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Konzert-Bericht
 
Ungezähmt, unorthodox, undurchschaubar

Crystal Antlers

Köln, Gebäude 9
30.03.2010
Crystal Antlers
"Schwer vorzustellen, dass diese Band ausgerechnet aus dem sonnigen Long Beach, Kalifornien, kommt", schrieb ein Kollege unlängst über Crystal Antlers. "Ihre Musik klingt so, als wäre sie unter Presswehen irgendwann in den 60ern in einer alten, rostigen Wellblechgarage in der Nähe von Detroit zur Welt gekommen." Treffend beobachtet, dennoch wäre es falsch, die herrlich ungezähmte Band ausschließlich in die "psychedelisch angehauchter Garagenrock" beschriftete Schublade zu zwängen. Lo-Fi, Noise, Punk, Rock'n'Roll und ein kleiner Schuss Soul und Prog spielen im willkommen undurchschaubaren Sound des Quintetts nämlich mindestens eine genauso große Rolle.
Crystal Antlers
Die Bühnenmitte teilen sich Jonny Bell (Bass, Stimme), Andrew W. King (Gitarre, Oberlippenbart) und Kevin Stuart (Schlagzeug), doch die drei legen nur das Grundgerüst. Die wirklichen Akzente kommen von den Außenpositionen: Auf der einen Seite gibt Cara Foxx an der Orgel nicht nur beim entfernt an The Doors erinnernden Instrumental gleich zu Beginn den Ton an, während auf der anderen Seite der sonnenbebrillte Percussionist Damian Edwards der unbestrittene visuelle Mittelpunkt der Band ist, der gesten- und posenreich Becken und Bongos bearbeitet. Zwei kurze Sets spielen die fünf Amerikaner an diesem Abend, im ersten Teil sind es fast ausschließlich neue Titel zu hören, nach einer kurzen Pause gibt's dann die "Hits" des (natürlich) bei Touch & Go erschienenen Debütalbums "Tentacles". Diese Reihenfolge passt zur ambitionierten Musik der Amerikaner: Warum die Stücke zurückstellen, die die Band am liebsten spielt, nur um es dem Publikum womöglich ein wenig leichter zu machen? Ein kleines Zugeständnis an die zahlenden Gäste gibt es aber doch. Bevor das erste Set krachig mit einem Titel namens "Robert Wood" endet, spielen Crystal Antlers Roky Ericksons "Starry Eyes" und beweisen damit nicht nur, dass Eingängigkeit kein völliges Fremdwort für sie ist, sondern auch, dass Jonny Bell durchaus singen kann, wenngleich er seine kehlige Stimme bei den Eigenkompositionen fast ausschließlich dazu nutzt, uns seine Weltuntergangsfantasien ins Gesicht zu brüllen.
Crystal Antlers
Nach fünf Minuten Verschnaufpause setzen die gerne mit den legendären Les Savy Fav verglichenen kalifornischen Noiseniks noch einen drauf. Mit oft unbändiger Energie - nicht nur Percussionist Edwards steht nie still, auch Frontmann Bell wirbelt unablässig über die Bühne - hauen sie uns Stücke wie "Vexations" und "A Thousand Eyes" um die Ohren und so beeindruckend die Performance der fünf auch ist: Ein bisschen schade ist es schon, dass die Subtilität von Nummern wie dem heimlichen Hit "Andrew" der Live-Intensität der Band ein wenig zum Opfer fällt. Als letzter Song steht "Parting Song For The Torn Sky" auf der Setlist, doch bevor die Amerikaner mit diesem Stück die Apokalypse einläuten, gibt's noch eine weitere Coverversion: "It's All Over Now Baby Blue" ist im Original von Bob Dylan, die Crystal Antlers dagegen nehmen sich eher die Version von Them zum Vorbild, ohne deshalb deren Arrangement nur zu kopieren: 60s-Garagen-Pop at its best und ohne Frage ein Highlight des Sets

Warum sich die Kollegen beim amerikanischen Pitchfork-Magazin vor Freude nass machen, wenn sie nur den Namen Crystal Antlers hören, ist nach diesem Abend nicht unbedingt verständlicher geworden, dass die Band aus Long Beach begriffen hat, dass man das Rad heutzutage nicht mehr neu erfinden kann, mit einer unorthodoxen Herangehensweise aber dennoch für einen kurzweiligen Konzertabend sorgen kann, steht nach ihrem Gastspiel im Gebäude 9 dagegen fest.

Surfempfehlung:
www.crystalantlers.com
www.myspace.com/crystalantlers
Text: -Simon Mahler-
Fotos: -Simon Mahler-


 
 

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