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Konzert-Bericht
 
Ohne Ende

Sophia

Essen, Grend
12.12.2010

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Sophia
"Robin Proper-Sheppard beendet Konzert frühzeitig" - diese Schlagzeile gibt es nicht zum ersten Mal nach einem Sophia-Auftritt, doch während der einstmals als eher dünnhäutig bekannte Künstler früher das ein oder andere Konzert nach Dissonanzen mit dem Publikum abbrach, endete der Auftritt in Essen nach rund 80 Minuten, weil Proper-Sheppard sich gesundheitlich so schlecht fühlte, dass er sich außerstande sah, die restlichen fünf, sechs Songs noch zu spielen. Bis dahin war es allerdings ein wirklich hinreißender Abend gewesen. Denn obwohl der in England heimische Amerikaner natürlich seit vielen Jahren dafür bekannt ist, sein (gebrochenes) Herz auf der Zunge zu tragen - so persönlich wie bei seinem Konzert in Essen war er beim ersten Abschnitt der "At home with Sophia"-Solotournee im vergangenen Frühjahr nicht geworden.
So überraschte er selbst eingefleischte Fans seines Schaffens mit "neuen", detaillierten Hintergrundinformationen zu Stücken wie "So Slow", "The Sea" or "I Left You", mit denen er mehr als je zuvor aus seinem Privatleben preisgab. Den Anfang allerdings machte das Wunschkonzert. In Essen wurde gleich einem halben Dutzend Fans die Ehre zuteil, ihren Songwunsch erfüllt zu bekommen oder zumindest persönlich erklärt zu bekommen, warum Proper-Sheppard diesen oder jenen Song leider nicht würde spielen können. So blieb "Woman" ob seiner unschönen ersten Zeile "Woman you're a whore" an diesem Abend außen vor. Nachdem "Heartache" und "If Only" den Anfang gemacht hatten, entledigte Proper-Sheppard sich seiner weißen Slipper - die Bühne ist nun mal derzeit sein Wohnzimmer! - und spielte mit "Swept Back" einen weiteren Wunschtitel, bevor er augenzwinkernd erklärte, dass er Wünsche nicht von Unter-14-Jährigen entgegennehmen würde, da seine inzwischen 14-jährige Tochter Hope jeden Song, den er für sie zu spielen versucht, mit einem Schulterzucken abtut. Vor "Something" erzählte Proper-Sheppard von einer Konversation mit einer Dame aus seinem Leben, die überrascht davon war, dass er sich im echten Leben genauso verhält wie in seinen Songs beschrieben. Auf seine Rückfrage, was sie denn erwartet habe, soll sie gesagt haben: "Ich hatte gehofft, dass du in deinen Songs etwas übertreibst!"

Die vielleicht beste Nummer des Abends war eine unglaublich intensive Version von "I Left You" - scherzhaft als "a cheerful kind of number" angekündigt - in der man sich wirklich verlieren konnte. In Gedanken verloren war Proper-Sheppard auch bei "Signs", so sehr sogar, dass er den Song zunächst abbrechen musste, "weil ich beim Singen zu viel über mein Leben nachgegrübelt habe", bevor er den zweiten Anlauf dann auf Zehenspitzen beendete, völlig versunken in die eigene Performance. "If A Change Is Gonna Come" - mit massig Echo auf der Stimme - und das neu ins Repertoire dieser Akustiktournee gerutschte "Desert Song #2" sorgten für ein lautes Zwischenspiel, bevor es mit "I Can't Believe The Things I Can't Believe" zu den zerbrechlich klingenden Sophia-Anfangstagen zurückging. Der langen Einleitung zu "The Sea" hätte natürlich dann auch der passende Song folgen sollen, doch der sichtlich blass aussehende Proper-Sheppard bat das Publikum stattdessen, eine fünf-minütige Pause einlegen zu dürfen. Offenbar setzte ihm die spürbare, allerdings alles andere als unerträgliche Wärme im Saal - die Lüftung war absichtlich nicht eingeschaltet worden, um den Mitschnitt des Konzerts (alle Konzerte der Tour werden in Bälde zum kostenlosen Download für die Besucher bereitstehen) zu stören - zu sehr zu. Zunächst sah es so aus, als wäre nach der kurzen Unterbrechung alles in Ordnung, doch nach einem weiteren Song ("So Slow") schaffte es Proper-Sheppard gerade noch, sein Publikum für seine Unpässlichkeit um Verzeihung zu bitten und sich in die Backstage-Gemächer zu retten, bevor es ihm wirklich schlecht ging.

Natürlich waren einige Leute zunächst ein wenig traurig darüber, dass das Konzert vorzeitig zu Ende gegangen war, aber letztlich waren doch alle glücklich über die 80 Minuten, die Proper-Sheppard auf der Bühne gestanden hatte, denn wie eingangs erwähnt war es selbst für Sophia-Verhältnisse eine besonders persönliche, intime Show gewesen, die im genau richtigen Maße leidenschaftlich war, ohne deshalb überspannt zu sein. Außerdem hatten die aufschlussreichen Anekdoten sie auch noch äußerst unterhaltsam gemacht. Bleibt zu hoffen, dass Proper-Sheppard seinen Entschluss, die Soloauftritte nicht weiterzuführen, noch einmal revidiert. Solange er den "At home with Sophia"-Bühnen-Backdrop nicht - wie ursprünglich geplant - auf eBay versteigert, besteht zumindest noch Hoffnung.

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Surfempfehlung:
www.sophiamusic.net
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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