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Konzert-Bericht
 
Punkrock am Nachmittag

Adolescents
White Flag/ Masshysteri/ Autistic Youth

Bielefeld, AJZ
29.06.2008

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Adolescents
Punkrock am Nachmittag? König Fußball machte es möglich! Um den ostwestfälischen Punkrockern die Chance zu geben, die deutsche Fußballnationalmannschaft im Finale der Europameisterschaft gegen Spanien verlieren zu sehen, wurde dieses international besetzte Minifestival mit den Adolescents, White Flag, Masshysteri und Autistic Youth kurzerhand auf den Nachmittag verlegt. Um kurz nach 16.00 Uhr stand an diesem sonnigen Sonntag bereits die erste Band auf der Bühne des Bielefelder AJZ, und um nicht einmal 21.00 Uhr war der ganze Spuk auch schon wieder vorbei.
So lag es zunächst an Autistic Youth aus Portland, Oregon, zu beweisen, dass echte Punkrocker zu jeder Tages- und Nachtzeit überzeugen können - und das tat das junge Quartett dann auch. Nicht nur, dass ihr Drummer Seve Sheldon gleich zu Beginn ganz locker den Preis für die beste äußere Erscheinung (siehe Fotos) abräumte, nein, die Band haute uns auch cool, schnörkellos und ohne hinderliche Extras ihre hochmelodiösen Songs um die Ohren. Der Innovationsgehalt war gleich null, aber darum ging es den Amerikanern auch nicht. Und weil neben den Wipers die Adolescents zu den wichtigsten Einflüssen der Autistic Youth zählen, ließ es sich die Band auch nicht nehmen, später am Abend bei ihren Idolen in vorderster Front mitzumischen.

Die zweite Band war nach diesem vergleichsweise konventionellen Einstieg deutlich anders. Die schwedischen Masshysteri stammen aus Umea Rock City, die nicht nur die großartige (International) Noise Conspiracy hervorgebracht hat, sondern auch die vielgelobten The Vicious. Aus dem Personal Letzterer rekrutieren sich Masshysteri, die unglaublich energiegeladen ihre kurzen, prägnanten Old-School-Songs auf das nichtsahnende Publikum abfeuerten. Gitarrist Robert und Bassistin Sara teilten sich dabei den Gesang nicht nur, nein, sie sangen gemeinsam. Das war ebenso erfrischend anders wie Saras Bassspiel und ihre Bühnenshow, die nichts mit dem schüchternen Auftreten vieler anderer weiblicher Kolleginnen zu tun hatte, sondern vielmehr an Rampensau Lemmy Kilmister erinnerte!

Im Anschluss: White Flag bzw. die Band, die sich an diesem Abend so nennen durfte. Dass die kalifornischen Punk-Spaßvögel die Besetzung schneller wechseln als eine Hair Metal-Band die Groupies, dürfte aufmerksamen Lesern dieser Seiten bekannt sein, dass sie aber innerhalb eines Wochenendes in zwei grundverschiedenen Besetzungen auf der Bühne standen, war selbst für White Flag-Verhältnisse fast schon gewagt. Weil Chips K. und Kent Crimson, die auf dieser Europatournee Gitarre und Bass bedienten, am Tag vor dem Bielefelder Konzert mit ihrer Band Sator einen Festivalauftritt in der schwedischen Heimat hatten, blieb Pat Fear und Drummer Trace Element nichts anderes übrig, als kurzerhand zwei Fans / Freunde aus dem niederländischen Den Helder (wo White Flag aus nicht ganz geklärten Gründen vergöttert werden wie sonst nirgends auf der Welt) als Ersatz zu engagieren. Und die zwei machten ihre Sache ganz ausgezeichnet. Dass hier nur die "Reserve" auf der Bühne stand, war höchstens daran abzulesen, dass das 45-minütige Programm ausschließlich aus Klassikern wie "Instant Breakfast", "White Flag" oder "Jungle" bestand, also alles Songs, die White Flag bei ihrem letzten Auftritt im AJZ Bielefeld vor 22 (!) Jahren auch schon gespielt hatten. Die Obskuritäten, mit denen White Flag im März in Köln ihr Publikum noch wahlweise geschockt oder begeistert hatten, blieben an diesem Abend außen vor.

Und die Adolescents? Wer gedacht hatte, hier alte Männer zu sehen zu bekommen, die kurz vor der Rente noch mal absahnen wollen, sah sich getäuscht. Natürlich sind finanzielle Interessen bei dieser neuerlichen Reunion der HC-Legende aus Orange County sicherlich nicht völlig wegzudiskutieren, aber das Punkrock-Feuerwerk, das die Adolescents ihrem Publikum boten, muss so manche junge Band erst einmal hinbekommen! Da machte es gar nichts, dass zuletzt die Besetzung der Band ähnlich schnell rotierte wie die von White Flag. Der Elan, mit dem sich der inzwischen auch etwas in die Jahre gekommene Frontmann und Bandgründer Tony Reflex - an diesem Abend im Fu Manchu-Shirt angetreten - in die Songs warf, war wahrlich beachtlich. Das sah auch das Publikum so, das seine Helden vom ersten Ton an feierte. Kein Wunder, schließlich dürften nur die wenigsten im Saal je zuvor die Chance gehabt haben, diese kalifornische Punk-Legende live auf der Bühne zu bewundern. Entsprechend war auch das Programm ausgerichtet: Neben den obligatorischen Stücken aus dem vor einiger Zeit veröffentlichten Comebackalbum "O.C. Confidental" stammte ein Großteil der auf der Setlist verewigten Nummern aus dem legendären selbstbetitelten Erstlingswerk der Adolescents von 1980. "Who Is Who", "Self Destruct", "Amoeba", "Creatures" und natürlich "Kids Of The Black Hole" zum Schluss - diese Songs kennen kein Verfallsdatum, und deshalb war es auch fast 30 Jahre nach der Bandgründung eine helle Freunde, die Adolescents auf der Bühne zu sehen.

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Surfempfehlung:
www.theadolescents.com
www.myspace.com/whiteflagofficialmyspacesite
www.myspace.com/masshysteri
www.autisticyouth.com
Text: -Simon Mahler-
Foto: -Simon Mahler-


 
 

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