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Konzert-Bericht
 
Oh-ey-oh-oh-oh-oh

The Thermals
Telekinesis/ The Rosebuds

Bochum, Bahnhof Langendreer
23.10.2009

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The Thermals
Nein, die Band, die im Sommer 2004 das Gebäude 9 in Köln im Sturm eroberte, als sie mit ungeheurer Wucht und praktisch ohne jede Pause durch ihr Set jagte, sind The Thermals sicher nicht mehr. Schlechter klingen sie natürlich deshalb nicht, nur etwas anders. Und anders ist gut, wie ihr fabelhaftes Konzert in Bochum bewies. Außerdem hatten sie ein unterhaltsames Rahmenprogramm mitgebracht: The Rosebuds machten den Anfang und bewiesen dabei auch auf der Bühne ihre Wandlungsfähigkeit. Auf Platte hat sich das Duo aus North Carolina in den letzten sechs Jahren mal als fröhliche Indierock-Band, mal als düstere Synth-Pop-Formation präsentiert, in Bochum dagegen interpretierten Ivan Howard und Kelly Crisp ihre Songs als unterhaltsamen Indiefolk mit Akustikgitarre und Akkordeon - The Shout Out Louds würden unplugged vermutlich ähnlich klingen. Ein verheißungsvoller Auftakt!
Während sich The Rosebuds ihr Publikum erst noch erspielen mussten - was ihnen durchaus gelang, immerhin konnten sie bei ihrer letzten Nummer das Publikum sogar zu einem Singalong bewegen -, hatten Telekinesis ihre Fans gleich schon mitgebracht. So manche(r) im Saal schien sich gar mehr auf den singenden Drummer Michael Lerner und seine beiden Mitstreiter an Bass und Gitarre zu freuen als auf den Hauptact! Kein Wunder, schließlich werden ihre Platten von Chris Walla produziert und in den USA beim Superchunk-Label Merge Records veröffentlicht und damit praktisch die Pioniere des 90er-Jahre-Indierock und die Lieblinge der 2000er-Version unter einen Hut gebracht.

Vor Energie sprühend und mit streckenweise geradezu kindlicher Freude stürzten sich die drei in die simplen, aber durchaus ohrwurmigen Songs ihres unlängst erschienenen Debütalbums und äußersten - sehr amüsant - Unverständnis über das Konzept von "Starlight Express" und bewiesen dabei ganz nebenbei, dass sie sich auf den Auftritt in Bochum nicht nur musikalisch gut vorbereitet hatten. Nach der Energieleistung zu Beginn griff Michael irgendwann zur Akustikgitarre, um ein paar Songs ohne Chris Staples und Chris Broecker zu spielen. Das Highlight dabei: Eine Coverversion von Teenage Fanclubs "The Concept", das Kelly von den Rosebuds am Bühnenrand stehend übrigens begeistert mitsang. Ihren hätten sich die drei allerdings bis zum Schluss aufgehoben. Obwohl eigentlich in Seattle heimisch, zollten sie zum Schluss noch der "Coast Of Carolina" Tribut und lösten damit einen Freudentaumel im Publikum aus, der bei Vorgruppen wahrlich selten ist.

Dass The Thermals keine gewöhnliche Band sind, zeigte sich dann schon beim Umbau. Dass das Bandpersonal einen Ziegelstein vor die Bassdrum legt, um das Instrument vor dem Wegrutschen zu sichern, ist ja durchaus üblich, aber gleich fünf? Obwohl die Umbaupause vom Gefühl her etwas zu lange dauerte, hatten Hutch Harris, Kathy Foster und Westin Glass überhaupt keine Probleme, das Publikum binnen weniger Sekunden für sich einzunehmen - und das, obwohl mit "I Let It Go" ein Stück aus dem aktuellen Album "Now We Can See" am Anfang stand, das sich eher durch seinen unwiderstehlichen Groove denn die altbekannte Dampfwalzen-Power auszeichnet. Vor der Bühne herrschte jedenfalls von Beginn an eine tolle Stimmung: Alle tanzten und hüpften mit einem breiten Grinsen im Gesicht, es ging wirklich gut ab, ohne dabei unangenehm wild zu werden - von vereinzelten, im weiteren Verlauf des Konzert vom Roadie der Band mit stoischer Ruhe aus dem Verkehr gezogenen Crowdsurfern einmal abgesehen...

Auf der Bühne spielten The Thermals praktisch nur Hits. Wer vielleicht im Vorhinein gedacht hatte, dass sich das Fehlen vieler Kracher der ersten beiden Alben - gerade "Fuckin' A" war mit nur einem einzigen Song etwas unterrepräsentiert - unschön bemerkbar machen würde, wurde eines Besseren belehrt. Was den Songs neueren Datums bisweilen an Geschwindigkeit fehlt, wird mit (noch) mehr Eingängigkeit ausgeglichen. Dass das Konzert folglich mehr Atempausen bot als die Shows früherer Jahre, war ebenfalls prima: Anstatt sich von der Wucht des Sounds erschlagen zu lassen, konnte man sich viel besser auf die Performance konzentrieren.

Ganz abgesehen davon kann man der Band nun wirklich nicht vorwerfen, dass sie inzwischen weniger Energie in ihre Auftritte investiert. Bestes Beispiel: Bei "I Might Need You To Kill" kam plötzlich die Bassdrum samt der eingangs erwähnten Ziegelsteinmauer quer über die Bühne geschossen! Das dürfte selbst Keith Moon nicht allzu oft passiert sein! Netter Nebeneffekt des Zwischenfalls: Während Westin sein Instrument neu aufbaute, überbrückten Hutch und Kathy die Pause mit einer kleinen Jamsession.

Nach 50 mitreißenden, aber viel zur kurzen Minuten stand dann schon das letzte Lied "Now We Can See" auf dem Programm, und das Publikum ließ es sich natürlich nicht nehmen, das unwiderstehliche "Oh-ey-oh-oh-oh-oh" lauthals mitzusingen. Selbst als die Band von der Bühne verschwunden war, wollte der Chor nicht verstummen. Für manchen mag das etwas zu nah am Stadionrock sein, aber einer so grundsympathischen Band wie den Thermals verzeihen wir das gerne. Bei der kurzen Zugabe kamen dann auch noch einmal die Fans des Frühwerks des Trios aus Portland auf ihre Kosten, denn nach "Our Trip" gab es noch "Everything Thermals" und "It's Trivia" zu hören. Kurz, knackig, ein letzter Adrenalinrausch, und das war's!

Ein weiterer fantastischer Abend mit den Thermals also, aber das hatten wir ja auch nicht anders erwartet!

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Surfempfehlung:
www.thethermals.com
www.myspace.com/thethermals
de.wikipedia.org/wiki/The_Thermals
www.myspace.com/telekinesismusic
www.myspace.com/therosebuds
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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