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Mit Kindersicherung

Wo Sind Helmet

Köln, Gebäude 9
06.08.2010

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WSH
Auf den Eintrittskarten stand Wo sind Helmet, aber Eingeweihte wussten natürlich: Dahinter verbergen sich Wir sind Helden, die einige Wochen vor der Veröffentlichung ihres vierten Albums, "Bring mich nach Hause", zur geheimen öffentlichen Probe einluden. Dass es letztlich weniger Eingeweihte gab, als man hätte vermuten dürfen (das Gebäude 9 war keinesfalls ausverkauft), tat der Freude über diesen Abend und das Wiedersehen mit Judith, Jean-Michel, Mark und Pola keinen Abbruch. Am erfreulichsten war, dass die vielen neuen Songs, die das Berliner Quartett an diesem Abend erstmals vor Publikum ausprobierte, zwar merklich anders klangen als die Pop-Hymnen, mit denen die Band Mitte des letzten Jahrzehnts ihren kometenhaften Aufstieg begonnen hatte, aber dennoch keinen Deut schlechter waren.
Das lag vermutlich daran, dass die Helden - anders als so manch andere Bands mit ähnlichem Status - schlicht und ergreifend die Musik machen, die zu ihnen passt. Wo andere Bands das Erwachsenwerden vergessen und auch noch in vergleichsweise reifem Alter versuchen, für ein Teenie-Publikum zu reimen und zu singen, spiegelt bei den Helden die Musik die veränderten Lebensumstände wider. Doch nicht nur die. So stand vor der Show offenbar nicht das Zelebrieren alter Rock'n'Roll-Rituale, sondern die Kinderbetreuung an erster Stelle. Doch auf der Bühne war eine neue Art von Gelassenheit, ja fast schon Gemütlichkeit zu sehen und zu spüren. Polas Bart - eine Mischung aus Rick Rubin und dem Guru der Beatles - ist inzwischen so lang und wuschelig, dass das hastige Einwerfen von Kartoffelchips vor den Zugaben desaströse Folgen hatte, und Judiths Mimik war auch deutlich vom mehrjährigen Übers-Kinderbett-Beugen-und-den-eigenen-Nachwuchs-Bespaßen gekennzeichnet. Dazu ruderte die Sängerin ständig wild mit den Armen, als müsse sie mit ihrem ganzen Körper die neue Heimeligkeit ausdrücken.

Das taten allerdings die neuen Songs schon zur Genüge. Dass die Band in den letzten Jahren viel abgehangene Singer/Songwriter-Musik und/oder erwachsene Popmusik gehört hat, war unverkennbar. Bob Dylan, Rolling Stones, sogar ein bisschen Südstaaten-Rock hallte in den neuen Nummern wider, die verstärkt auf handgemachten Klängen basieren, weshalb die Helden in Köln zu sechst auf der Bühne standen. Ein Herr bediente hinter Mark die Keyboards, ein weiterer hinter Jean-Michel den Bass. Sogar eine Klarinette und ein Akkordeon kamen zum Einsatz. Doch trotz klanglicher und textlicher Umwälzungen: Eingängige Melodien schreiben Wir sind Helden immer noch. Selbst das ausgewalzte, mit Hammondorgel und altmodischem Rock-Gitarrensolo daherkommende "Im Auge des Sturms" ging sofort ins Ohr. Und außerdem hatten sie ja auch noch ihre alten Hits in petto: Bis auf "Aurelie" spielten sie praktisch jeden Song der ersten beiden Alben, den man hören wollte, aus "Soundso" gab es dagegen kaum Stücke - vermutlich aus ähnlichen Beweggründen, schließlich wollte die niemand wirklich hören.

Nachdem sich Judiths anfängliche Nervosität etwas gelegt hatte und sie aus dem Kampf mit dem Verschluss der Wasserflasche ("Ist mit Kindersicherung!", wie ein Zwischenrufer aus dem Publikum brillant bemerkte) am Ende doch siegreich hervorgegangen war, sah man ihr die Freude über die Rückkehr auf die Bühne förmlich an, denn es war ganz sicher nicht nur der Schluck Bier, von dem sie nach eigenem Bekunden völlig betrunken geworden war, der sie am Ende des Konzertes so strahlen ließ. Zu Beginn des letzten Zugabenblocks stand dann eigentlich die herzergreifende neue Lagerfeuer-Nummer "Die Ballade von Wolfgang und Brigitte" auf dem Programm, doch zunächst versuchten sich Mark und Jean-Michel an einer augenzwinkernden Unplugged-Version von "So Lonely" (The Police) - offenbar ungeprobt, zumindest schaute Judith zuerst ziemlich verblüfft und musste dann so lachen, dass es gleich mehrere Fehlstarts gab. Mit "Die Nacht" ging ein unglaublich relaxter, aber gerade deshalb ganz ausgezeichneter Konzertabend nach rund 90 Minuten zu Ende. Nachdem "Soundso" einige an der Langzeitwirkung der Band hatte zweifeln lassen, unterstrich dieser Auftritt ganz ohne Zweifel: Wir sind Helden sind gekommen, um zu bleiben.

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Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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