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Konzert-Bericht
 
Geplättet!

Favez

Essen, Grend
30.04.2011

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Favez
"Ohrstöpsel? Bei einem Konzert?", fragt ein dem Aussehen nach Punk-affiner Gast vor dem Konzert völlig entgeistert an der Kasse des Grend mit Blick auf die dort zu erwerbenden Schaumstoffpfropfen für die Gehörgänge und schüttelt ungläubig den Kopf, als hätte er noch nie etwas Abwegigeres gehört oder gesehen. Wir wissen nicht, ob er am Ende des Abends immer noch so dachte, denn das Essener Kulturzentrum mag in Kürze sein 15-jähriges Jubiläum feiern, der packende Auftritt der Schweizer Indierock-Institution Favez indes dürfte als eines der lautesten Konzerte in die Annalen des Hauses eingehen, allerdings auch als eines der besten!
Denn nicht nur mit ihrer Lautstärke fegten die Jungs aus Lausanne an diesem Abend alles weg. Mit oft geradezu unbändiger Power hatte die Band etwas von einer Dampfwalze, die ihr Publikum am Ende im positiven Sinne geplättet zurückließ. Trotz des ungeheuren Drucks, den die Musiker mit ihrem Sammelsurium herrlich ramponierter Verstärker erzeugten, welche auf der vollgepackten Bühne ein wenig das Flair eines Garagenverkaufs verströmten, kamen Favez dennoch nie nur brachial daher. Das lag vielleicht daran, dass die Tattoos auf den Armen der Musiker, der konzentriert-angestrengte Blick des Drummers, die breitbeinige "Kampfstellung" des Bassisten und die Tatsache, dass Sänger und Vordenker Chris Wicky beim Singen und Spielen fast ständig mit dem linken Bein auf der Monitorbox stand, ein Stück weit in Richtung Hardcore deuteten, die Band allerdings zwischen den Songs im Stile einer Pop-Combo mit dem Publikum witzelte und den Musikern auch während der Songs immer wieder ein breites Grinsen über die Gesichter huschte.

Nach mehr als 20 Jahren weiß das Sextett - inzwischen sorgen zwei Keyboarder für zusätzliche Sounddichte - wie der Hase läuft. Da wurde in oft niedlichem englisch-deutschen Kauderwelsch Essen ausdrücklich gelobt, obwohl die Band am Vorabend in Bielefeld noch vor der Ruhrgebietsmetropole gewarnt worden war und dem nächsten Tourneestop Saarbrücken ausgerechnet "I Hate This Town" (aus "Old And Strong In The Modern Times"-Zeiten) widmete. Ansonsten stammten natürlich viele Songs aus dem aktuellen Album "En Garde!", die ruhigeren Momente der Platte wurden auf der Bühne allerdings komplett ausgespart. Nur vor der Zugabe gab es ein bisschen Beschaulichkeit, als Chris alleine ein Lied anstimmte und den Zuschauern damit den Tagesablauf vor dem Grend-Auftritt erklärte. Er sang von der Ankunft im Nightliner, vom Einkauf bei Aldi, vom Ausladen der Instrumente, vom Fachsimplen mit dem Booker des Hauses über New Model Army und gestand zum Schluss des "Liedes" noch, dass er sich über Letzteres besonders gefreut habe, sei doch "I Love The World" von NMA der allererste Song gewesen, den Favez 1990 öffentlich gespielt hätten!

Völlig verschwitzt wollten die Musiker den Abend nach einem Zugabenblock eigentlich beenden, doch das Publikum verlangte nach mehr. Es spricht für die gute Laune der Musiker, dass sie sich spontan gegen "Coming Home" entschieden und dafür lieber einen Zuschauerwunsch erfüllten, obwohl sie das fragliche Lied laut eigener Aussage schon sehr lange nicht mehr gespielt hatten. Also gab es als Rausschmeißer "Bleak" aus dem 1999er-Album "Gentlemen, Start Your Engines"! Danach wusste man kaum: War das nun eine kleine Zeitreise zurück zur Blütezeit des klassischen Indierock - oder doch einfach zeitlos gut? Egal, ein toller Abend war es auf jeden Fall!

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Surfempfehlung:
www.favez.com
www.myspace.com/favez
de.wikipedia.org/wiki/Favez_(Band)
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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