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Konzert-Bericht
 
Nachdenklich

Bernd Begemann

Essen, Grend
25.09.2009

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Bernd Begemann
"Ich erkläre diese Krise für beendet" lautet der Titel des dieser Tag erscheinenden Bernd Begemann-Albums. Leider liegt uns das Werk nicht zur Besprechung vor, aber dass der Titel nicht ausschließlich als augenzwinkernder Seitenhieb auf die wirtschaftliche Lage in Deutschland gemeint ist, darf man nach dem exzellenten Auftritt in Essen durchaus als gesicherte Tatsache betrachten. Nachdem Bernds letztes Studioalbum "Ich werde sie finden" nicht unbedingt ein Klassiker war und die Songs der Platte auch nur sporadisch im Konzertprogramm auftauchten, spielte der Hamburger Liedermacher mehr als die Hälfte der Stücke seines neuen, am Konzerttag noch unveröffentlichten Albums und konnte trotzdem bzw. gerade deshalb einmal mehr überzeugen.
Ungewöhnlich, aber großartig schon der Beginn. Ohne sich mit einer Begrüßung oder Ansage aufzuhalten, schaltete Bernd seine "Band" auf dem iPod ein und sang, als sei es das Normalste der Welt, zum Backingtape "Please Please Me" von den Beatles! Danach folgte eine erste Konzerthälfte, die songtechnisch fast ausschließlich mit textlichen Runterbringern à la "Viel zu glücklich, um es lange zu bleiben" gespickt war. Dabei ließ Bernd mit Songs wie "Wir 3" und den dazugehörigen Ansagen ungewöhnlich tief in sein Seelen- und Familienleben blicken. Auch wenn er seine Gedanken bisweilen in die üblichen Klamauksprüche ("Wer ist hier und hat die Babysitter-Stechuhr am Ticken?") verpackte, war doch nicht zu überhören, dass dort ein anderer Bernd Begemann auf der Bühne stand, gewichtiger und tiefgründiger als sonst. Irgendwann wurde ihm die Stimmung wohl etwas zu düster, und deshalb beendete er den ersten Teil des Konzerts mit leichter Kost, sprich, dem (angeblich) gerne missverstandenen Klassiker "Kelly Family Feeling".

Auch im zweiten Teil gab es zwar unerwartet viele nachdenkliche Lieder, allerdings auch einige abstruse Comedyeinlagen, denn für "Ich identifiziere mich nicht mit der Firmenphilosophie" fuchtelte Bernd doch tatsächlich mit einer Plastikstrahlenpistole herum und hatte daran (wie übrigens auch das Publikum) einen Heidenspaß, obwohl das Gerät etwas länger brauchte, um auf Betriebstemperatur zu kommen... Weniger lustig, dafür umso beeindruckender war das Medley aus Tilman Rossmy-Songs, das Bernd zu Ehren des besten Essener Songwriters (Nein, das ist nicht Stoppok, wie jemand im Publikum glauben wollte!) zum Besten gab. Neben "Loswerden" versuchte sich Bernd auch noch an "Mir gehts gut heute Nacht", und sogar ein paar Zeilen aus "Markus" gab es zu hören, garniert mit ein paar netten krassen Geschichten zu Tilmans wilder Jugend.

Kurz vor Ende gab es dann sogar noch eine unseres Wissens brandneue Nummer namens "Teil der lebendigen Stadtteilkultur" zu hören, die natürlich ganz besonders gut in ein Soziokulturelles Zentrum wie das Grend passte, bevor das unvermeidliche "Fernsehen mit deiner Schwester" das Konzert vorerst beendete. Vorerst deshalb, weil natürlich noch eine ausführliche Zugabe folgte. Auch dort gab es allerdings vornehmlich kontemplative Nummern zu hören und nicht etwa Mitsingklassiker vom Schlage "Unten am Hafen". Das ist übrigens ausdrücklich nicht als Kritik gemeint - wer wollte sich ob großartiger Songs wie "Deutsche Hymne ohne Refrain", "Wenn du mich dann liebst" oder "Wenn wir Glück haben" schon beschweren? -, dennoch war die Stimmung des Konzertes trotz "Zweimal 2. Wahl" und "Oh, St. Pauli" ungewohnt besinnlich.

Dazu passte dann auch, dass Bernd ganz zum Schluss beim zweiten Zugabenblock zwar versuchte, noch einige fröhliche bzw. zynische Lieder zu spielen, sich aber kaum dazu überwinden konnte. "Mitleid mit den Dummen" brach er nach wenigen Zeilen mit den Worten "Was für ein freudloses Lied" ab, und auch das finale Medley aus den Refrains von "Eigentlich wollte ich nicht nach Hannover, "Kein Glück im Osten" und "Judith" hakte Bernd eher pflichtbewusst und so schnell wie möglich ab. Dass dieses Gastspiel Grend dennoch ein tolles Konzerterlebnis war, lag nicht zuletzt daran, dass wir den albernen Bernd nun wirklich schon oft genug erlebt haben. Wir sind jetzt schon gespannt, wie er sich beim nächsten Mal präsentieren wird!

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Surfempfehlung:
www.berndbegemann.de
www.myspace.com/berndbegemann
www.tapeterecords.de/index.php?id=610
www.ohrensessel-filme.de
de.wikipedia.org/wiki/Bernd_Begemann
Text: -Simon Mahler-
Foto: -Simon Mahler-


 
 

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