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Konzert-Bericht
 
Therapie gelungen

Sophia
Black Rust

Bochum, Bahnhof Langendreer
15.05.2009

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Sophia
"Therapie" hatten wir unser Feature zum neuen Sophia-Album "There Are No Goobyes" vor einigen Wochen betitelt. Nimmt man das Konzert von Robin Proper-Sheppard und seiner Band in Bochum als Maßstab, ist die "Behandlung" wohl angeschlagen, denn so aufgeräumt haben wir den Amerikaner selten erlebt. Kein Wunder also, dass das Konzert im Bahnhof Langendreer wirklich famos war.
Den Anfang machten Black Rust, deren jüngstes Werk "Medicine & Metaphors" Robin Proper-Sheppard produziert hat und die den Americana-Twang in ihren Songs so perfekt rüberbrachten, dass man gar nicht glauben mochte, dass die Band aus Westfalen und nicht etwa aus Arizona stammt. Mit ihrem größtenteils akustischen Instrumentarium - zwei Gitarren, Kontrabass, Piano, Schlagzeug und Percussion - waren sie musikalisch zwar oft anderen City Slang-Künstlern wie Calexico oder Lambchop näher als Sophia, aber textlich - und mit sinngemäßen Ansagen à la "Der nächste Song handelt davon, mit einem Mädchen auszugehen und alleine aufzuwachen" - passten sie perfekt zum Hauptact. Einziges Manko: Nach 35 kurzweiligen Minuten versuchten sie sich an Neil Youngs "Rockin' In The Free World", das nach verheißungsvollem Beginn - langsam und launisch - zu einer Unplugged-Abziehversion des Originals geriet. Mit dieser unnötigen Aktion verwässerte die Band aus Ahlen ein wenig den sehr positiven Gesamteindruck.

Um den musste sich Robin Proper-Sheppard an diesem Abend keine Gedanken machen. Fast genau zehn Jahre nach dem letzten Sophia-Gastspiel in Langendreer ("Damals haben wir alle gesessen und deshalb hat der Saal ganz anders auf uns gewirkt", sagte der Sophia-Vordenker zur Begrüßung) lieferte der Frontmann mit seiner vielköpfigen Band - fünf reguläre Bandmitglieder und ein Streichquartett - einen Auftritt ab, der in jeder Hinsicht geradezu unerwartet fokussiert und noch dazu reich an musikalischen Highlights war. Dazu gehörte auch gleich der erste Song, "The Sea", der sich langsam steigerte, Gitarrist Adam Franklin die Gelegenheit zu einem langen, perfekten Solo bot und zum Schluss den Streichern die erste von vielen Möglichkeiten gab, sich in den Vordergrund zu spielen. Hatte man bei früheren Sophia-Tourneen mit Band und Streichern bisweilen etwas den Eindruck gehabt, die Streicher seien nur Beiwerk, spielten sie dieses Mal auch mixtechnisch eine jederzeit zentrale Rolle und kamen deshalb viel besser zur Geltung.

Anders als bei den "Aufwärmkonzerten" im Februar, als es praktisch gar keine neuen Songs zu hören gab, standen nun natürlich die Stücke von "There Are No Goodbyes" im Mittelpunkt. Dass sie allesamt ganz ausgezeichnet klangen, lag nicht zuletzt an Astrid Williamson. Die frühere Frontfrau von Goya Dress, seit einigen Jahren erfolgreich solo unterwegs, übernahm nicht nur einige Keyboard-Parts oder machte am Tamburin eine ausgezeichnete Figur (was nicht als Scherz gemeint ist - gerade die rockigeren Nummern untermalte das oft belächelte Instrument ausgezeichnet!), sondern sang vor allen Dingen bei fast allen Nummern gemeinsam mit Proper-Sheppard. Das war nicht zuletzt deshalb interessant oder gar amüsant, weil er sie vorstellte mit: "Astrid hat mir das Herz gebrochen. Die meisten dieser Songs handeln von ihr!"

Während Songs wie "Storm Clouds" oder "A Last Dance (With Sad Eyes)" sich relativ nah am Studio-Original orientierten, geriet der Popsong "Obvious" live zu einer echten Rocknummer, ähnlich wie auch "Pace" aus dem Vorgängeralbum - sehr zur Freude des Protagonisten übrigens, der den kompletten Auftritts über bestens gelaunt schien und viel mehr lachte als sonst üblich. So sehr sogar, dass er sich den Spruch "If I smile, don't call me a sellout" nicht verkneifen konnte. Grund für seine Freude war nicht zuletzt "Something", das er als den besten Song, den er je geschrieben habe, bezeichnete und das sich - nicht zuletzt wegen Williamsons wunderbarer zweiter Stimme - auch in Bochum als absolutes Highlight entpuppte. "Dieser Song hat mich glücklich gemacht", sagte er danach. Er war nicht allein! Der letzte Song im regulären Set war das großartige "I Left You", bei dem Williamson zwar nicht offiziell mit von der Partie war - sie saß am Bühnenrand -, aber dennoch auch ohne Mikro jedes Wort mitsang...

Nach kurzer Pause kamen zunächst nur Proper-Sheppard und die Streicher zurück auf die Bühne. Nun seien ein paar Akustiksongs geplant, wurde uns erklärt, und dann käme die Band zurück "to rock like a motherfucker". "Heartache" war die erste der zwei Akustiknummern und trotz des traurigen Textes einfach nur wundervoll. Die Studioaufnahme ist toll, aber ohne deren zusätzlichen Elemente und mit den Streichern noch weiter im Vordergrund war das Stück live noch herzergreifender. Gleiches lässt sich auch über "Lost" sagen, das sich anschloss. Dann kehrte die Band zurück, um das von Proper-Sheppard gegebene Versprechen einzulösen. "Oh My Love" und das unvermeidliche "The River Song" (übrigens etwas überraschend der einzige Auszug aus den ersten beiden Sophia-Werken an diesem Abend) wurden von der Band in Grund und Boden gerockt - und machten gerade deshalb einen Mordsspaß.

Nach rund 90 Minuten war der mitreißende Auftritt dann vorbei. Auch ohne "If Only" oder "So Slow" war es Proper-Sheppard und seinen Mitstreitern an diesem Abend gelungen, das Sophia-Universum mit viel Spaß perfekt auf den Punkt zu bringen. Applaus!

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Surfempfehlung:
www.sophiamusic.net
www.myspace.com/somuchweakness
Text: -Simon Mahler-
Foto: -Stephanie Schorre-


 
 

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