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Konzert-Bericht
 
Wüstenrock mit Herzschmerz

Hazeldine
Jim Wayne Swingtett/ Balsam

Oberhausen, Druckluft
29.05.2001
Hazeldine
Dass das Oberhausener Druckluft nicht gerade eine moderne Mehrzweckarena ist, dürfte bekannt sein, trotzdem passte der Charme der abgewrackten Hallen, an denen seit Zig Jahren nichts mehr getan worden zu sein scheint, ausgezeichnet zur Musik der drei Bands des Abends. Balsam erinnerten musikalisch an alles, was gut ist, von Souled American über Green On Red bis Neil Young, hatten aber zu wenig eigene Ideen, um wirklich das Publikum auf ihre Seite zu ziehen.
Ganz anders das Jim Wayne Swingtett, das zwar auch mehr auf die gute alte Zeit denn auf eigene musikalische Innovationen setzte. Aber immerhin bedienten sie sich bei wesentlich ungewöhnlicheren Quellen und präsentierten sich - in neuer Besetzung und mit einer großen Anzahl neuer Songs - als humorvolle Country- und Bluegrass-Band, die gerade deswegen so überzeugend und authentisch wirkte, weil sie's darauf nicht stur abgesehen hatte. Inzwischen ohne E-Gitarren und nur mit Standschlagzeug standen die vier Herren allesamt am Bühnenrand in einer Reihe, was nicht nur Demokratie suggeriert, sondern auch noch dazu gut aussieht, und spielten neben einigen umarrangierten Songs vornehmlich vom ersten Album auch eine astreine Version des Traditionals "Rank Strangers To Me", stilecht mit Banjo und Mandoline, und auch wenn Bassist Stefan seine Stimme beim Pokalfinale in Berlin gelassen hatte, war es vor allem der vierstimmige Harmoniegesang, der als neues Element beim JWS äußerst positiv überraschte.
Trotzdem konnten Hazeldine noch einen drauflegen. Es ist manchmal schon erschreckend, wie eine amerikanische Band, die nun wahrlich nicht zur Superstarliga zählt, dennoch jede - noch so gute - deutsche Band an die Wand spielen kann. Vielleicht liegt es am Wasser in den Staaten, vielleicht daran, dass es in New Mexico noch mehr Dreck und Staub gibt als im Ruhrpott, auf jeden Fall war bei dem "Wüstenrock mit Herzschmerz", wie der Sound des neuen Albums "Double Back" bereits passend bezeichnet wurde, wieder einmal klar: Was diese Band macht, ist keine Freizeitbeschäftigung, das ist eine Lebenseinstellung. Ohne die Qualitäten der drei Damen und ihres einmal mehr herzergreifenden Harmoniegesangs schmälern zu wollen - den Sprung von einem sehr guten zu einem herausragenden Konzert machten Hazeldine vor allem mit ihrem Tourgitarristen Neal Casal. Der war vor wenigen Wochen noch mit Lucinda Williams (deren neuestes Album "Essence" übrigens auch ein Knaller ist) on the road, ist im Sommer als Bassist der Newcomerin Shannon McNally unterwegs, und zwischendurch stand er also auch noch Hazeldine zur Seite und spielte seinen Part, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Während er sich bei den ruhigeren Nummern merklich zurückhielt und sich darauf beschränkte, gut auszusehen, verlieh er den Uptempo-Nummern einen angenehmen Southern-Rock-Touch und spielte, ohne auf Effekthascherei bedacht zu sein, immer wieder kurze, aber perfekt auf den Punkt gebrachte Soli, ohne dabei den drei Mädels die Show zu stehlen. Auf dem neuen Album haben sie ihre (positiven, wohlgemerkt) Erlebnisse in Rostock verarbeitet, und der ausgezeichneten Laune nach zu urteilen, die Hazeldine ob des fast ungewöhnlich enthusiastischen Publikums in Oberhausen zu haben schienen, gibt es ja in Zukunft vielleicht auch mal ein Stück namens "Oberhausen".

Madonna oder U2 brauchen dreistellige Eintrittspreise und unzählige Trucks voll von Technik, um einen schönen Abend zu bereiten, doch dieser Abend hat einmal mehr gezeigt, dass man dies für 18 Märker auch mit ein paar Gitarren, einigen wenigen Scheinwerfern und einem schwarzen Vorhang locker auf die Reihe kriegen kann.

Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Pressefotofreigabe-


 
 

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