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Das Highlight der Woche

Low
Dark Dark Dark

Köln, Gebäude 9
01.06.2011

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Low
"Drums And Guns", die letzte Platte von Low aus dem Jahre 2007, sorgte für ein bisweilen frustrierendes Hörerlebnis: Bemüht, aus dem von ihnen in den 90ern miterfundenen Slowcore-Genre auszubrechen, suchte das Trio aus Duluth, Minnesota, neue Ausdrucksformen - und kam mitunter über das Experimentieren nicht hinaus. Auf ihrem unlängst erschienenen neunten Studioalbum "C'mon" sorgen nun Violinen, Banjos, Lap Steels, Percussions und Keyboards für einen ungemein fülligen Sound, der hier und da fast ein wenig an Brian Wilsons beste Momente erinnert, durch das wunderbare Zusammenspiel der Stimmen des Ehepaars Alan Sparhawk und Mimi Parker und die eigentümlich düster-erhebende Atmosphäre der Songs allerdings stets sofort als Low erkennbar ist.
Zunächst sorgten allerdings Dark Dark Dark aus Minneapolis für Kurzweil, da sie ihre auf folkigem Kammer-Pop-Terrain angesiedelten Songs bisweilen vollkommen ohne Gitarre, dafür mit Klarinette, Akkordeon und Trompete arrangiert hatten und sich außerdem noch lobend über den Hauptact äußerten. "Ich weiß nicht, ob ihr das je gemacht habt, aber mit einer eurer Lieblingsbands um die ganze Welt zu reisen, das ist so ziemlich das Beste, was es gibt", sagte Sängerin und Pianistin Nona Marie Invie nämlich am Ende des 40-minütigen Support-Sets ihrer Band.

Im Anschluss trugen Low beim letzten ihrer drei Deutschland-Konzerte der mit dem aktuellen Album begonnenen Neuorientierung auch auf der Bühne Rechnung. Zum einen war das Trio zu viert angereist - Eric Pollard, eigentlich Schlagzeuger beim Low-Sideprojekt Retribution Gospel Choir, sorgte am Keyboard für einen dicken Soundteppich -, zum anderen standen die neuen Stücke klar im Mittelpunkt. Praktisch das komplette "C'mon"-Album kam in Köln zur Aufführung, wenngleich in unerwarteter Reihenfolge. Nachdem die Band auf die Bühne gekommen war, Sänger/Gitarrist Alan Sparhawk seine Band - analog zum Namen des Supportacts - als Low Low Low angekündigt und das Konzert mit den ans Publikum gerichteten Worten "Ich hoffe, dieser Abend wird das Highlight eurer Woche" eingeleitet hatte, stand als erstes Stück nämlich gleich das knapp achtminütige Epos "Nothing But Heart" auf dem Programm, eigentlich eine Schlussnummer par excellence und auf der Platte auch folgerichtig das letzte Stück. Damit setzten Low gleich zu Beginn ein dickes Ausrufezeichen und unterstrichen, dass sich die neuen Songs live zwar etwas anders als auf der mit vielen Gastmusikern eingespielten Platte anhören würden, aber deshalb keinen Deut schlechter sein würden. Interessanterweise fiel die Keyboardbegleitung bei den neuen Songs gar nicht weiter auf (was ausdrücklich als Kompliment an die Effektivität der Arrangements gemeint ist), während das zusätzliche Instrument bei den alten Stücken wesentlich deutlicher, allerdings auch äußerst positiv, ins Gewicht fiel.

Alte Stücke, das hieß an diesem Abend vor allem Nummern aus dem 2005er-Werk "The Great Destroyer" à la "Silver Rider", "Monkey", "California" oder "Pissing", die allesamt fantastisch klangen. Haben die Live-Versionen dieser Songs auch damals schon so unerhört viel Intensität besessen? Der Schreiber dieser Zeilen möchte das zumindest bezweifeln. Stücke aus dem eingangs erwähnten 2007er-Album "Drums And Guns" waren offenbar zunächst nicht vorgesehen und rutschten eher zufällig ins Programm. Als sich die offenbar erkältungsgeschwächte Drummerin Mimi Parker irgendwann selbst eine kleine Pause verordnete, nutzte ihr Ehemann die Chance, solo "Pretty People" mit seinem herrlichen "We're all gonna die"-Mantra zu spielen, "Murderer" wurde den guten Menschen des Gebäude 9 (wo Low in der Vergangenheit schon viele großartige Konzerte absolviert haben) gewidmet, und als letzte Zugabe rutschte dann auch noch "Violent Past" (eingeleitet mit einem unerwartet politischen Kommentar Sparhawks) ins Programm. Ansonsten schien es so, als wollte die Band ihren Experimental-Ausflug lieber unter den Teppich kehren. Auch die lieb gewonnenen Klassiker der Frühphase, die in der Vergangenheit als Publikumswünsche des Öfteren noch gespielt worden waren, blieben dieses Mal außen vor. Zurufe aus dem Publikum fanden trotzdem Beachtung. Der Wunsch "Dinosaur Act" wurde ebenso berücksichtigt wie der Ruf nach "Canada" - bei Letzterem konnte Bassist Steve Garrington übrigens mit einem wahrlich mörderischen Sound glänzen.

Wie gewohnt blieb die Band während des Mainsets wortkarg, bevor sich Sparhawk bei der Zugabe doch noch auf einen verbalen Schlagabtausch mit dem Publikum einließ. Nachdem er sich - auch im Namen seiner Frau und ihrer gemeinsamen Kinder (!) - für den unverminderten Publikumszuspruch bedankt hatte, schallten ihm plötzlich allerlei obskure Wünsche um die Ohren. Die Band möge die ganze Nacht spielen, wurde da "verlangt" und Coverversionen von Beach Boys über Spacemen 3 bis hin zu Joy Division vorgeschlagen. Diese Zwischenrufe verhallten zwar unerhört, mit "(That's How We Sing) Amazing Grace" gab es aber dennoch ein weiteres echtes Highlight kurz vor Ende des Konzerts. Wie schon mit dem aktuellen Album gelang es Low auch mit diesem Auftritt perfekt, neue Wege zu gehen und trotzdem nicht Gefahr zu laufen, dafür alte Stärken zu opfern. Respekt!

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Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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