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Who are Quasi?!

Quasi
Blockshot

Köln, Tsunami
17.05.2010

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Quasi
Wann immer in der Vergangenheit das Gespräch auf die in Portland, Oregon, heimische Indierock-Institution Quasi kam, war der Verweis auf das blinde musikalische Verständnis der beiden Protagonisten Sam Coomes (einst bei Heatmiser) und Janet Weiss (ehemals bei Sleater-Kinney) nicht weit. Deshalb schien es zunächst etwas verwunderlich, dass die beiden nach mehr als zehn Jahren als Duo vor einiger Zeit Joanna Bolme von Stephen Malkmus & The Jicks als Bassistin verpflichteten. Dass die Band dadurch allerdings nichts von ihrer Unberechenbarkeit eingebüßt, sondern im Gegenteil sogar mächtig gewonnen hat, bewies ihr ausgezeichneter Auftritt in Köln.
Vielleicht liegt das ja auch daran, dass Quasi trotz Joannas Einstieg immer noch so etwas wie ein Familienunternehmen sind. Schließlich waren Sam und Janet einst verheiratet, und in Köln war sich Joannas Ehemann Gary Jarman nicht zu schade, als Roadie zu fungieren, obwohl er mit seiner Band The Cribs inzwischen für gewöhnlich in Läden auftritt, in denen das Foyer schon größer ist als das gesamte Tsunami, und er sein Equipment auch längst nicht mehr selbst tragen muss. The Cribs hatten übrigens auch die komplette Backline zur Verfügung gestellt und so dafür gesorgt, dass wirklich alles in der Familie blieb.

Den Abend eröffnen durften Blockshot aus Bonn, die nicht nur mit den Aufklebern auf der Gitarre von Frontfrau Alva (Bikini Kill, Sleater-Kinney, Kill Rock Stars) die Riot-Grrrl-Fahne hochhielten, sondern auch, manchmal etwas zu bemüht, aber oft durchaus authentisch ihren Vorbildern huldigten und per Keyboard dem Ganzen noch eine eigene Note hinzufügten. Mit der Overachiever-Nummer "At Home I'm A Workaholic" hatte das Quartett sogar einen potenziellen Ohrwurm am Start und traute sich zum Schluss auch noch, "Jumpers" von Sleater-Kinney zu covern, wobei vor allem Schlagzeugerin Nina so sehr überzeugte, dass es anschließend ernst gemeintes Lob von Janet gab.

Die Spontaneität, die Quasi auszeichnet, zeigte sich schon vor dem Konzert in Form der Setlist. Während die Überschrift "Quasi Set-List" und die letzte Reihe "Monday 17th May - Tsunami - Koln" computergeschrieben waren (der ebenfalls von den Cribs ausgeliehene Tourmanager Chris Shipton war dafür verantwortlich), füllte Janet das ansonsten leere Blatt erst kurz vor der Show mit Songtiteln - jeden Abend das Gleiche zu spielen, wäre der Band nämlich zu langweilig. In Köln stand "Repulsion", der fulminante Opener des aktuellen Albums "American Gong", am Anfang und unterstrich sofort, wie gut Joannas Einstieg Quasi getan hat. Anstatt am Keyboard den Rhythmus zusammenhalten zu müssen, konnte sich Sam an der Gitarre so richtig austoben. So wurden gleich zu Beginn der Spagat zwischen geschredderter Freigeistigkeit und simpler, punkiger Eingängigkeit sowie ein Faible für großspurigen 70s-Hardrock und eine unverhohlene Liebe zum British-Invasion-Sound der 60er deutlich. Letztere schien auch beim anschließenden "Nothing From Nothing" aus dem Album "Birds" (1998) durch. Auf der Platte anfangs noch etwas verschwurbelt, entpuppte sich die Nummer in Köln als schwer rockendes Monster, das trotz seiner frühen Position auf der Setlist das (heimliche) Highlight des gesamten, rund 80-minütigen Auftritts darstellte. Danach variierten Tempo und Dynamik, schließlich standen Songs aus allen Phasen der Band (und mit "Orbiting Pods" sogar eine echte Obskurität von der "Hot Shit"-Bonus-CD) auf dem Programm, doch die unbändige Spielfreude und die durch Joannas Bass deutlich gestiegene Melodiosität war allen Songs gemein. Interessant übrigens: Bei ein, zwei Improvisationsparts versuchte Joanna erst gar nicht, sich in Sam und Janets telepathische Symbiose einzumischen und überließ den beiden das Feld. Selbst als sich Sam an das für sein aggressives Pianospiel völlig ungeeignete (geliehene) Keyboard setzte, das unter seinen Händen wippte und zitterte und einmal fast vom Ständer zu hopsen drohte, wich die Energie keineswegs aus der mitreißenden Performance. Am Schluss des regulären Sets stand das großartige "Bye Bye Blackbird", das sich gut sieben Minuten drehte und wendete und zwischendurch rockte als gäb's kein Morgen.

Kurz vor Ende warf dann ein junger Herr einen kleinen Zettel mit Songwünschen auf die Bühne (ob er gewusst hat, dass die Setlist der Band keine Zugaben enthielt?), und obwohl die drei Musiker gewillt waren, die Wünsche zu erfüllen, war es gar nicht so einfach, die richtigen Nummern zu finden. Manche waren so abwegig, dass Joanna die Songs schlicht und ergreifend nicht spielen konnte, andere hätten nach dem Keyboard verlangt, doch das "Plastikklavier" (seine Beschreibung) wollte Sam an diesem Abend nicht mehr anfassen. So kam es dann, dass der Abend das perfekte Finale in Form einer Coverversion verpasst bekam: Quasi spielten "Pictures Of Lily" von The Who und verbeugten sich damit vor ihrem wohl größten musikalischen Einfluss. Fabelhaft!

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Surfempfehlung:
www.theequasi.com
www,myspace.com/theequasi
www.blockshot.de
www.myspace.com/blockshotrock
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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