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Konzert-Bericht
 
Auf leisen Sohlen

Sportfreunde Stiller
Kate Nash

Oberhausen, Arena
10.12.2010

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Sportfreunde Stiller
Zunächst waren zur Veröffentlichung des Sportfreunde Stiller-"MTV Unplugged"-Auftritts nur einige ausgewählte Auftritte mit großer Besetzung, aber kleiner Lautstärke geplant, doch dann war die Resonanz auf die akustischen Neuinterpretationen der alten Sporties-Hits so überwältigend, dass die Münchner Band die letzten 18 Monate auf leisen Sohlen verbracht haben. Zumeist fanden die Auftritte in vergleichsweise kleinen Sälen statt, doch für "Die letzte leise Reise" wollten die Sportfreunde klotzen und nicht kleckern. Also wurden die größten Hallen gebucht, in denen Peter Brugger, Rüdiger Linhof und Florian Weber je aufgetreten sind.
Den Höhepunkt sollte dabei eigentlich das Konzert in Oberhausen bilden, doch es kam anders: Das eigentlich zuvor angesetzte Konzert in Hamburg fiel den Witterungsverhältnissen zum Opfer und wurde drei Tage nach dem Abstecher ins Ruhrgebiet nachgeholt. Als besonderes Schmankerl für die von der Band "versetzten" Fans gab es dort übrigens "Ein kleiner Schritt" als Extra-Zugabe. Das restlos ausverkaufte Konzert in Oberhausen ging dennoch in die Sportfreunde-Geschichte ein, als bisher größtes Headline-Hallenkonzert der Band. Die Zuschauerzahl allein wäre schon imposant gewesen, doch Peter fand einen Weg, sie noch unglaublicher klingen zu lassen, als er rief: "Ich möchte 26 000 Hände sehen!"

Diese 26 000 Hände hatten Kate Nash, die das Vorprogramm bestritt, kaum mehr als artigen Applaus gespendet. Vielleicht lag es daran, dass der Charme der jungen Engländerin in kleinen Clubs sicherlich mehr Wirkung entfaltet als auf großen Bühnen (so war zum Beispiel auch ihr Auftritt beim Haldern Pop 2009 einigermaßen enttäuschend), oder daran, dass sie musikalisch vielleicht doch zu weit von den Sportfreunden entfernt ist. Lediglich bei den aus Funk und Fernsehen bekannten Songs kam etwas Stimmung auf. Richtig punkten konnte Kate eigentlich nur mit ihren niedlichen Ansagen und der Tatsache, dass sie sich ausführlich und offenbar wirklich von Herzen bei den Sportfreunden für die an diesem Abend endende gemeinsame Tournee bedankte.

Musikalisch verzichteten die Sportfreunde danach auf große Überraschungen, wussten aber mit einer fulminanten Show selbst diejenigen zu begeistern, die die Band schon in den 90ern in ganz kleinen Läden gesehen hatten und vorher einigermaßen skeptisch waren, ob sich das Trio in der Riesenarena würde behaupten können. Denn selbst wenn Programm und Arrangements weitestgehend identisch mit dem an dieser Stelle besprochenen Auftritt in Wuppertal vor anderthalb Jahren waren - die Lockerheit, mit der die Sportfreunde selbst im Unplugged-Gewand Stadion-Rock vom Feinsten zelebrierten, verdiente wahrlich Beachtung. Ein Riesenvorhang, der erst nach der ersten Strophe des Eröffnungsliedes, "Der Titel vom nächsten Kapitel", fiel, die stilisierte New Yorker Skyline als Deko, große Videoleinwände, ein überdimensionaler, aufblasbarer King Kong, ein gigantischer Konfettiregen beim Finale und eine Zugabe (u.a. mit dem lange ignorierten Frühwerk "Fahrt ins Grüne") auf einer kleinen Bühne mitten auf den Zuschauerrängen - neu waren die Ideen zwar nicht unbedingt, perfekt umgesetzt mithilfe einer 75-köpfigen (!) Crew waren sie aber allemal. Dazu gab es jede Menge des bei Sporties-Auftritten üblichen Klamauks. So endete "1. Wahl" mit der Eurovisions-Melodie, "weil wir ja eine internationale Karriere anstreben" (O-Ton Peter), oder die durch die Halle schwappende La-Ola wurde von Flo spitzbübisch als "die perfekte Welle" bezeichnet.

Der größte Gänsehaut-Moment war dagegen natürlich der 13.000-Stimmen-Chor bei "Ein Kompliment", doch der unbestrittene Höhepunkt war die inzwischen hinlänglich bekannte The Subways-Coverversion "Rock'n'Roll Queen", für die Kate Nash zurück auf die Bühne geholt wurde. Der große Clou dabei: Die Sportfreunde sangen die englischen Originalstrophen, Kate dagegen die für "MTV Unplugged" eingedeutschten Zeilen! Da stand der Saal natürlich Kopf und das (ausnahmsweise elektrisch verstärkte) Gitarrensolo von Chrissy Schneider an der Flying V hätte es kaum noch gebraucht. Dennoch waren natürlich die Beiträge der Gastmusiker - Streichquartett, Bläsersektion, Verstärkung an Keyboards, Gitarre und Gesang - gerade in einer solch großen Halle unverzichtbar. Die Gäste waren dabei inzwischen so sehr Teil des Ganzen, dass sie sich auch einige nette Gags erlauben durften: Dass Pianist Dave Anderson bei "Ich, Roque" einen Beatles-Song zitierte, haben vermutlich dennoch nur die wenigsten im jugendlichen Publikum mitbekommen. Außerdem schien so viel Professionalität auf der Bühne auch ein bisschen auf die drei Sportfreunde abgefärbt zu haben. Jedenfalls konnte sich nach dem Konzert niemand daran erinnern, Peter auf einer Bühne jemals so gut singen gehört zu haben.

Kein Wunder, dass es am Ende dem Tourmotto zum Trotz überhaupt nicht leise war und das Publikum noch nach Zugaben rief oder das von der Band dankenswerterweise ausgelassene "'54, '74, '90, 2006" skandierte, als das Saallicht bereits lange eingeschaltet war.

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Surfempfehlung:
www.sportfreunde-stiller.de
de.wikipedia.org/wiki/Sportfreunde_Stiller
www.katenash.co.uk
de.wikipedia.org/wiki/Kate_Nash
Text: -Simon Mahler-
Foto: -Simon Mahler-


 
 

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