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Die besseren 90 Minuten

Dirk Darmstaedter

Dortmund, Subrosa
10.09.2011

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Dirk Darmstaedter
An diesem Samstag hatte der BVB zu Hause gegen Hertha BSC verloren, der HSV im Nordderby von Werder Bremen eins auf die Mütze bekommen, und das Wetter an diesem vielleicht letzten Sommertag des Jahres war eigentlich viel zu schön, um drinnen zu hocken und Singer/Songwriter-Indiepop zu hören. Allen Widrigkeiten zum Trotz wurde es dennoch ein schöner Konzertabend. In einem vollen Subrosa hätte der Auftritt Dirk Darmstaedters ein bierseliger Kneipenabend sein können, so war es ein feines Zuhör-Konzert im Wohnzimmerambiente, bei dem statt klirrender Gläser mitunter das Knarzen des Barhockers, auf dem der Hamburger Musiker saß, das lauteste Geräusch war. Doch der nur mit Akustikgitarre und Mundharmonika bewaffnete einstige Kopf der Jeremy Days hatte keinerlei Probleme, sich darauf einzustellen.
So hatte er keine Setlist geschrieben und spielte einfach das, was ihm gerade einfiel bzw. was ihm passend erschien. Vermutlich weil er wusste, dass das handverlesene Publikum mit ihm und seinen Songs vertraut war, verzichtete er - anders als bei unserer letzten Begegnung mit ihm vor einem Jahr in Bochum - an diesem Abend darauf, viel zu den Hintergründen seiner Stücke zu sagen, und beschränkte sich auf einige nette Anekdoten. So erzählte er zum Beispiel von der Hochzeit eines Freundes, bei der er beinahe "Won't Die For You" gespielt hätte, bis ihm auffiel, dass man das auch falsch hätte verstehen können, oder von den Mitschülern seiner Highschool in New Jersey, die ihn jetzt über soziale Netzwerke aufspüren und ihn fragen: "Was it really that bad?", wenn sie hören, wie er in - lange vor Facebook-Zeiten entstandenen - Stücken à la "Appletown America" seine verkorkste Kindheit in den Staaten verarbeitet. Lustig war auch, dass er zunächst das Publikum bat, das Trinkverhalten der anwesenden englischen (!) BVB-Fans im Auge zu behalten, die später in der Nacht seine Nachbarn in der Subrosa-Künstlerwohnung sein würden, und dann ausgerechnet "Between Wake And Sleep" folgen ließ. Und dass er drei Anläufe brauchte, bis ihm die erste Strophe von "Number One Single" einfiel, obwohl er den Song seit 14 Jahren spielt, brachte auch ihn selbst zum Lachen.
Apropos alte Stücke: Obwohl er nach eigener Aussage für gewöhnlich "Nö!" sagt, wenn er von Fans gebeten wird, alte Stücke zu spielen, waren an diesem Abend gleich zwei selten gehörte Nummern der Jeremy Days im Programm, "Beautiful Love" und der allererste Song der Band, "Julie Thru The Blinds". "Brand New Toy" gab es dafür erfrischenderweise nicht. Das Highlight des Abends war allerdings sicherlich die intensiv-berührende Townes van Zandt-Coverversion "To Live Is To Fly", in die Darmstaedter noch mehr Emotionen zu investieren schien als in seine eigenen Songs. Obwohl der Auftritt vermutlich mit "betont unaufgeregt" am besten umschrieben werden könnte, vergingen die rund 90 Minuten wie im Fluge, und eines steht fest: Sie waren wesentlich unterhaltsamer als die Leistungen von BVB und HSV am Nachmittag.

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Surfempfehlung:
www.dirkdarmstaedter.de
Text: -Simon Mahler-
Foto: -Simon Mahler-


 
 

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