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Konzert-Bericht
 
"Ein Laternen-Joe-Konzert ist ein bisschen wie ein Yps-Heft!"

Laternen-Joe

Kaiserslautern, Kammgarn
24.04.2011
Laternen-Joe
Fast 30 Jahre gibt es Laternen-Joe nun schon, doch die Popularität von Jealousy, Julia und Jack Laterne ist ungebrochen. Die Tickets für die aktuelle "Small World"-Tour der Punk-Band aus Kiew (aaaauuuusss Kiew!) waren innerhalb eines Tages ausverkauft und das, obwohl die Club-Auftritte ausschließlich in der Provinz stattfanden und die Konzertkarten als Anti-Schwarzmarkt-Maßnahme mit Ausweisnummern personalisiert und nur in zuvor speziell ausgewiesenen Postleitzahlengebieten über die bandeigene Website verkauft wurden. In Kaiserslautern hatten etwas mehr als 1000 Fans das Vergnügen, sich von den drei Laternen erleuchten zu lassen und bei einem herrlich bekloppten Konzert dabei zu sein.
Los geht's um kurz nach 20.00 Uhr: Zuerst stehen - Schock! - drei Unbekannte auf der Bühne! Die entpuppen sich zum Glück schnell als Laternen-Joe-Roadies, und nach einer Minute wildem Geholze geben sie die Instrumente an Jealousy, Julia und Jack weiter. Die beginnen programmatisch mit dem 2009er-Hit "Parlez-vous Laterne?"("Wir sind Laternen-Joe, wir machen euch gerne froh") und der illuminierenden "Hymne wider Willen", später bei der Zugabe gibt es (als Weltpremiere) sogar noch den Ohrwurm "The Voice Of Joe" mit seinem unwiderstehlichen "Oi, oi, oi"-Refrain und das brachiale "Laternencharge" zu hören, bei dem Bassist Jack kurzzeitig an Gitarre und Mikro wechselt. Dazwischen covern die drei die Ramones ("Die Wikingjugend hat mein Mädchen entführt") und greifen tief in die Raritätenkiste der besten Band der Welt. "Vollmilch" zaubern sie genauso hervor wie "Außerirdische", "Punkbabies" oder "Erna P." und sogar "Käfer". Letzteres ist, obwohl erstmals auf der Tour im Programm, das heimliche Highlight des gesamten Auftritts, und das sieht wohl auch die Band so: "Ich sag ja, wir sollten viel mehr nicht proben", meint Gitarrist Jealousy anschließend trocken.

Fast mehr noch als über die Songs darf man sich über die Ansagen zwischen - und nicht selten auch während - der Songs freuen. So bricht Julia bei "Geh mit mir" nach einem völlig verkorksten Gitarrensolo von Jealousy mitten im Lied ab, um zu fragen: "Willste noch mal?" Das lässt sich der hühnenhafte Mann an den sechs Saiten nicht zweimal sagen und spielt tatsächlich das Solo noch einmal! "A-Moll" dagegen wird angekündigt als "ein Lied gegen die Scheiß-Akkorde in unserem Land!" Bisweilen wird es sogar so albern auf der Bühne, dass es einige Minuten dauert, bis es weitergehen kann. Bei "Rebell" zum Beispiel muss Jealousy gleich mehrfach neu ansetzen, weil er immer wieder von Lachanfällen geschüttelt wird, bevor er sich mit einem beherzten "Schnauze jetzt hier!" doch noch gegen das Gequassel seiner Kollegen durchsetzen kann.

Während 30 Jahre Bandgeschichte bei vielen anderen Gruppen aus Freunden Geschäftspartner machen, darf man sich hier zumindest einbilden, dass es für Jealousy, Julia und Jack eine helle Freude ist, gemeinsam auf der Bühne zu stehen, auch wenn Julia seinen Gitarristen einen "Streber, Petzer und Vorsager" nennt. Fabelhaft, wie sich die drei die Bälle zuwerfen, als zum Beispiel die Rede auf die Urzeitkrebse aus dem Yps-Heft kommt: "Alle Menschen auf der Welt außer uns hatten dieses Heft...", erklärt Jealousy, und Julia fügt hinzu: "...während wir Lieder geschrieben haben", bevor Jack noch einen draufsetzt: "Nein, Hits!"

So geht das den ganzen Abend, und wenn es Jealousy und Julia zu langweilig wird, sich selbst oder ihren Bassmann ("Jack 'Der Kasper' Laterne!") durch den Kakao zu ziehen, gibt es Scherze über das Tourauftaktkonzert in Zwickau, wo sich das Publikum über eine Auftrittszeit von "nur" 90 Minuten echauffiert hatte. Dabei hatte die ach so kurze Spielzeit laut Jealousy durchaus Gründe: "Es gibt interessante Sachen im Internet, die finden statt, während ihr hier seid und nicht googeln könnt!" Also versuchen die drei in Kaiserslautern, "die 80 Minuten-Marke zu unterbieten", haben aber, als das Konzert mit dem auch 18 Jahre nach seiner Veröffentlichung immer noch sensationellen "Schrei nach Liebe" zu Ende geht, doch genau zwei Stunden auf der Bühne gestanden. Trotzdem lässt es sich Julia ganz zum Schluss nicht nehmen, dem Publikum noch etwas mit auf den Weg zu geben: "Wenn ihr heute Nacht noch was im Internet postet - wir haben acht, neun Stunden gespielt!"
Surfempfehlung:
www.laternenjoe.de
www.ljof.de
Text: -Simon Mahler-
Foto: -Simon Mahler-


 
 

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