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Konzert-Bericht
 
Make sure to make a mess

Ken Stringfellow

Ell (Limburg), Bachelor Club
28.08.2011
Ken Stringfellow
Wir sind kaum durch die Tür des Bachelor Clubs, da begrüßt uns der Besitzer der Bar bereits mit den Worten "Ihr seid bestimmt von auswärts!" und hat auch gleich eine Erklärung für seine Vermutung parat: "Ich schmeiße den Laden hier jetzt seit 22 Jahren, und außer den dreien (er deutet auf in Posies-Shirts gewandete Menschen am anderen Ende der Theke) und euch kenne ich hier jeden Gast persönlich!" Keine Frage, dieses kurzfristig angesetzte nächtliche Ken Stringfellow-Konzert - er hatte zuvor mit seiner Band The Disciplines beim Ell Niño-Festival gespielt) findet in einem winzigen Dorf statt. Noch dazu in einem, in dem die 90er-Jahre bis heute lebendig sind: Die Musik, die läuft, bevor der Amerikaner um 2.00 Uhr morgens die winzige Bühne betritt, reicht von Pearl Jams "Alive" bis zu "Insomnia" von Faithless.
Ken Stringfellow
Kein Wunder, dass Stringfellow den Auftritt mit den Worten "Ich bin mir nicht sicher, wie gut das hier heute funktionieren wird" eröffnet. Gehört haben dürften diesen Satz wohl allerdings nur die wenigsten Gäste, und auch die erste Nummer, das tolle "Licences To Hide" (aus dem letztjährigen The Posies-Album "Blood/Candy") geht komplett in der Geräuschkulisse der bierseligen Unterhaltungen an der Bar unter. So ist nach vier Minuten bereits klar, dass mit ambitionierten Songs und Feinsinn hier nichts zu holen ist. Also wählt Stringfellow den einfachen Weg und spielt als zweite Nummer die Posies-Hymne "Solar Sister"- und siehe da, mit Alternative Rock aus den 90ern lässt sich das Publikum in Ell problemlos einfangen! Die Begeisterung ist plötzlich sogar so groß, dass Gläser zu Bruch gehen, was Stringfellow zum Anlass nimmt, für jedes zersplitternde Glas ein weiteres zu zertrümmern - sehr zur Belustigung des alkoholisierten Publikums. Das sorgt bei "Everybody Is A Fuckin' Liar" sogar für einen echten Singalong (bzw. Grölalong), was Stringfellow ein breites Lächeln ins Gesicht zaubert. Nach einer Handvoll Posies-Songs zum Aufwärmen erinnert sich der Amerikaner dann aber doch an sein Solo-Oeuvre. Das wunderschöne Liebeslied "Known Diamond" beginnt er auf der Stromgitarre, wechselt, als das noch unter den Nachwirkungen der letzten Posies-Tour leidende Instrument den Geist aufgibt, mitten im Song ans auf der kleinen Bühne bereitgestellte Rhodes-E-Piano und beendet die Nummer dann auf der plötzlich wieder zum Leben erwachten Gitarre. Überhaupt bleiben die auf dem Piano gespielten Songs die Ausnahme, viel lieber positioniert Stringfellow sein Mikro vor der Bar, um vom Publikum umringt zu spielen, ganz einfach, weil es besser zum von ihm ausgegebenen Motto des Abends passt: "Make sure to make a mess".
Ken Stringfellow
Passend zum Ambiente, vielleicht aber auch, weil er ein bisschen müde ist ("Ich war bestimmt seit sechs Monaten nicht mehr so lange auf", gesteht er), scheint er den Auftritt nicht so richtig ernst zu nehmen - mit einer Ausnahme: Zur Mitte seines 75-minütigen Sets spielt er Gram Parsons "A Song For You" und tut dies mit so viel Empathie und derart perfekt, dass man für ein paar Minuten vergisst, auf welch feucht-fröhlicher Party man hier gerade ist. Wow! Mit "Grant Hart" heißt es danach dann allerdings wieder "Give the people what they want" - fast zumindest. Als sich im Anschluss nämlich jemand "Thirteen" wünscht, versteht Stringfellow die Aufforderung, die schönste aller Big Star-Nummern zu spielen, absichtlich falsch und sagt: "Es scheinen hier heute viele Blur-Fans anwesend zu sein, ich sollte etwas aus ihrem Album '13' spielen...", wagt sich dann aber doch auf Big Star-Terrain vor, indem er zunächst Alex Chiltons "Bangkok" und anschließend "My Life Is Right" zum Besten gibt. Das Finale gegen halb vier morgens besteht dann aus den mitgröltauglichen Posies-Songs "Please Return It" und "Ontario", bevor die Musik aus der Konserve wieder zum Zug kommt. Oder wie Stringfellow es ausdrückt: "Jetzt darf der DJ die Musik spielen, die ihr hasst, aber ihr werdet trotzdem hier bleiben und feiern, denn das hier ist die einzige Bar im Dorf!" Ausblicke auf sein lange versprochenes neues Soloalbum, das er noch dieses Jahr aufnehmen will, gab es in Ell mit Ausnahme der intensiven Piano-Nummer "Shit Talkers" nicht. Spaß hat der etwas zerfahrene Auftritt trotzdem gemacht, und das war schließlich der Zweck dieser nächtlichen Übung!
Surfempfehlung:
www.kenstringfellow.com
www.myspace.com/kenstringfellow
Text: -Carsten Wohlfeld-
Fotos: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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