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Geisterstunde

Damon & Naomi (With Ghost)

Utrecht, Ekko
24.05.2001

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Damon & Naomi
"Heute ist hier jemand im Publikum, der denken muss, dass wir nicht besonders populär sind. Er hat uns vor drei Jahren in einer anderen Stadt, sogar in einem anderen Land gesehen, und dort waren auch ziemlich wenig Zuschauer", begrüßt Damon Krukowski das - wohlwollend ausgedrückt - handverlesene Publikum in Utrecht. Einem wunderschönen Konzert stand trotzdem nichts im Wege, denn Damon & Naomi sind solche Rückschläge nicht nur gewohnt, sondern sie haben auch gelernt, dass viele zahlende Zuschauer nicht zwangsläufig ein gutes Publikum ergeben.
Dass es an diesem Abend bei bestem Fußballwetter nur wenige Leute zum Konzert geschafft hatten, war ebenso verständlich wie schade, denn neben Damon & Naomi stand auch noch Michio Kurihara, der Wundergitarrist der japanischen Band Ghost, mit auf der Bühne, mit dem die zwei Amerikaner auch schon auf ihrem clevererweise "Damon & Naomi With Ghost" betitelten neuen Album zusammengearbeitet hatten. "Wir arbeiten unheimlich gerne mit anderen Leuten zusammen. Für uns war das immer der Hauptgrund, in einer Band sein zu wollen, und nicht etwa, ein Star werden zu wollen. Die Platten von Ghost haben mein Leben verändert, klar, dass es da eine Ehre ist, mit ihnen spielen zu können", erzählte uns Naomi vor der Show und zeigte sich gleichzeitig etwas enttäuscht, dass ihr Stargast bei den bisherigen Konzerten nicht mit der Begeisterung vom Publikum aufgenommen wurde, die sie erwartet hatten. "Man muss ihm sehr gut zuhören, denn was er spielt, ist sehr subtil", weiß Naomi, und Damon ergänzt: "Ja, er springt nicht auf der Bühne herum und zeigt dir, was für ein Genie er ist, er ist es einfach." Der Grund dafür, dass sich die Zuschauer weniger auf Kurihara konzentrieren, sollte D&N allerdings freuen. Immerhin drückt das Publikum so nur seine Hochachtung vor den zweien aus, mit anderen Worten: Schön, dass Kurihara dabei ist, aber wir wären auch zum Konzert gekommen, wenn er nicht mit auf Tour gegangen wäre.

Denn in erster Linie war es natürlich eine Damon & Naomi-Show, und deshalb hielt sich der schüchterne Japaner beispielsweise bei der ersten Nummer, "Judah", auch merklich zurück, wenngleich er bei allen Songs mit kleinen, aber feinen Licks auf seiner Gibson SG die melancholisch-zerbrechlichen Songs von D&N virtuos und wirkungsvoll ergänzte. Neben den neuen Songs gab es auch aus den frühen Alben des Duos die Highlights à la "Eye Of The Storm" und "NYC" noch einmal zu hören, und die Version von Tim Buckleys "Song To The Siren" war eine ähnlich ergreifende Darbietung wie bei der letzten Tournee Big Stars "Blue Moon". Witzig auch, dass sie sich nach dem Song ausgiebig über seine textliche Bedeutung stritten und Naomi sogar im Publikum nach Unterstützung für ihre Theorie suchte. So sehr die beiden seit ihren Galaxie-500-Zeiten auch immer als Einheit gewirkt haben, auf der Bühne scheinen sie eine besondere Vorliebe für kleinere Reibereien zu haben. Obwohl ihre Platten eigentlich viel zu ausgeklügelt sind, um den Sound zu zweit (respektive zu dritt) auf der Bühne reproduzieren zu können, vermisst man bei D&N trotzdem soundmäßig nie etwas. Grund dafür ist, dass die beiden Amerikaner auch bei ihren Aufnahmen nicht auf die inzwischen fast obligatorischen Hilfsmittel wie ProTools zurückgreifen. "Wir verstecken uns auch bei den Aufnahmen hinter nichts", erklärt Damon, und Naomi fügt lachend an: "Es ist genauso wie bei den Konzerten: What you see is what you get!"

Und das waren bei den letzten beiden Songs des regulären Sets vor allem grandiose Gitarrensoli von Kurihara, bei denen selbst Neil Young wohl noch verblüfft gewesen wäre. Aber natürlich gab es auch noch Zugaben. Die erste war ein besonderes Highlight, weil sie an Kuriosität eigentlich kaum zu überbieten war. Egal ob Drone-Rock, English Folk, indische Volksmusik oder japanischer Pop-Experimentalismus - D&N haben alles schon ausprobiert, aber sie zusammen mit ihrem japanischen Gast ausgerechnet einen COUNTRY-Song spielen zu hören (noch dazu sehr gut), war wirklich ebenso überraschend wie amüsant. Der Song in Frage war Gram Parsons "A Song For You", und die Version von D&N war definitiv eine der eigenständigsten Coverversionen dieses nicht gerade selten nachgespielten Songs ever. Und weil, wie eingangs erwähnt, die Zahl der Zuschauer für D&N nicht entscheidend ist, gab es für die zweite Zugabe auch gleich noch ein Schmankerl: D&N auf Japanisch, mit ihrer Version des Songs "Love" von der obskuren japanischen 60s-Band The Jacks.

Ein rundum gelungener Abend mit viel Understatement und einer Band, die man einfach gern haben muss, gerade weil sie nicht immer in ausverkauften Häusern spielt und gerade weil nicht immer alles hundertprozentig passt. Äußerst sympathisch, weil menschlich. Beim nächsten Mal überzeugen sich hoffentlich ein paar mehr Leute persönlich davon.

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Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Stefan Claudius-


 
 

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