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Konzert-Bericht
 
Momentaufnahme

Karate Disco
Vamos

Duisburg, Altes Mädchengymnasium
07.06.2008
Karate Disco
Eigentlich wollten wir Karate Disco bereits am Tag der Veröffentlichung ihrer selbstbetitelten Debüt-LP Mitte Mai im Blue Shell in Köln sehen. Ein Date mit der Jugendliebe (in diesem Fall: Lemonheads beim Pfingst Open Air in Essen) verhinderte dies. Auch zum Auftritt des Neuwieder Quintetts im Sonic Ballroom schafften wir es nicht, aber letztlich war das vielleicht auch ganz gut so. Es gibt nämlich Bands, die sollte man in ganz bestimmten Locations zum ersten Mal sehen, und für unsere erste Begegnung mit Karate Disco gab es keinen besseren Ort als den OSC-Keller des Alten Mädchengymnasiums in Duisburg-Rheinhausen.
Vamos
Der Keller, in dem das Konzert stattfindet, ist eigentlich ein winziger, herrlich abgefuckter, stickiger Proberaum, ausstaffiert mit allerhand Tand von abgewetzten Sofas bis hin zu vor Urzeiten aus der Bravo rausgerissenen Adam Ant-Postern an den Wänden und einer selbst gebauten Bar, an der freundliche Menschen sechs verschiedene Cocktails zu drei Euro das Stück verkaufen. Bier kostet 'n Euro und Limo gibt's für unschlagbare 50 Cent. Bevor jedoch Karate Disco auf der Bühne stehen, sind erst einmal Vamos an der Reihe, eine einst in Liverpool gegründete Band, die nun im irischen Galway heimisch ist und inzwischen einen dort studierenden Schlagzeuger gefunden hat, der selbstverständlich Deutscher ist. Das erklärt vermutlich den Wochenendtrip des Trios nach Duisburg. Doch nachdem Vamos ausgerechnet mit ihrer schlechtesten Nummer angefangen haben, beweisen sie gleich danach mit dem unbestrittenen Highlight "What's The Craic", wie "Punk" und "Ohrwurm" zusammenpassen. Der Song hat bereits die Schreiber der irischen Rock N Roll-Bibel Hot Press aufhorchen lassen, die darin die Respektlosigkeit der Saw Doctors und Elemente von The Vibrators entdeckt haben. Doch so viel Spaß der Hi-Energy-Pop-Punk (textliche Kostprobe: "You're never alone when you're schizophrenic") mit gleich zwei Sängern auch macht: Noch besser sind Vamos allerdings, wenn sie einen Gang zurückschalten und - bei "Numbers" zum Beispiel - fast klingen wie eine schrammelige Version der Housemartins. Dass uns die Band am Ende eine Nummer nicht vorspielt, sondern sogar vortanzt, ist auch wirklich klasse, nur die Zugaben hätte es am Ende nicht mehr gebraucht - die guten Songs haben die drei nämlich alle schon im regulären Programm gespielt.
Karate Disco
In der Umbaupause schiebt Karate Disco-Sängerin Ricarda Panik. Nicht nur, dass sich ein Großteil der Anwesenden zu diesem Zeitpunkt längst als Freunde und / oder Fans von Vamos zu erkennen gegeben hat, nein, das komplette Publikum hat auch den Keller verlassen. Glücklicherweise nicht, um schon nach Hause zu gehen (auch wenn es einen Moment lang wirklich so ausgesehen hat), sondern nur, um ein wenig frische Luft zu schnappen. Als Ricardas vier männliche Mitstreiter (in T-Shirts von Hammerhead, The Swat und Muff Potter) fertig aufgebaut hatten, ist es jedenfalls wieder voll vor der Bühne. Natürlich könnte der Sound besser sein, aber genau die kleinen Fehler machen an diesem Abend den Charme des Auftritts auf. Da verzeiht man Ricarda sogar, dass weniger manchmal mehr gewesen wäre. Jedenfalls redet sie sich gleich mehrfach um Kopf und Kragen und springt wie wild im Publikum umher, sodass man sich manchmal fast gewünscht hätte, ein um den Hals hängendes Saiteninstrument hätte ihren Bewegungsradius etwas eingeschränkt. Auch textlich schießen Karate Disco hier und da über das Ziel hinaus. "Kaffee und Kuchen" hätte es nicht unbedingt gebraucht, dafür sind "Mann von Welt" und "Nie wieder verliebt" richtig gut. Nur "Projektion", die einzige Nummer, die sich weder auf der LP (auf Rilrec, Vinyl gibt's in Co-Produktion mit dem großartigen Kölner Label Katze Platten) noch der Single (deren Songs übrigens allesamt auf der Bandwebsite als kostenloser Download zu haben sind) findet, ist der einzige echte Durchhänger. Das Publikum aber liebt den selbsterklärten "Deutsch Leistungskurs Punk", und am Ende muss sogar noch eine Zugabe her, auf die die fünf nicht vorbereitet sind. Also spielen sie den "Mann von Welt" noch mal, was ja eigentlich sehr uncool ist, in diesem Fall aber völlig in Ordnung geht, weil der Song echt ein Hit ist. Nach dem Konzert macht Gitarrist Alex charmant linkisch Werbung für den nächsten Karate Disco-Auftritt in der Region, und Ricarda sagt, dass sie froh ist, den Auftritt hinter sich gebracht zu haben. Vermutlich war das Konzert mehr Arbeit, als es der Band lieb war, doch ihr Einsatz hat sich gelohnt!
Surfempfehlung:
www.karatedisco.de
www.myspace.,com/karatedisco
www.deadmonkeyrecords.com
www.myspace.com/listerntovamos
Text: -Simon Mahler-
Fotos: -Simon Mahler-


 
 

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