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Konzert-Bericht
 
Laut und wild und ganz, ganz groß!

Erland And The Carnival
Hannah Peel

Köln, Blue Shell
27.04.2011

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Erland And The Carnival
Es scheint sich langsam herumzusprechen, dass Erland And The Carnival nicht nur auf äußerst intelligente Weise Folk, Psychedelia und Indierock zu einer erfreulich eigenständigen Melange verbinden, sondern vor allem live eine echte Wucht sind. Oder anders gesagt: Nachdem es bei den letztjährigen Konzerten des britischen Quintetts im Publikum noch jede Menge Bewegungsfreiheit gab, herrscht dieses Mal beim Tourauftakt im Kölner Blue Shell drangvolle Enge. Überhaupt erweist sich die stickige Kneipenatmosphäre als perfektes Ambiente für die Band: Auch dieses Mal können Erland And The Carnival restlos begeistern!
Zunächst sorgt allerdings Hannah Peel nicht nur ob ihres großartigen Namens und ihres aparten Äußeren für einen perfekten Start in den Konzertabend: Kurz nach 21.00 Uhr kommt sie auf die Bühne, greift zu einer kleinen, handbemalten Music Box - einer Art Holzspieluhr, die mit Lochkarten gefüttert wird - und singt zur Musik aus dem ungewöhnlichen Instrument New Orders "Blue Monday". Wow! Leichte Temposchwankungen gibt es übrigens gratis dazu, schließlich ist die Music Box handkurbelbetrieben! Den Rest des Abends bestreitet Hannah mit selbst geschriebenen Songs aus ihrem Erstling "The Broken Wave" und lässt sich dafür von den Karnevalisten Simon Tong an der Gitarre und David Nock an den Keyboards und den elektronischen Drums begleiten. Ersterer geht den Job dabei ganz locker an (er hat sich einen Spickzettel ohne Songtitel, dafür aber mit Akkorden mitgebracht), Letzterer ob der Doppelbelastung hochkonzentriert. Die schlanken Arrangements - obwohl Hannah bisweilen auch Keyboards spielt, ist zumeist die Music Box das Leadinstrument - lassen viel Raum für die angenehm einnehmende Stimme der jungen Britin, die viel heimelig-folkige Coffeehouse-Atmosphäre verströmt. Ein sehr schöner Auftakt.
Dann wird das Licht runter- und die Lautstärke raufgedreht, und schon nach ein paar Takten ist klar, dass sich Erland And The Carnival zwar auf ihrem unlängst erschienenen Zweitwerk "Nightingale" deutlich verspielter und verschwurbelter geben als auf ihrem herrlich kargen selbstbetitelten Debüt, live dagegen nahtlos da anzuschließen gedenken, wo sie vergangenen November bei den sensationellen Konzerten ihres letzten Abstechers in unsere Breiten aufgehört haben. Sprich, die Band bleibt bei ihren Auftritten ihrem Erfolgsrezept treu: Die Gitarren scheppern, das Schlagzeug klingt wuchtig und laut, aber nie zu dominant, die Orgel darf psychedelisch bunt im Hintergrund mitquietschen und Frontmann Erland Cooper kehrt mit unwiderstehlicher Mimik und Gestik und genau dem richtigen Maß an Theatralik sein Innerstes nach außen. Wunderbar altmodisch ist der Sound, der mit seiner rohen Energie an den Garagen-Rock der 60er erinnert, immer wieder aber die ureigene Klangwelt der Spaghetti-Western streift. Obwohl es das neue Album zu promoten gilt, sind erfreulich viele alte Songs im Set: Das unwiderstehliche Jackson-C.-Frank-Cover "My Name Is Carnival", dem die Band ihren Namen entlehnt hat, sorgt gleich als zweites Stück für elektrisierende Stimmung, rasant wie eh und je auch die unverständlicherweise nur als B-Seite erschienene Folk-Adapation "Stack-O-Lee", und beim zugegebenermaßen wirklich sehr ohrwurmigen "Trouble In Mind" singt doch tatsächlich das gesamte Publikum mit! Da sage noch jemand, dass Hits an Chartsplatzierungen gemessen werden! "One Morning Fair" dagegen bäumt zu einem wahren Orkan auf, der sogar die mitreißende Version des Songs vom Vorjahr locker toppt. Gleiches gilt auch für "Gentle Gwen", das ausgewalzt, aber ungemein spielfreudig daherkommt. Doch auch mit den erfreulich entschlackten Versionen der "Nightingale"-Songs können die Engländer punkten. Das eingängige "Emmeline" entpuppt sich als geradezu hypnotisch, während "Springtime" Erland und Co. von einer geradezu ungewohnt sanften Seite zeigt.

Gleich zweimal wird Hannah Peel zurück auf die kleine Bühne gebeten. Bei "Everything Came Too Easy" übernimmt sie den weiblichen Gesangspart der Platte, der letztes Jahr live noch fehlte, und bei der Zugabe darf sie mit Erland bei der wunderbaren Leonard Cohen-Bearbeitung "You Have Loved Enough" um die Wette pfeifen und den nur wenige Zentimeter von ihr entfernt stehenden Simon anstrahlen. Nach rund 70 Minuten sorgen zwei weitere Hits des Erstlings, "You Don't Have To Be Lonely" und "Love Is A Killing Thing", für die Krönung eines abermals fantastischen Konzertabends.

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Surfempfehlung:
www.erlandandthecarnival.com
www.myspace.com/hanpeel
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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