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Konzert-Bericht
 
Weltpremiere mit Prinzessin

Ken Stringfellow & The Vienna All-Stars

Wien, Project Space Kunsthalle Wien
14.12.2009

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Ken Stringfellow & Vienna All-Stars
Fünf Jahre ist es inzwischen her, dass Ken Stringfellow sein letztes Soloalbum "Soft Commands" veröffentlich tat, und der Nachfolger ist leider noch nicht einmal mittelfristig in Sicht. 2010 wird der in Paris heimische Amerikaner nämlich passend zum 23. Bandgeburtstag ein neues Album mit The Posies aufnehmen, 2011 hat dann erst einmal das nächste Werk seiner "Zweitband" The Disciplines Priorität. Um den Anhängern seines Solo-Oeuvres die Wartezeit etwas zu verkürzen und um zu unterstreichen, dass es ihm keinesfalls an Songs, sondern lediglich an Zeit für einen weiteren Alleingang fehlt, absolvierte er ein ganz spezielles, im wahrsten Sinne des Wortes einmaliges Konzert in Wien.
Auf seiner Facebook-Seite kündigte Stringfellow den Auftritt wie folgt an: "Playing tonite (Monday) at Kunsthalle Project Space in Vienna--tons of new songs, some world debuts. All star Vienna band featuring Ben Martin, Landscape Izuma, Stefan Fallmann, Daniel Letschka and more." Und genau das gab es dann auch! Zwei brandneue KS-Songs, sechs weitere unveröffentlichte Nummern, die in den vergangenen Jahren schon hier und da bei seinen Solo-Shows aufgetaucht waren, zwei ausgezeichnete Coverversionen und vor allem eine Band, die trotz fehlender gemeinsamer Proben mit ihrem "Frontmann" - der Soundcheck vor dem Konzert musste für 17 Songs reichen! - Stringfellows neue wie alte Songs wirklich ausgezeichnet in Szene zu setzen verstand. Da störte es kaum, dass der bühnenlose Project Space eher eine Galerie als ein typischer Konzertraum ist, und selbst die leider unüberhörbaren Aussetzer der PA ließen sich letzten Endes verschmerzen.

Nach einem langen Monolog Stringfellows zur Einleitung folgte gleich das erste Highlight: "110 Or 220 V" ist ein Song, der sich mit der Übersiedlung des Autors von Amerika nach Europa auseinandersetzt und mit dem für Stringfellow untypischen Mundharmonika-Einsatz ein wenig Neil Young'sches Flair atmet, was durch den leichten Country-Twang, den die Band hinzufügte, wirkungsvoll unterstrichen wurde. Passenderweise spielten die fünf Herren später am Abend übrigens auch noch eine prima Coverversion von Neil Youngs "Birds".

Auch "History Buffs", dessen hymnische Züge schon in der Soloversion unüberhörbar waren, gewann durch die Bandbegleitung deutlich, doch die Nummer, der die Unterstützung durch die Vienna All-Stars am besten tat, war ohne Frage "She's Coming Down Again", das in dieser ungemein dynamischen Power-Pop-Version fast mehr nach The Posies als nach Stringfellow solo klang. Das größte Lob gebührte der Band allerdings für ihre Arrangements bei den textlastigsten neuen Songs wie "Even The Forgers Were Left Fingering The Fakes" oder "Saviour's Hands", die solo doch etwas zu eintönig geklungen hatten, an diesem Abend aber ihr wahres Potenzial offenbaren konnten. Dagegen blieb die erste echte Weltpremiere des Abends, "You're A Sign", (noch) etwas blass, und das zuvor schon solo gespielte "Shit Talkers" wurde leider auch mit Band nicht wirklich besser.

Das unbestrittene Highlight unter den neuen Songs war allerdings eine Nummer, die so ungewöhnlich war, dass viele sie vermutlich zunächst für eine weitere (obskure) Coverversion hielten. Zusammen mit der Gastsängerin Marilies Jagsch sang Stringfellow nämlich - erstmals! - ein einfach nur hinreißendes, countryfiziertes Duett à la Lee & Nancy namens "Doesn't It Remind You", das unglaublich authentisch nach den 60s klang und überhaupt keine Bezugspunkte zum bisherigen Schaffen des Amerikaners aufzuweisen schien - und trotzdem aus seiner Feder stammte. Wow!

Garniert wurden all die neuen Songs mit rund einem halben Dutzend alter Stringfellow-Nummern, von denen vor allem die ambitioniertesten wie "You Become The Dawn" und "Uniforms" gefallen konnten. Wirklich wunderschön auch das sanfte Arrangement von "Solar Sister" am Ende des Sets, das - als gälte es, den Bogen zurück zum Anfang zu schlagen - ebenso ungewohnt wie treffend countryesk klang und somit dem eigentlich längst totgespielten Song ganz neue Seiten abgewann.

Für die allerletzte Nummer holte sich Stringfellow dann abermals weibliche Gesangshilfe und beschloss den Abend gemeinsam mit Anna Kohlweis alias Paper Bird und einer wahrlich stürmischen, ausufernden Version des TLC-Klassikers "Waterfalls"! Die langen Instrumentalpassagen des Songs bewiesen noch einmal, wer der heimliche Star des Abends gewesen war: Nicht Stringfellow, der auch mit Band im Rücken nicht auf einige seiner berüchtigten Alleinunterhalter-Einlagen verzichtete, nicht seine - alles andere als schlechten - neuen Songs, sondern die Vienna All-Stars, die wirklich eine ganz hervorragende Figur abgaben - konzentriert, unaufgeregt und trotz der widrigem Umstände äußerst souverän. Als Dank holte sich ausgerechnet der musikalische Direktor Martin einen Spruch von Stringfellow ab. Als er, etwas zögerlich und deshalb zu leise, darum bat, die über seinem Kopf angebrachte Klimaanlage herunterzufahren, verdeutlichte Stringfellow den Wunsch des Gitarristen noch einmal mit den Worten: "Prinzessin Ben Martin möchte, dass die Klimaanlage über ihrem Kopf abgeschaltet wird!"

Auch für das Fazit des Abends sorgte Stringfellow zum Schluss selbst, als er zum Abschied sagte: "Das sollten wir fünf Jahre nach meinem nächsten Soloalbum wieder machen". Wir bitten darum!

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Surfempfehlung:
www.kenstringfellow.com
www,myspace.com/kenstringfellow
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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