

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Surfempfehlung:
www.notwist.com
www.myspace.com/notwist
www.einslive.de
Text: -Simon Mahler-
Foto: -Gerrit Starczewski-


 
 

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