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Konzert-Bericht
 
Punkrock!

Tom Liwa No Existe

Bochum, Bahnhof Langendreer
18.09.2001
Tom Liwa No Existe
Knapp ein Jahr nach seinem ausgezeichneten Solo-Akustik-Konzert im Bahnhof von LA und nur wenige Monate nach seiner Support-Tour für Paul Weller gab sich Tom Liwa wieder die Ehre - aber dieses Mal unter ganz anderen Vorzeichen. Ähnlich wie Iggy Pop, der nach seinem hervorragenden, aber überraschend ruhigen Album "Avenue B" mit "Beat Em Up" eine der lautesten und ruppigsten Alben seiner Karriere eingespielt hat, schien sich auch Liwa nach fünf Jahren Bandpause gesagt zu haben: Wenn schon, dann richtig.
Tom Liwa No Existe
Der Bandname ist dabei fast ein wenig Etikettenschwindel, denn rein von der Besetzung her - Ed und Till Steinebach an Baß und Schlagzeug, dazu Tom Block an der Stromgitarre - hätte man schließlich auch von den reformierten Flowerpornoes sprechen können. Musikalisch aber war das hier eine komplett andere Baustelle, und das zeigte sich gleich beim ersten Lied: "Für die linke Spur zu langsam" hatte nur wenig von dem dynamischen Pop-Sound der Studioversion und kam ziemlich grungy daher, als wollten die vier Herren gleich in den ersten vier Minuten des Konzerts die Überschrift "Punkrock" rechtfertigen. Und an diesem Konzept - das übrigens zu der fast ausschließlich mit Kerzen sehr spärlich, ja fast schon mit sakralem Touch ausgeleuchteten Bühne im krassen Gegensatz stand - änderte sich auch für den Rest des Abends kaum etwas. Nachdem die vier mit "Funky Sexy" den zweiten Fast-Hit Liwas noch junger Solokarriere gleich als zweiten Song aus dem Weg geräumt hatten, war der Weg frei, sich laut und schwer rockend durch die manchmal etwas sperrigen Nummern des "Evolution Blues"-Albums zu spielen, eine Klasse-Version von "Splitter im Auge" abzuliefern und wenn selbst das nicht mehr abgefahren genug war, noch ein bißchen nachzuhelfen: Nicht nur, daß die vier eine ziemlich abgedrehte Version von "Strawberry Fields Forever" von den Beatles zum Besten gaben (in zwei Teilen!), es waren vor allem die brandneuen Stücke, die den Anspruch des Quartetts unterstrichen, hier mit viel Spaß an der Sache mit der Vergangenheit aufzuräumen. Denn extra zur - noch bis Ende September laufenden - Tour hatten Tom Liwa No Existe in kürzester Zeit ein selbstbetiteltes Mini-Album mit acht neuen Stücken aufgenommen, selbst ohne Hilfe eines größeren Labels herausgebracht und dann auch großteils live beim Konzert gespielt. Eine Platte, die man zwar nicht wirklich als "das nächste Liwa-Album" werten sollte, die aber nicht zuletzt wegen einiger Referenzen zu den Vorfällen in Genua ziemlich spannend ist.
Tom Liwa No Existe
Nach einer sehr gelungenen, komplett umgekrempelten, Meters-beeinflußten Version von "Halbtot & Hässlich" gab's zum Schluß des regulären Teils dann noch den vielleicht musikalisch besten Song aus der neuen Tourplatte. "Leb Gefährlich, Arthur" klingt ein bißchen wie eine Melange der besten Momente von Dylans "Highway 61 Revisited"-Album, und das kann einfach nicht schlecht sein. Natürlich durften insgesamt fünf Zugaben nicht fehlen. Daß es nach dem schwer rockenden "Making Of" (einer von nur zwei Songs aus "St. Amour", alle anderen Stücke wurden dieses Jahr veröffentlicht, alte Flowerpornoes-Songs gab es erstmals in Liwas Karriere überhaupt nicht!) dann ausgerechnet das als "Weihnachtslied" angekündigte und nur mit Block an der Gitarre gespielte "Liebe Luft" war, das den Abend beendete, paßte nur zu gut ins Gesamtbild. Denn es war mit Sicherheit kein Konzert, mit dem es Liwa darauf angelegt hätte, möglichst viele Menschen im Publikum glücklich zu machen, denn dafür fehlten zu viele der "Hits". Es war eher eine Herausforderung. So mancher im Publikum hatte damit so seine Probleme, aber diejenigen, die sich darauf einstellen konnten oder wollten, weil es ja gerade das Interessante ist, daß man bei Liwa - der den ganzen Abend ungewohnt wortkarg war - nie so genau weiß, was man zu erwarten hat, die waren von dieser Show garantiert wesentlich mehr begeistert als von der 25. Version von "Liane". Eine klasse Auftritt!
Text: -Carsten Wohlfeld-
Fotos: -Nannette Römer-


 
 

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