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Konzert-Bericht
 
Zugabe unter freiem Himmel

Lloyd Cole
Dirk Darmstaedter

Bochum, Rewir-Power-Lounge (Bochumer Musiksommer)
03.09.2010

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Lloyd Cole
Nein, die Voraussetzungen waren nicht ideal: Zwar wurde der Bochumer Musiksommer von gutem Wetter begleitet, aber sich als Singer / Songwriter solo auf einer über einen U-Bahn-Eingang montierten Freiluft-Bühne mitten in der Fußgängerzone beweisen zu müssen, begleitet vom Geräuschpegel der Innenstadt im Allgemeinen und der vorbeilaufenden Passanten im Besonderen, immer wieder gestört von einer leicht defekten, Star Wars-mäßige Geräusche von sich gebenden Rolltreppe in unmittelbarer Nähe (ganz zu schweigen von den ulkigen Gestalten aus dem Untergrund, die solche Umsonst und draußen-Veranstaltungen nun einmal anziehen), war sicher nicht einfach. Es sprach für die Qualität ihrer Songs, dass es Dirk Darmstaedter und Lloyd Cole dennoch gelang, für einen wirklich schönen Konzertabend zu sorgen.
Dass Dirk Darmstaedter schon als Teenager auf der Straße musiziert hat, um ein bisschen Kleingeld zu verdienen, half ihm ganz sicher bei seinem Auftritt. Seine aktuelle Platte besteht zwar ausnahmslos aus Bob Dylan-Coverversionen und sein in wenigen Wochen erscheinendes nächstes Album, das gemeinsam mit Bernd Begemann aufgenommene "So geht das jede Nacht", enthält ausschließlich deutsche Rock'n'Roll-Songs der 50er-Jahre, in Bochum dagegen präsentierte er ein Best-Of seiner eigenen Songs der letzten gut 20 Jahre. Mit geradezu jugendlicher Frische erzählte er kleine Anekdoten zu den Stücken, egal, ob sie von seiner Jugend in Teaneck, New Jersey, handelten ("Appletown America") oder von aussichtslosen Tennismatches seines Sohnes ("I Won't Give Up On You"). Selbst die urkomische Geschichte seines Auftritts bei der ZDF-Hitparade gab er noch einmal zum Besten, bevor er dann natürlich "Brand New Toy" spielte. Dass viele Nummern doch eher melancholisch gefärbt waren, fiel deshalb gewissermaßen gar nicht weiter auf, und das Publikum bedankte sich bei dem früheren Jeremy Days-Frontmann mit geradezu ungewöhnlich viel Aufmerksamkeit. Besonders verwirrend für den Hamburger war dabei die Anwesenheit einiger "zauberhafter junger Damen, die mit ihren bunten Mobiltelefonen YouTube-Videos von mir drehen" - als zukünftiger Teilnehmer an Stefan Raabs Bundesvision Song Contest wird er sich daran vermutlich (oder besser: hoffentlich?) gewöhnen müssen. Lustig anzusehen war's dennoch.
Geradezu amüsant war dann auch der visuelle Vergleich zwischen den beiden Protagonisten. Nur vier Jahre trennen die beiden altersmäßig, aber während Darmstaedter mit Frisur, Kleidung und Auftreten ohne Probleme als etwas gealterter Twenty-Something durchging, hatte der distinguierte, graumelierte Cole mehr von einem etwas brummeligen Schuldirektor kurz vor der (Früh-)Rente - natürlich nur so lange, bis er zu singen begann und mit seinen wunderbaren Songs sofort gefangen nahm. "Ich spreche keine Deutsch", begrüßte er das Publikum, doch auch wenn er gleich im Anschluss - dann auf Englisch - fortfuhr, das deutsche Publikum für seine Fremdsprachenkenntnisse zu loben, sprach er während seines einstündigen Auftritts nicht viel und spielte deshalb bei identischer Auftrittslänge fast doppelt so viele Songs wie der Entertainer Darmstaedter vor ihm.

Zwar veröffentlicht auch Cole in wenigen Wochen ein (übrigens ausgezeichnetes) neues Album namens "Broken Record", doch auch ihm war natürlich klar, dass eine Fußgängerzone in Bochum kaum der richtige Ort für die Live-Premiere des neuen Materials war. Also gab es mit Songs wie "Like A Broken Record" und "Man Overboard" nur vereinzelte Ausblicke auf das kommende Werk, dafür aber Hits en masse. So spielte er gleich fünf (von zehn) Songs aus "Rattlesnakes", seinem legendären ersten Album mit den Commotions aus dem Jahre 1984. Trotzdem war es erfreulicherweise kein Auftritt nach dem Motto "Give the people what they want". In der ersten Hälfte des Sets präsentierte Cole nämlich vornehmlich sanfte, bisweilen fast schwermütig anmutende Songs à la "What's Wrong With This Picture?" oder "Are You Ready To Be Heartbroken?" (mit einem witzigen Abstecher zu Steve Millers "The Joker" am Ende), und selbst als er meinte "I can cheer up a bit", lautete die erste Zeile des nächsten Songs "You look so good when you're depressed".

Nach rund 40 Minuten kramte er dann einen Zettel mit der Setlist aus der Brusttasche hervor, schaute darauf und meinte grüblerisch: "Looks like that was everything." Es mag Einbildung sein, aber dennoch wirkte der in Massachusetts heimische Brite danach wesentlich lockerer, als sei eine Last von ihm abgefallen. Das bewies auch gleich die Nummer, die folgte, oder besser die zwei, denn es waren "two songs for the price of one", wie Cole augenzwinkernd meinte: ein wundervolles Tim Hardin-Medley mit "The Lady Came From Baltimore" und "Reason To Believe". Auch der Rest des Programms bestach durch Eingängigkeit und Leichtigkeit und erreichte mit "Perfect Skin" und "Lost Weekend" spielend seinen Höhepunkt. Keine Frage, eine Zugabe, "my first ever outdoor encore", wie Cole uns wissen ließ, musste her: "Four Flights Up", ein letzter Klassiker aus "Rattlesnakes"!

Witzig am Rande: Mit "Like Lovers Do" hatte sich auch der perfekte Song für diesen Abend ins Programm gemogelt, schließlich war es der im Song erwähnte "friday the third", wenngleich es etwas später als "four-thirty" war, als Cole auf der Bühne stand...

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Surfempfehlung:
www.lloydcole.com
www.myspace.com/lloydcolemusician
de.wikipedia.org/wiki/Lloyd_Cole
www.dirkdarmstaedter.com
www.myspace.com/dirkdarmstaedter
de.wikipedia.org/wiki/Dirk_Darmstaedter
www.tapeterecords.de
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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