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Silberhochzeit

Buffalo Tom

Köln, Luxor
08.03.2011

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Buffalo Tom
Die Qualität einer Band kann man nicht zuletzt daran ablesen, wie gut es ihr gelingt, dem Publikum vorzugaukeln, dass alle Bandmitglieder an einem Strang ziehen, auch wenn eigentlich klar ist, dass es nicht so ist. Die Rolling Stones schaffen das oft, obwohl Keith Richards in seiner Autobiografie kein gutes Haar an Mick Jagger lässt, bei R.E.M. funktioniert es zumeist, obgleich die Musiker in getrennten Bussen von Konzert zu Konzert reisen. Buffalo Tom sind in dieser Disziplin nicht ganz so erfolgreich. Als sie auf der Bühne des Kölner Luxors stehen, um ihr feines, brandneues Album "Skins" vorzustellen, merkt man zwischen den Songs schon, dass Sänger/Gitarrist Bill Janovitz, Sänger/Bassist Chris Colbourn und Drummer Tom Maginnis nicht mehr die besten Freunde sind.
Wie ein altes Ehepaar, das sich nach 25 Jahren trotz spürbarer Differenzen einfach aus Gewohnheit nicht scheiden lässt, machen die US-College-Rocker aus Massachusetts ein Vierteljahrhundert nach der Bandgründung immer noch in unveränderter Trio-Besetzung Musik, weil sie sich vermutlich nicht mehr daran erinnern können, es nicht getan zu haben. Die Routine, die sich dabei einschleicht, ist unübersehbar: Wie schon beim Vorgängeralbum "Three Easy Pieces" vor vier Jahren hat die Europatournee kaum mehr als eine Handvoll Daten, das einzige Deutschland-Konzert findet erneut im Luxor statt, das erste Lied der Setlist heißt wieder "Staples", das letzte wieder "Tangerine" und auch die planmäßige finale Zugabe ("Crutch") ist identisch.

Dass Buffalo Tom zum Karnevalsausklang in der Domstadt trotzdem für einen schönen Abend sorgen, liegt an den Songs. Kommerzielle Hits im klassischen Sinne hatte das Trio zwar nie, Songs, die viele im Publikum ein halbes, wenn nicht ein ganzes Leben begleitet haben, dagegen en masse. "Taillights Fade" ist so einer - sie spielen ihn gleich als Zweites. Überhaupt sind die Stücke der Mitt-90er-Hochphase der Band besonders zahlreich, vielleicht auch deshalb, weil sie große Kommunikation auf der Bühne überflüssig machen. Bei den neuen Songs wird dagegen deutlich, dass Janovitz und Colbourn verschiedene Dinge wollen: Der eine will es ordentlich krachen lassen, der andere emotionale Popsongs spielen und mehr über den Tellerrand schauen. Kein Wunder, dass Colbourn sich besonders für den ungewöhnlichen "Skins"-Albumopener "Arise, Watch" erwärmen kann, während Janovitz sichtlich mehr Gefallen an neuen Nummern wie "Guilty Girls" oder "Down" findet, die sämtliche Markenzeichen der alten Band-Klassiker tragen.

Das heißt allerdings nicht, dass nicht auch mal gelacht wird. Zuerst sorgt Janovitz mit der ungewöhnlichen Frage für Heiterkeit, wer im Publikum in Lehrberufen oder gar für den Staat arbeite, anschließend datiert Colbourn einen Song des 1992er-Albums "Let Me Come Over" als augenzwinkernde Anspielung auf die Langlebigkeit der Band zurück ins Jahr 1962: Er sei gleich nach der Rückkehr der Band aus dem Koreakrieg aufgenommen worden. Auch als ein Fan nach "Skeleton Key" ruft, wird gelacht, weil er noch ein "please" dranhängt. "Das ist sehr höflich von dir", bekommt er von der Bühne zu hören. Erfüllt wird sein Wunsch dennoch nicht, denn ein weiterer Zwischenrufer setzt sich durch und wird bei der Zugabe mit dem ungeplanten "Sunflower Suit" (dem einzigen Abstecher zum selbstbetitelten Debütalbum) belohnt. Schade nur, dass danach zum Abschluss des Konzerts noch einmal die Uneinigkeit der Band deutlich wird. Colbourn fragt das Publikum, ob es zum Abschied lieber einen leisen oder einen lauten Song hören möchte, und obwohl das Votum eindeutig ist, lässt sich Janovitz nicht mehr umstimmen, da er bereits Gitarre und Mundharmonika für den dezenten Ausklang mit "Crutch" vorbereitet hat. Als Colbourn danach noch einen weiteren Song spielen will, erntet er nur ein Kopfschütteln von Janovitz und das Konzert ist nach etwas mehr als 90 Minuten vorbei. Das ist ein wenig schade, denn mit vergleichbar wenig Mehraufwand wäre mehr drin gewesen als "nur" ein schöner Abend.

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Surfempfehlung:
www.buffalotom.com
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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