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The Wedding Present

Köln, Gebäude 9
28.11.2008

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The Wedding Present
Billy Bragg gelingt es immer wieder, trotz allabendlich ziemlich statischer Setlisten Konzerte aus dem Hut zu zaubern, die unterschiedlicher nicht sein könnten. The Wedding Present dagegen gehen den entgegengesetzten Weg: Trotz komplett anderer Songs erinnerte bei ihrem neuerlichen Auftritt im Kölner Gebäude 9 vieles an ihr letztes, ganz ausgezeichnetes Gastspiel an gleicher Stelle vor gut zweieinhalb Jahren.
Zum einen stand die Band in identischer Besetzung auf der Bühne, was durchaus eine Erwähnung wert ist, schließlich hatte sich 2005 /2006 das Besetzungskarussell bei den einst in Leeds gegründeten Schrammel-Pop-Ikonen in schwindelerregender Schnelligkeit gedreht, bis Vordenker David Gedge mit Gitarrist Christopher McConville, Drummer Graeme Ramsay und Bassistin Terry De Castro eine Besetzung gefunden hatte, mit der er es mehr als nur ein paar Monate aushält. Zum anderen zeigte sich schnell, dass die Band auch weiterhin von den gleichen Luxusproblemen "geplagt" wurde. Einerseits haben The Wedding Present viel zu viele großartige Songs, um sie alle an einem Abend zu spielen, andererseits beraubt sie der Verzicht auf jegliche Zugaben (echte wie zuvor festgelegte) der Chance, das Programm nach dem obligatorischen Runterbringer kurz vor Schluss auf seinen Höhepunkt zusteuern zu lassen. Im Gebäude 9 löste die Band diese Probleme allerdings souverän. So tauchten im 21 Songs umfassenden Programm gerade einmal zwei auf, die Gedge und die Seinen bereits 2006 gespielt hatten, zum anderen nahmen sie ihren rasanten Überhit "Kennedy", den sich jede andere Band definitiv für die Zugaben aufgehoben hätte, und legten gleich wortlos damit los!

Überhaupt war das Programm einmal mehr sehr ausgeklügelt. Aus (fast) allen alten Alben gab es Stücke zu hören, immer wieder unterbrochen durch Nummern aus dem neuen Werk "El Rey" (wie dem von "Breakfast At Tiffany's" inspirierten "Don't Take Me Home Until I'm Drunk"), nette B-Seiten-Obskuritäten ("Gone") oder einen Abstecher zum poppigen Werk des WP-Ablegers Cinerama ("You Turn Me On"). Außerdem hatten es praktisch sämtliche Stücke, die wir bei letzten Mal vermisst hatten, auf die Setlist geschafft. Dabei erwies sich vor allem das bittere, zum Schluss explodierende "Interstate 5" aus dem 2005er Album "Take Fountain" als echtes Highlight (mehr noch, als bester Song des gesamten Abends!) und strafte damit alle Kritiker Lügen, die in The Wedding Present nur einen Nostalgie-Act sehen.

Die Kommunikation mit dem Publikum beschränkte sich auch dieses Mal größtenteils auf Gedges expressive Körpersprache beim Singen, nur einmal suchte er den Dialog mit seinen Fans, als er sich unvermittelt mit "Noch Fragen?" an die Menge vor der Bühne wendete. Als Antwort schallte sofort der Titel des frühen Hits "Everyone Thinks He Looks Daft" zurück, was der Frontmann locker mit "Das war keine Frage, das war ein Wunsch!" konterte. Und natürlich ignorierte er den Zwischenruf völlig, schließlich spielen The Wedding Present nicht nur keine Zugaben, sie erfüllen auch keine Wünsche. Das bekam auch die anwesende Hochzeitsgesellschaft (!) zu spüren, die Gedge zwar kurz erwähnte, die aber ansonsten mit keinerlei musikalischen Zugeständnissen rechnen durfte.

Doch dafür, dass der inzwischen in Amerika heimische Brite auch nach mehr als zwanzig Jahren ungeheuer eigensinnig ist, verließen doch die meisten Zuschauer nach kurzweiligen 90 Minuten, die mit dem brachialen Doppelpack "Dalliance" und "Dare" aus dem "Seamonsters"-Album und dem episch breiten und vergleichsweise sanft beginnenden und sich zum Neil Young-Tribut steigernden "Boo Boo" aus der neuen Platte endeten, den Konzertsaal mit einem zufriedenen Grinsen auf dem Gesicht.

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Surfempfehlung:
www.scopitones.co.uk
www.myspace.com/theweddingpresent
en.wikipedia.org/wiki/The_Wedding_Present
www.somethingandnothing.net
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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