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Konzert-Bericht
 
Perfektion? Fehl am Platze!

Chad VanGaalen

Köln, King Georg
04.08.2011

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Chad VanGaalen
Als er vor sechs Jahren das fabelhafte Debütalbum "Infiniheart" aufnahm, war Chad VanGaalen eine Ein-Mann-Band, ein Busker mit einem Faible für Lo-Fi-Indiepop. Von diesem Sound hat er sich mit seinem aktuellen Album "Diaper Island" endgültig verabschiedet und konnte passend dazu beim Auftakt seiner aktuellen Deutschland-Tournee mit einem herrlich rauen Sound - oft wunderbar psychedelisch verschwurbelt und nicht selten willkommen garagig - begeistern. Nicht zuletzt auch deshalb, weil der Vibe der Musik perfekt zum Ambiente von Kölns vielleicht nettester (und rötester) Bar passte: Im King Georg gibt es nämlich keine Bühne, keinen Backstage-Bereich, keine nennenswerte PA, dafür aber die Anweisung, in den vorderen Reihen nicht zu stehen, sondern auf dem Boden zu sitzen, damit man den Menschen weiter hinter nicht komplett die Sicht nimmt. Kein Wunder also, dass das Publikum Chad VanGaalen praktisch zu Füßen lag.
Nach heimeligem Beginn an der Ukulele geht der Kanadier mit seinen drei Mitstreitern (in ungewöhnlicher Besetzung: Drei Stromgitarren und ein Drumkit) in die Vollen. Die meisten Nummern zu Beginn des Sets klingen laut und wild, für eine offenbar neue Nummer borgen sich Chad und Co. gar das Riff von "You Really Got Me" von den Kinks, und auch das rasante "Freedom For A Policeman" klingt angenehm schrammelig. Das liegt womöglich auch daran, dass die Band nicht so richtig eingespielt ist. Immer wieder müssen zwischen den Songs die folgenden Stücke besprochen werden, doch was in einem größeren Rahmen vermutlich zu Abzügen in der B-Note geführt hätte, passt an diesem Abend ausgezeichnet zur Location. Perfektion wäre hier geradezu fehl am Platze. Außerdem werden die kleinen Problemchen von den Bandmitgliedern stets mit einem entwaffnenden Lächeln quittiert, und einmal führen sie sogar zu einem ungeplanten Cover-Intermezzo. Als sich die vier nicht auf eine selbst geschriebene Nummer einigen können, spielen sie kurzerhand ein Surf-Instrumental von den Ventures!
Nachdem im ersten Teil des Konzerts die ruhigeren Momente wie das bluesgetränkte "Heavy Stones" die Ausnahme sind, geht es in der zweiten Hälfte vergleichsweise ruhig zu, wenngleich das, was auf der Platte eher Indie-Folk ist, in Köln bisweilen eher nach Slowcore klingt. Das Highlight dabei? "City Of Electric Light" natürlich! Für die allerletzte Nummer lässt Chad dann sogar noch einmal seinen Hang zur Exzentrik aufblitzen, als er - analog zum Konzertbeginn - ganz am Ende noch einmal zur Ukulele greift und "Shave My Pussy" ("Maybe if I shave my pussy, then you'll love me. Baby, will you love me? I'm really feeling ugly...") zum Besten gibt - und damit praktisch jedem Zuschauer ein Grinsen ins Gesicht zaubert. Dann legt er seine Gitarre in ihren Koffer, doch ohne Zugabe kommt er natürlich nicht weg, also hängt er noch eine letzte Solonummer mit der Stromgitarre dran. Die begeisterten Publikumsreaktionen danach machen deutlich: Er hätte durchaus noch mehr spielen dürfen!

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Surfempfehlung:
www.myspace.com/chadvangaalen
Text: -Simon Mahler-
Foto: -Simon Mahler-


 
 

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