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Konzert-Bericht
 
Perfektion ohne Dynamik

Beach House

Köln, Gebäude 9
14.11.2010

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Beach House
Der Auftritt von Beach House in Köln sei das Pendant zu einem Fantasyfilm gewesen, schrieb ein Kollege über das Gastspiel des auf der Bühne zu viert agierende Dream-Pop-Duo aus Baltimore, Maryland, das sich mit seinem feinen aktuellen Album "Teen Dream" ohne Frage in Kürze an der Spitze diverser Endjahreslisten wiederfinden wird. Das erklärt dann wohl, warum nach der Show im rappelvollen Gebäude 9 so viele Besucher von einem der schönsten Konzertabende seit Langem sprachen, während der Autor dieser Zeilen von der Musik zwar begeistert war, zum Auftreten von Victoria Legrand, Alex Scully und den Ihren aber einfach keinen Zugang fand. Vermutlich benötigt man nämlich ein Faible fürs Artifizielle und einen Hang zum Esoterischen, um die Live-Präsenz von Beach House richtig schätzen zu können.
Ohne das hatte man ein wenig den Eindruck, die Band spiele ihre Songs - das aktuelle Album war in Gänze im Programm, dazu gesellten sich einige wenige Auszüge der ersten beiden Platten - mehr für sich selbst als für ihr Publikum. Sicher, Gitarrist Alex bedankte sich artig für das zahlreiche Erscheinen, schließlich sei es erst der zweite Beach House-Auftritt in Köln, und Sängerin Victoria zeigte sich hocherfreut über die von den Musikern erbetene Einhaltung des Rauchverbots ("Jetzt steckt ihr euch wahrscheinlich alle eine Zigarette an", hängte sie noch kichernd an), allerdings schienen Beach House nicht wirklich daran interessiert, eine Verbindung zu den Menschen vor der Bühne herzustellen. Andere Bands, die sich nah am Bühnenrand platzieren, tun dies in der Regel, um eine größere Intimität aufzubauen, bei Beach House schien der Grund dafür lediglich der zu sein, dass im Hintergrund drei große Sperrholzkegel als Dekoration untergebracht werden mussten, die zumeist besser ausgeleuchtet waren als die Musiker selbst. Interessanterweise agierte Victoria immer dann besonders gestenreich, wenn sie praktisch in komplette Dunkelheit gehüllt war. Wurde sie von den Scheinwerfern angestrahlt, versteckte sie sich zumeist lieber hinter den ihr ins Gesicht fallenden Locken ihrer Wuschelfrisur, hantierte an den großen Knöpfen ihres 80er-Jahre-Zweireihers mit den umgekrempelten Ärmeln oder beugte sich tief über ihr Keyboard.
Natürlich passte die unterkühlte Präsentation in den besten Momenten ganz ausgezeichnet zum leicht entrückten Sound der Band, aber vermutlich hätte sich der gleiche Effekt mit einem MP3-Player, einem guten Kopfhörer und einer Lavalampe auch daheim erzielen lassen - ohne 18,- Euro Eintritt. Musikalische Makellosigkeit kann auch live sehr unterhaltsam sein, doch leider konzentrierten sich Beach House in Köln etwas zu eindimensional auf die klangliche Perfektion. So erreicht man zwar die volle Punktzahl in der A-Note für die technische Ausführung, erhält aber herbe Abzüge in der B-Note für die wenig dynamische Präsentation.

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Surfempfehlung:
www.myspace.com/beachhousemusic
de.wikipedia.org/wiki/Beach_House
Text: -Simon Mahler-
Foto: -Simon Mahler-


 
 

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