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Aufgedreht

Sportfreunde Stiller
Seafood

Göttingen, Outpost
09.09.2001
Sportfreunde Stiller
Letztes Jahr haben uns die Sportfreunde auf gleich zwei langen Tourneen die liebenswerten Schweizer von Chewy näher gebracht. Dieses Jahr mögen sich die Münchner gedacht haben: "Wenn unsere Platte schon erst im nächsten Frühjahr erscheint, dann suchen wir uns zumindest eine neue ausgezeichnete Vorgruppe aus." Die Wahl fiel auf Seafood, die zwar bislang in Deutschland fast gänzlich unbekannt waren, aber nach dieser Tournee mit den Sportfreunden - ihrer ersten bei uns überhaupt - und nach dem im Oktober folgenden großartigen neuen Album "When Do We Start Fighting" dürfte sich das ziemlich schnell ändern. Etwas ausgeklügelter und feinschichtiger als bei ihren Keine-Gefangenen-Konzerten beweisen die Engländer damit nämlich, dass Indie-Rock vielleicht heute Spartenprogramm, aber lange noch nicht tot ist.
Seafood
Das Quartett kommt zwar aus England, klingt aber sehr amerikanisch. "Das liegt einfach daran, daß in England alles irgendwie auf die Beatles oder die Stones zurückgeht, also auf die Musik der Generation unserer Eltern. Wir sind ja mit Nirvana oder Guns N Roses aufgewachsen, und deshalb klingen wir wohl eher amerikanisch", erzählte Schlagzeugerin Caroline der Gästeliste vor dem Auftritt im Outpost. Zu den genannten Bands darf man guten Gewissens noch Sonic Youth (Musik) und Sebadoh (Stimme) hinzufügen, und schon gerät die alte Garde der Indierocker von einer Verzückung in die nächste. Daß Seafood-Songs immer ein bißchen so klingen, als könnten sie schon 1992 aufgenommen worden sein, ist dann auch eher als Kompliment gemeint. Dafür, daß das im Durchschnitt ziemlich junge Publikum eigentlich wegen der deutschsprachigen Headliner gekommen war, kamen Seafood jedenfalls in Göttingen geradezu erstaunlich gut an. Was daran liegen mag, daß sie gleich zu Beginn mit "Pleasure Head" und "Cloaking" ein Feuerwerk an Power-Pop abbrannten und rockten, als würde es kein Morgen mehr geben. Das ausgezeichnete "Western Battle" widmeten sie artig den Sportfreunden, was sie beim Publikum nur noch beliebter machte. "Es ist uns wichtig, mit einer netten Band auf Tournee zu sein, selbst wenn sie nicht so viele Leute ziehen würden wie die Sportfreunde. Es ist einfach nett, irgendwo anzukommen und gleich im Backstageraum ein paar freundliche, bekannte Gesichter zu sehen", meinte Caroline denn auch, wenngleich natürlich letztendlich das Ziel ist, selbst als Headliner auch in Deutschland zu touren. Mit dem energiegeladenen und sich zu einer mittleren Feedbackorgie ausweitenden "Folk Song Crisis" zum Schluß, bei dem Gitarrist und Sänger David auf der Bühne kniete, während sein Mikrophonständer quer in der Luft hing, dürfte das eigentlich aber nur noch eine Frage der Zeit sein. Denn solch sensationelle Auftritte einer Supportband sind wahrlich selten. "Es gibt in jedem Land nur einen sehr, sehr kleinen Kreis von Leuten, die unsere Musik wirklich gut finden", sinnierte Caroline schon vor dem Konzert über künftige Livepläne. "Unser Ziel ist es, die alle zusammenzutrommeln und dann auf einer Insel ein RIESEN-Konzert zu spielen."
Sportfreunde Stiller Setlist
Über so etwas müssen sich die Sportfreunde keine Gedanken mehr machen. Die schafften es nämlich spielend, auch anderthalb Jahre nach der Veröffentlichung ihres Debütalbums und ohne neuen Tonträger im Gepäck das riesige Outpost mehr als gut zu füllen. Doch wie Schlagzeuger Flo (der im Laufe des Konzertes noch von seinem Schlagzeugstuhl fallen sollte...) nach wenigen Liedern richtig anmerkte, lag es vielleicht an den vielen Leuten, jedenfalls schienen die drei Münchner ungewöhnlich nervös, und zudem wurde vor allem Bassist Rüdiger von diversen technischen Pannen heimgesucht. So mußten sie dann ausgerechnet einen ihrer ältesten (und meistgespielten) Songs, "Wunderbaren Jahre", erst einmal abbrechen, und später blieb vom Text des "Heimatlied" nicht viel übrig, weil Sänger Peter ständig anfangen mußte zu lachen. Was auf keinen Fall heißen soll, daß die Sportfreunde an diesem Abend ein schlechtes Konzert gespielt hätten. Im Gegenteil: Die teilweise chaotischen Umstände - es gab so viele Stagediver, daß die Band während der gesamten 80 Minuten eigentlich nie alleine auf der Bühne war - führten zu einer ganzen Reihe aberwitziger Ansagen mit Situationskomik vom Allerfeinsten. Und außerdem gab es ja auch noch gleich fünf neue Lieder aus dem kommenden Album, an dem die Band derzeit arbeitet, die mehr als hitverdächtig sind. Wo es doch im Allgemeinen heißt, die zweite LP sei häufig die schwierigste für eine Band, scheinen die Sportfreunde derartige Probleme nicht zu kennen. Insgesamt ein bißchen weniger punkig, dafür mit mehr Groove und einem besseren Ohr fürs Detail, fielen ganz besonders "Die gute Seite" und "Tage wie dieser" angenehm auf. Nach einer ultraschnellen Version von "Unterwegs", dem einzigen Song aus ihrer Frühphase, den sie uns an diesem Abend gönnten, und dem allseits beliebten Rausschmeißer "Fast wie von selbst" war es dann vollbracht. Und nicht nur die Tatsache, daß die drei nach der Show noch gut eine halbe Stunde Autogramme schreiben durften bzw. mußten, dürfte beweisen: Auch wenn dies mit Sicherheit nicht der perfekteste Auftritt des bayrischen Trios war, einen Riesenspaß gemacht hat's trotzdem!
Text: -Carsten Wohlfeld-
Fotos: -Pressefreigaben-


 
 

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