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Konzert-Bericht
 
Verhaftet ihn, er mag seine Lieder!

Bernd Begemann

Essen, Grend
18.09.2010

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Bernd Begemann
Oberflächlich betrachtet war es ein ganz normales Bernd Begemann-Konzert: Der Hamburger Liedermacher mit dem ganz speziellen Humor stand in Hemd und Anzug mit seiner vom Tourleben gezeichneten roten Stromgitarre auf der Bühne, redete sich um Kopf und Kragen, spielte - oft auf Zuruf aus dem Publikum - viele seiner Evergreens à la "Judith", "Unten am Hafen", "Zweimal 2. Wahl" oder "Oh, St. Pauli" und die Highlights aus seinem aktuellen Werk "Ich erkläre die Krise für beendet" und gewährte einige Einblicke in "So geht das jede Nacht", das dieser Tage erscheinende Album mit deutschsprachigen 50s-Rock'n'Roll-Songs, das er gemeinsam mit Dirk Darmstaedter aufgenommen hat. Äußerst interessant, ja fast schon ambitioniert war dagegen die Auswahl der weiteren Stücke des Zweieinhalb-Stunden-Auftritts.
Am Ende des Konzertes meinte Bernd, dass es kaum noch Lieder gäbe, die er im Grend noch nie gespielt habe, doch wenn die Rückgriffe auf die bisweilen herrlichen Obskuritäten, die er an diesem Abend präsentierte, wirklich der Tatsache geschuldet waren, dass er sich an die Songauswahl seiner sechs vorherigen Gastspiele im Essener Kulturzentrum erinnern konnte, und nicht einfach nur seine derzeitige Stimmung widerspiegelten, dann hat er alles richtig gemacht. So gab es zum Beispiel "Berlin war stärker", "Nicht gelohnt für dich" und - als letzte Nummer des regulären Programms - sogar noch "Ich wusste, dass es dich gibt" zu hören, bevor "Ich stamme aus den Hügeln" als finale Zugabe fungierte.

Auch die beiden größten Highlights des Abends waren echte Überraschungen: Da spielte Bernd doch tatsächlich mal wieder "Ich komme, um zu kündigen" und tat das nicht nur beim Pete Townshend-Gedächtnis-Zwischenspiel mit einer solchen Inbrunst, dass man sich fragte, warum die Nummer so selten im Programm ist, und beim aberwitzigen "Sputnik Rock" von Ralf Bendix (aus der eingangs erwähnten Duett-Platte mit Dirk Darmstaedter) kullerten einigen im Publikum fast die Freudentränen die Wangen herunter. Doch auch mit einer weiteren unerwarteten Coverversion konnte Bernd punkten: Nachdem er beim letzten Grend-Gastspiel "Please Please Me" von den Beatles aus dem Hut gezaubert hatte, spielte er dieses Mal "My Ship Is Coming In" von den Walker Brothers! Die sind bekanntlich für große Popsongs mit düsteren Untertönen berühmt, und ein bisschen schien das auch das Motto des Abends zu sein. Nachdenklich hatte sich Bernd zwar auch schon 2009 im Grend präsentiert, dabei aber noch etwas hoffnungsvoller geklungen als über weite Strecken an diesem Samstagabend. Wirklich unglücklich wirkte Bernd auf der Bühne zwar nicht, aber an die Stelle von (fast schon) glücklichen Familiengeschichten, die er in den letzten Jahren immer mal wieder gerne eingestreut hatte, war für den Auftritt in Essen viel Melancholie ("Wahrscheinlich bin ich verloren") getreten, selbst wenn Bernd sich bisweilen bemühte, dies mit Aussagen wie "Die Leute halten mich für zynisch, aber ich war nicht immer so!" zu relativieren.

Auch die neuen Songs, die Bernd präsentierte, waren größtenteils alles andere als klamaukig - und wenn doch, war der Klamauk in Sozialkritik verpackt wie bei "Die Slums von Eppendorf" oder bei "Lebendige Stadtteilkultur", bei dem er doch wirklich "rumsaßen" auf "Bruschetta aufaßen" reimte. Es durfte also zwischendurch durchaus auch gelacht werden. Zum Beispiel, als Bernd sein Faible für Italo-Disco preisgab ("Stellt euch vor, ich sei Den Harrow!") und Sabrinas "Boys" anspielte, das Publikum zum Saufen animierte ("Das hilft auch, die Songs zu verstehen!"), sich als Fan seiner eigenen Werke outete ("Verhaftet mich, aber ich mag meine Lieder!") oder bei der Zugabe sogar noch Lebenshilfe gab: "Wenn ich euch eins mit auf den Weg geben kann: Esst Fleisch!"

Dass das Konzert etwas früher als gewohnt zu Ende ging, hatte auch seine Gründe. Bernd sorgte sich um sein Publikum! "Es ist halb 12 und ihr habt doch bestimmt Probleme mit der Nahverkehrsanbindung", meinte er augenzwinkernd zu Beginn des Zugabenblocks. Am Ende war es dann trotz der nicht zu überhörenden wehmütigen Zwischentöne doch wieder mal ein sehr unterhaltsamer Abend. Wiederholung ganz sicher nicht ausgeschlossen!

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Surfempfehlung:
www.bernd-begemann.de
Text: -Simon Mahler-
Foto: -Simon Mahler-


 
 

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