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Konzert-Bericht
 
Wohnzimmer-Konzert

Sophia

Köln, Rex am Ring/ Duisburg, Steinbruch
13.05.2010/ 14.05.2010

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Sophia
Dass Robin Proper-Sheppard seine legendären Launen, die früher so manches Sophia-Konzert zu einer Zerreißprobe für Künstler und Publikum werden ließen, inzwischen hinter sich gelassen hat, hob der Kollege Ullrich Maurer bereits in seinem Review des Sophia-Auftritts in der Kölner Kulturkirche letzten Herbst hervor. Doch dass der in England heimische Amerikaner inzwischen so relaxt ist, dass er sein Publikum gleich zu sich nach Hause einlud, kam dennoch überraschend. Allerdings suggerierte der Tourtitel genau das: "At home with Sophia" Nun gut, natürlich lud Robin seine Fans nicht wirklich zu sich nach Hause ein (was nicht zuletzt ob der Tatsache, dass er momentan praktisch obdachlos ist, eh problematisch gewesen wäre), aber das stilvolle Bühnenbild mit Philip Lethens Tapeten- und Heizungs-Foto, das schon das "There Are No Goodbyes"-Cover zierte, als Backdrop und einem alten Tonbandgerät, von dem die Einlassmusik ertönte, sorgte dennoch für heimelige Wohnzimmeratmosphäre, zumal die Konzerte in bestuhlten Läden mit einem Fassungsvermögen von nicht mehr als 150 Menschen stattfanden.
Den Hauptanteil daran, dass das "At home with Sophia"-Konzept ganz ausgezeichnet funktionierte, hatte allerdings Robin selbst. Völlig gelöst spielte er zwei Stunden lang viele bei den Bandkonzerten der letzten Jahre oft zu kurz gekommene Songs aus den Sophia-Frühwerken, fasste zwischen den Songs seine Einstellung zum Leben und der Musik des Öfteren in treffenden Einzeilern wie "It's just when I'm alone that I hate the world" zusammen und machte zwischen den Songs bisweilen selbst für seine Verhältnisse unerwartet intime Geständnisse, wenn er über die Entstehung der jeweiligen Stücke plauderte. Die Geschichten waren zwar größtenteils trauriger Natur, doch so pointiert, wie Robin sie erzählte, unterhielten sie das Publikum dennoch ausgezeichnet, wie die häufigen Lacher bewiesen. In Duisburg wurde gleich zu Beginn sogar schon ein einfaches "Good evening" mit Gelächter quittiert. "Ich hab noch gar nichts Lustiges gesagt und ihr lacht schon?", fragte Robin etwas verwundert, nahm es aber als Zeichen für einen guten Abend - der es dann, wie schon tags zuvor in Köln, auch wurde. Auch deshalb, weil die beiden Auftritte musikalisch durchaus unterschiedlich waren.
Während es in Köln gleich mit einem gebrochenen Herzen ("Heartache") losging, stand in Duisburg das zuversichtliche - unlängst übrigens von Adam Franklin gecoverte - "Dreaming" am Anfang. Doch auch im Steinbruch war der Herzschmerz nicht weit, denn besagtes "Heartache" war das zweite Lied. Robins augenzwinkernder Kommentar? "Der Song ist doppelt so lang, weil der Schmerz auch doppelt so stark war!" Während es in Köln viel aus "The Infinite Circle" zu hören gab - unter anderem auch das Lieblingslied von Robins verstorbener Mutter mit dem eigentlich "Mutter-untauglichen" Titel "Bastards" -, kamen in Duisburg mehr Lieder aus "People Are Like Seasons" wie das wundervolle "Swept Back" und das zerbrechliche "Another Trauma" zum Zuge. Dass die Songauswahl so unterschiedlich ausfiel, hatte einen Grund: Robin hatte auf seiner Website die Besucher der Konzerte dazu aufgerufen, sich Lieder zu wünschen. Es gab zwar nur einige wenige Rückmeldungen, diejenigen, die dem Aufruf gefolgt waren, hatten aber gleich ganze Listen eingereicht. So erfüllte Robin in Köln für einen passenderweise mittig in der ersten Reihe sitzenden jungen Herrn gleich eine ganze Handvoll Wünsche. Dass der Herr allerdings einen weiblichen Spitznamen trug, hatte Robin zunächst ziemlich verunsichert, als er den offenbar recht persönlichen Fanbrief bekommen und sich gefragt hatte: "Wie kann eine Frau das Gleiche fühlen wie ich?"

Zwar waren ob des intimen Rahmens die leisen Songs - allen voran die emotionsgeladenen "Ship In The Sand" und "Another Friend" - die unbestrittenen Highlights, doch Robin beschränkte sich keinesfalls darauf, nur seine melancholische Seite nach außen zu kehren. Bester Beweis dafür war "If A Change Is Gonna Come", das mit viel, viel Hall auch solo richtig rockte. Die größte Überraschung war aber sicherlich, dass Robin an beiden Abenden mit einer Coverversion aufwartete - noch dazu mit einer ziemlich ausgefallenen. Angekündigt als ein Song, den er selbst gerne geschrieben hätte, machte er aus Anna Ternheims im Original bei aller Melancholie poppig daherhüpfendem "What Have I Done" einen typischen Sophia-Song und sorgte so zum Schluss noch für ein letztes Ausrufezeichen.

Und die gute Nachricht für alle, die für diese ausverkauften Konzerte keine Karten mehr bekommen haben: Im Anschluss an die Spanien-Tournee im Herbst ist ein Nachschlag auch in unseren Breiten nicht ausgeschlossen.

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Surfempfehlung:
www.sophiamusic.net
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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