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Konzert-Bericht
 
Wenn die Bourgeoisie auf die Jacken aufpasst

Kristof Schreuf
Julian Gerhard

Essen, Grend
19.11.2010

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Kristof Schreuf
Jeder könne ein Künstler sein, behauptet Kristof Schreuf bei seinem beeindruckenden Soloauftritt in Essen - doch so vortrefflich Anspruch und Entertainment vereinen wie er, das können dennoch nur die wenigsten. Die scharfzüngige Kantigkeit, mit der er vor rund 20 Jahren als Kopf der Kolossalen Jugend die Hamburger Schule auf den Weg brachte und später bei Brüllen begeisterte, wird inzwischen von der verspielten Lässigkeit überlagert, die ihn auf seinem ersten, an dieser Stelle bereits ausführlich gewürdigten Alleingang "Bourgeois With Guitar" Textversatzstücke alter Klassiker von The Who, AC/DC oder gar Donna Summer mit neuen Melodien verschmelzen ließ.
Rufe nach seinen Frühwerken wie "Die Wohnung" verhallen im Grend deshalb unerhört. Als ihn allerdings einige zu spät Eingetroffene bei der Zugabe bitten, die ersten drei Songs des neuen Albums, die auch das Konzert eröffnet hatten, noch einmal zu spielen, erfüllt er diesen Wunsch sofort! Zu den Songs der praktisch komplett gespielten aktuellen Platte gesellen sich weitere Neuinterpretationen (Patrick Hernandez' Disco-Hymne "Born To Be Alive", Bob Dylans "All Along The Watchtower" und "Industrie-Mädchen" von S.Y.P.H., Letzteres inklusive Publikumsanimation!), einige alte und neue, noch unveröffentlichte Brüllen-Nummern - das unbestrittene Highlight dabei natürlich "Laufe blau" - und viele gestenreiche, pointierte Monologe, die des Öfteren in amüsanten Schlagabtauschen mit dem Publikum enden und nicht immer frei von Koketterie sind.
Voll des Lobes ist Schreuf auch für Supportact Julian Gerhard, der sich auf der Grend-Bühne genau so gibt, wie man es von jemand erwarten darf, der seine Platte "Wenn du hier eh nur rumstehst, kannst du auch auf die Jacken aufpassen" betitelt: schüchtern-intelligent und mit unterschwelligem Humor, der sich in Songtiteln wie "Wenn einer von uns stirbt, zieh ich nach Italien" oder "Wer will schon mit jemandem zusamm' sein, der so wohnt?" äußert und ihn - vermutlich geprägt von seinem studentischen Umfeld in Münster - Texte über Architektur ("Hans Asplund Song") schreiben lässt, die er in dunkel gefärbten Folk verpackt. So tummelt sich der junge Singer/Songwriter mit der Akustikgitarre und der Mundharmonika auf ähnlichem Terrain wie Gisbert zu Knyphausen und veröffentlicht nicht zufällig auf dessen Omaha-Label. Gerhards Musik wie sein Auftreten stellen einen willkommenen Kontrast zu Schreuf dar, doch gemeinsam sorgen die beiden für einen wirklich stimmigen Abend im Grend, der wahrlich mehr Zuschauer verdient hätte.

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Surfempfehlung:
www.buback.de/kuenstler/kristof-schreuf/index.php
www.juliangerhard.de
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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